Foto: Roberto Bulgrin

Er ist die Mutter der Vereine des Stadtteils – der Förderverein Zell am Neckar. Er kümmert sich um das Vereinshaus, um Oldtimertreffen und Nikolausmarkt. Und er ist auch Scharnier, Schaltstelle und Kummerkasten. Eben einer für vieles....

Esslingen-Zell - Piep“. Ein kurzer Blick auf’s Handy: „Oh, da bedankt sich einer für meine Glückwünsche zum Geburtstag“, freut sich Edward-Errol Jaffke. Solche Gratulationen geht er mit Stil an. Kein kurzes Hallo über WhatsApp. Eine Karte, handschriftlich, mit persönlichen Grüßen, per Post verschickt. Nach guter, alter Väter Sitte. Auch die Vorsitzenden der Vereine in Esslingen-Zell werden zum Geburtstag persönlich gegrüßt. Das sieht Edward-Errol Jaffke als eine seiner Chefaufgaben an, denn er ist seit 2014, seit seiner Gründung, Vorsitzender des Fördervereins Zell am Neckar. Und der ist mehr, viel mehr als ein Dachverband der Stadtteil-Vereine. Er fungiert als Vereinsdach mit sehr vielen Aktionsfenstern.

 

Das Filetstückchen

Praktisch ist es ja. Ein großer Saal. Ein kleiner Saal. Küche. Sanitärräume. Viel Grün drumherum. Das Zeller Bürger- und Vereinshaus in der Alleenstraße hinter der Sporthalle ist ein kleines Schmuckstück. Natürlich wären noch größere Räume wünschenswert, und ein wenig trauert Edward-Errol Jaffke, und mit ihm alt eingesessene Zeller, dem abgerissenen Bürgerzentrum in dem Stadtteil nach. Doch das Bürger- und Vereinshaus ist immerhin etwas, und die Schicksale von Gebäude und Verein sind eng miteinander verbunden. „Es war anfangs nicht klar, wer sich um das Haus kümmern sollte. Darum wurde unser Förderverein gegründet“, erinnert sich der Vorsitzende an die Anfänge. Die Vorbereitungen zur Vereinsgründung starteten 2013, im Frühjahr 2014 übergab die Städtische Gebäude Esslingen (SGE) das Haus an den Förderverein. Aber: „Die abschließenden Maßnahmen im Haus haben sich noch bis Mitte 2014 hingezogen.“

Seither ist es Prunk- und Filetstück der Vereinsarbeit. Belegung, Terminierung, Vermietung, Übergabe und Abnahme sind Sache von Edward-Errol Jaffke und seinen engagierten Mitstreitern. Auch um das Innere kümmern sich die Ehrenamtlichen. In normalen Nicht-Corona-Zeiten ist das Haus mindestens drei Mal pro Woche auch von Vereinen belegt, an Wochenenden wird es ebenfalls genutzt – für Hochzeiten, runde Geburtstage, Betriebsschulungen oder Firmenfeiern.

Grufties der Straße

Wieder macht das Handy „Piep“. Wieder ein Dank für Geburtstagswünsche. Normalerweise klingelt das Handy von Edward-Errol Jaffke noch viel öfter. Denn – das ist das zweite Paradeobjekt des Fördervereins – auch Events und deren Organisation gehören zu seinem ehrenamtlichen Job: „Damit bringen wir mehr Leben in unseren Stadtteil.“ Einmal durch das Oldtimertreffen beim Bürger- und Vereinsheim. Immer am letzten Sonntag der Sommerferien wird das Freigelände zum Schauplatz dieses knatternden Rendezvous der Grufties der Straße. Fast 300 Asphaltveteranen rollen dann an. „Nach bisherigem Stand soll das Oldtimertreffen wieder stattfinden. Wenn die Corona-Rahmenbedingungen aber so bleiben, müssten wir es absagen“, erklärt Edward-Errol Jaffke. Der erweiterte Vereinsvorstand werde voraussichtlich am Dienstag, 14. Juli, tagen und eine Entscheidung fällen müssen.

Events finanzieren den Verein

Und der Förderverein hat noch ein weiteres Event im Programm. Am dritten Advent stimmt der eintägige Nikolausmarkt auf Weihnachten ein. Seit 2014 vom Förderverein federführend auf die Beine gestellt. Im Teamwork mit Zeller Vereinen, Einzelhandel und Gastronomie. Diese Events plus die Mitgliedsbeiträge finanzieren die Arbeit des Fördervereins. Ob die Veranstaltung in diesem Jahr allerdings virusbedingt gecancelt wird, wird sich ebenfalls in den nächsten Wochen weisen. Eine wichtige Einnahmequelle würde damit wegbrechen. Doch der Verein hat Ressourcen und Rücklagen, die ihn durch schwierige Zeiten wie diese tragen.

Ein breites Kreuz ist nötig

Gute Nerven gehören eben mit zum Job. Als langjähriger, ehemaliger Stadtrat hat Edward-Errol Jaffke ein breites Kreuz, kommunalpolitische Kenntnisse und Beziehungen. Der Förderverein, erklärt er, ist auch Scharnier, Sprachrohr, Ansprechpartner und Multiplikator für die Anliegen der örtlichen Vereine. Bei Problemen mit den Sportstätten, anstehenden Pflegemaßnahmen oder Fragen an die Stadt wird er gerne kontaktiert. Und wenn’s geht, hilft er weiter. Die meisten Vereine gehören dem erweiterten Vorstand des Fördervereins Zell am Neckar an. Etwa 70 Mitglieder zählt er insgesamt. Es sind aber wesentlich mehr Köpfe, schiebt der Vorsitzende gleich nach – durch Familienmitgliedschaften, Mitglieder wie die VHS Esslingen und eben die Vereine. Denn das hat Vorteile. Zum Beispiel eine günstigere Miete bei Nutzung des Bürger- und Vereinshauses.

Sprachrohr und Scharnier

„Piep.“ Noch ein weiteres Dankeschön für persönliche Geburtstagswünsche. Doch Edward-Errol Jaffke macht das gern: Er sei halt ein eingefleischter Vereinsmeier. Und: „Wenn der Staat die Arbeit der Ehrenamtlichen bezahlen müsste, dann würde ihn das mehrere Millionen Euro kosten. Und das wäre finanziell bestimmt nicht leistbar.“