An der Bahnunterführung vor dem Kreisel am Einkaufszentrum Mercaden geht oft gar nichts mehr. Foto: factum/Weise

Der tägliche Stau in der Böblinger Wolfgang-Brumme-Allee, die Ampelschaltungen und das Chaos vor dem Einkaufszentrum Mercaden liegen den Bürgern schwer im Magen. Sie äußern in einer Bürgersprechstunde harsche Kritik.

Böblingen - Das Rund im Brumme-Saal ist fast gefüllt zur Bürgersprechstunde mit dem Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne). Es ist angerichtet. Eine städtische Mitarbeiterin schenkt Weihnachtspunsch aus, auf dem Tisch liegen Lebkuchen. Von Friede und Freude ist jedoch nicht viel zu spüren. Rund 25 Böblinger Einwohner haben sich eingefunden. Vielen liegt besonders auf dem Herzen: das Verkehrschaos in der Stadt. Das nun erst recht um sich greift, weil an der Wildermuth-Kaserne eine Baustelle eingerichtet ist. Die Autos stehen von den Autobahnein- und ausfahrten bis in die Herrenberger Straße. An ein Fortkommen ist nicht zu denken.

Busfahrer kommen kaum in ihre Spur

Man komme zu den Hauptverkehrszeiten nicht mehr in die Autobahn 81 hinein und auch nicht mehr heraus, meldet sich eine Bürgerin zu Wort. Wenn sie ihren Nachwuchs zur Schule fahre, müsse sie die Brumme-Allee passieren: „Das ist fast unmöglich.“ Es sei jedes Mal ein Abenteuer, in den Kreisverkehr vor dem Einkaufszentrum Mercaden zu fahren. „Die armen Busfahrer tun mir auch leid“, fügt die Frau hinzu. Sie stünden zusammen mit Lastwagen dort mitunter minutenlang und kämen kaum in die Spur, die sie anvisierten. „Der Kreisverkehr ist ein Verkehrsklumpen“, stellt die Frau aus Böblingen, Mitte Vierzig, fest, die zwei bis drei Mal in der Woche auch an ihren Arbeitsplatz kommen muss und ansonsten „zum Glück Homeoffice machen kann“.

Der Stau reicht oft bis nach Sindelfingen und in die andere Richtung weit über den Elbenplatz hinaus. Sie wisse von den Busfahrern, die Kinder zur Schule bringen wollten, „dass sie am Ausflippen sind“, berichtet die Frau. Und nun habe sie gehört, dass an der Brumme-Allee unweit der Mercaden auch noch eine weitere Fußgängerampel installiert werden solle. Wo doch diejenige unter der Eisenbahnunterführung morgens und abends den gesamten Verkehr zum Erliegen bringe.

Kritik am Brückenabriss

Ähnlichen Unmut äußern auch andere Besucher an dem keineswegs besinnlichen Abend. Die Ampelschaltungen – nicht nur für Fußgänger – sind einem Herrn in der Runde generell ein Dorn im Auge. „An einigen Stellen sorgen sie dafür, dass 20 Autos stehen bleiben müssen, damit ein Auto fahren kann“, gibt der Mann zu bedenken. Er nennt das Beispiel der Thermalbadkreuzung, wo oft sehr viele Verkehrsteilnehmer warten müssten. „Das trägt kaum zum Klimaschutz bei“, redet er dem grünen OB ins Gewissen. Zebrastreifen, durch die Fußgänger Vorrang erhalten, würden es doch auch tun, meint der Sprechstundengast.

„Der geplante Abriss der Fußgängerbrücken an der Brumme-Allee ist ebenfalls ein Unsinn“, sagt ein anderer kritischer Bürger am Weihnachtstisch. Eine weitere Besucherin schlägt vor, doch nicht alle Brücken abzureißen und wenigstens die an der Kreissparkasse nahe des Elbenplatzes stehen zu lassen.

Belz: Fußgängerampel ist sicherer als nur ein Zebrastreifen

Bei so viel Kritik muss Stefan Belz erst einmal durchatmen. Die Zeiten seien vorbei, als man die Fußgänger noch vom Straßenverkehr habe fernhalten wollen. Gerade in der Brumme-Allee wolle man die so genannte Ebene Null beleben: dass Passanten dort die Straßen überqueren könnten. Der Abriss der Brücken sei im Gemeinderat beschlossen worden. Und ja, auch eine weitere Fußgängerampel an der Brumme-Allee sei im Gespräch: „Vor allem ältere Menschen fühlen sich mit einer Ampel sicherer.“ Es hätten sich auch Eltern bei ihm gemeldet, deren Kinder dort unterwegs seien: „Sie wollen jede Gefahr für ihren Nachwuchs ausschließen.“ Und was die Baustelle vor der Wildermuth-Kaserne betrifft, dazu äußert sich der OB explizit nicht. Der Rathauschef verspricht jedoch, die Probleme noch unter die Lupe zu nehmen. „Ich möchte einen Generalverkehrsplan anschieben“, sagt Stefan Belz.

Bauarbeiten an der Brumme-Allee dauern wohl noch bis Weihnachten

Baustelle:
Die Behinderungen wegen der Baustelle an der Wildermuth-Kaserne gehen wohl noch bis kurz vor Weihnachten weiter. Bis dahin werden dort neue Wasserleitungen verlegt. Die letzte Bauphase, die voraussichtlich bis zum 21. Dezember dauert, hat mit einer geänderten Verkehrsführung begonnen. Stadtauswärts kann nun lediglich die linke Fahrspur genutzt werden. Stadteinwärts sind beide Spuren wieder befahrbar. Linksabbieger, die von der Innenstadt kommend auf der Brumme-Allee in die Flugfeld-Allee wollen, müssen eine Umleitung in Kauf nehmen, weil die Zufahrt nicht möglich ist. Die Arbeiten an der Wildermuth-Kaserne habe man wegen der Sperrung der Herrenberger Straße und witterungsbedingt nicht länger aufschieben können, lässt die Stadt verlauten.

Fußgängerbrücken:
Im Februar sollen die drei Fußgängerbrücken über der Brumme-Allee abgebrochen werden. Die Stadt gibt dafür 660 000 Euro aus. Die Sanierung hätte 600 000 Euro gekostet. Für die Bauarbeiten wird die Straße voll gesperrt. Ein Abbruch während eines Wochenendes hätte fast 300 000 Euro mehr gekostet. Weil im Februar die Herrenberger Straße wieder befahrbar sein soll, sieht die Verwaltung kein erhöhtes Verkehrsproblem. Die Brücken fallen, weil die Innenstadt attraktiver werden soll. Viele Geschäfte haben ihre Haupteingangsbereiche in das Erdgeschoss verlegt wie etwa das Möbelgeschäft Poco.

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