Dicht an dicht zu schmökern, ist wegen Corona in der Bibliothek tabu. Foto: Archiv Sigerist

Ältere und Angehörige von Risikogruppen wollen in der Stadtteilbibliothek nicht lange auf ihre Bestellung warten. Das müssen sie auch nicht. Die Bücherei bietet seit dem Lockdown einen Online-Service an.

Möhringen - Sind Ältere beim Besuch des Stadtteilbibliothek benachteiligt, weil sie eventuell wegen der Vorsichtsmaßnahmen während der Corona-Pandemie Schlange stehen müssen? Ein Vorfall,der sich am Dienstag, 16. Juni, ereignet hatte, scheint dies zu bestätigen.

„Ich war am Dienstag Nachmittag letzter Woche in der Bibliothek in Stuttgart Möhringen und musste 30 Minuten warten, bis ich die Räumlichkeit betreten konnte“, schreibt uns die Leserin unserer Zeitung Ingrid Hägele, die im Fasanenhof wohnt. Die Rentnerin, die unter Rheuma leidet, gehört zur Risikogruppe und meidet so gut wie möglich den öffentlichen Raum, um sich nicht anzustecken. Am Tag darauf sei sie wieder dort gewesen, um Bücher abzugeben und bestellte Exemplare abzuholen. „Ich habe aber sofort die Flucht ergriffen, als ich den Spitalhof betreten habe. Dort standen nämlich sage und schreibe zwölf Menschen, um in die Bibliothek zu gehen“, schreibt sie. Eine Stunde später, bei einem erneuten Versuch, seien dort immer noch sieben Menschen gestanden: „Ich habe ja Verständnis für die Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise, aber bei den langen Wartezeiten haben Menschen, die nicht lange stehen können, keine Chance, die Bücherei zu besuchen.“ Sie habe dies bei ihrem ersten Besuch den beiden dort anwesenden Damen gesagt, und diese hätten entgegnet, dass man da nichts machen könne.

Die Bibliothek muss sich an die Vorgaben der Landesregierung halten

„Als öffentliche Einrichtung müssen wir uns an die Landesverordnung halten“, sagt Katinka Emminger, die Leiterin der Stadtbibliothek. Nach dem Lockdown habe die Stadtbibliothek mit den Stadtteilbibliotheken am 18. Mai wieder geöffnet: „Wir haben dafür ein Hygiene- und Sicherheitskonzept erstellt. Um die Vorgaben des Landes einzuhalten, mussten wir die Besucherzahl einschränken.“

Während des Lockdowns habe die Bibliothek automatisch die Ausleihfristen verlängert, ohne dafür Gebühren zu verlangen. „Angesichts der Situation war das selbstverständlich“, sagt die Stadtbibliotheksdirektorin. Seit dem 18. Mai aber brächten die Leute die Medien zurück: „Viele stehen immer noch aus, und wir erinnern mit E-Mails an die Rückgabe.“ Nun kämen die Ausleihen jedoch zurück, und deshalb habe es vor allem am Dienstag längere Schlangen gegeben. „Dies hat sich nun weitgehend normalisiert, aber wir können nicht versprechen, dass man immer mal wieder zehn Minuten stehen muss“, sagt Katinka Emminger.

Der Online-Service der Lockdown-Ära ist verlängert worden

Für alle diejenigen, die sich wegen Corona nicht in die Bücherei trauen würden, biete die Einrichtung einen Medien-Abhol- und Lieferdienst: „Für Angehörige von Risikogruppen liefern wir bis zur Haustür. Die Medien müssen dafür auf einem Online-Formular bestellt werden.“ Auch alle anderen könnten online bestellen: „Dann steht das Paket bei uns zur Abholung bereit.“ Mit diesem Service, den es bereits während der Schließung gegeben habe und der nun verlängert worden sei, sagt Katinka Emminger, wolle die Stadtbibliothek den Zugangsbeschränkungen etwas entgegensetzen.

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