Das kleine Karo, das beim bisherigen Planungsmarathon für die Gleisflächen dominiert, und ganz konkrete Beispiele des städtebaulichen Stillstand in der Stadt, lassen das Schlimmste befürchten, kommentiert unser Redakteur Christian Milankovic.
Der Klötzchen auf Modellen sind genug gestapelt, bunte Bilder in ausreichender Menge gemalt. Bei den Planungen für die neuen Quartiere auf den Flächen, die durch Stuttgart 21 einmal frei werden, muss die Stadt zwingend konkreter werden, als sie es bisher gewesen ist. Sonst droht ein jahrelanger Stillstand in der Stadtentwicklung – und der dringend benötigte Wohnungsbau würde sich auf unbestimmte Zeit verzögern. Zu diesem Schluss muss kommen, wer die letzten Tage verfolgt hat, wie in der Stadt über das Rosensteinviertel und einzelne Grundstücke auf den Bahnflächen verhandelt wird.
Selbstverständlich können die Entscheider stets auf die Abhängigkeit von der Bahn hinweisen. Wer weiß denn schon so genau, wann Stuttgart 21 tatsächlich fertig wird und mit dem Rückbau der heutigen Bahnanlagen begonnen werden kann? Das ist richtig. Aber diese Unwägbarkeit entlässt die Planer nicht aus der Pflicht, auf diesen Tag X vorbereitet zu sein – mit rechtskräftigen Bebauungsplänen, die in die Tat umgesetzt werden können.
Reden ersetzt Entscheiden nicht
Ein immerwährender Stuhlkreis, ein Aneinanderreihen von immer neuen Beteiligungsformaten mag den Teilnehmern das Gefühl des Gehörtwerdens vermitteln. Echte Stadtplanung, die in konkrete Beschlüsse und Vorhaben inklusive belastbarer Zeitpläne mündet, kann dadurch aber nicht ersetzt werden. Die Ambitionslosigkeit im bisherigen Vorgehen muss schnellstmöglich entschiedenem Handeln weichen.
Mahnendes Beispiel in der Stadt
Was passiert, wenn Pläne nicht ausreichend konkretisiert werden, lässt sich an dem Trauerspiel um die Flächen zwischen der ehemaligen Bahndirektion und den Weinbergen am Kriegsberg anschauen. Jahrelang wühlte sich dort die Bahn durch den Untergrund. Doch die Baugruben links und rechts der Jägerstraße sind längst geschlossen, haben bei den Flächen Immobilienentwickler zugegriffen. Aber auch Jahre nachdem die Tunnelbauer das Feld geräumt haben, verunstalten Brachen das Stadtbild, weil die Stadt die rechtlichen Grundlagen für den Wiederaufbau nicht geschaffen hat.
An der Rathausspitze aber auch in den Reihen des Gemeinderates sollte ernsthaft die Frage diskutiert werden, ob die weitere Entwicklung der großen Bahnflächen, die die Stadt einst für mehr als eine halbe Milliarde Euro erworben hat, nicht besser in der Regie einer Projektgesellschaft entwickelt werden. Das heißt nicht, dass nicht am Ende der Gemeinderat entscheidet – es könnte aber heißen, dass es wenigstens in absehbarer Zeit am Ratstisch überhaupt etwas konkret zu entscheiden gibt. Läuft es so weiter wie bisher, droht die Stadt die Zukunft zu verspielen.