Bei der ersten öffentlichen Veranstaltung der Stadtisten erörtern Thorsten Puttenat, Frieder Hartung, Lars Becker, Elke Müller, Loubna Forer und Christine Blankenfeld (von links) auf dem Podium, was eine Willkommenskultur für sie bedeutet. Das Publikum in der Rampe bringt sich ebenfalls ins Gespräch ein. Foto: Martina Zick

Die Wählervereinigung Stadtisten wollen das Klima in der Stadt verändern – und streben in den Gemeinderat. „Willkommenskultur in Stuttgart“ lautete das Thema des Gesprächsabends.

S-Süd - Eine bessere Willkommenskultur: Das ist ein Thema, das seit dem Amtsantritt von Fritz Kuhn als Stuttgarter Oberbürgermeister vor gut einem Jahr immer wieder auf der Tagesordnung steht, aktuell wegen der geplanten Willkommenszentren. Und es ist ein Thema, dem sich die Stadtisten verschrieben haben. Im vergangenen September hat sich diese Wählervereinigung gegründet, am Freitagabend hat sie im Theater Rampe zu ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung eingeladen.

Vier unterschiedliche Blickwinkel

„Willkommenskultur in Stuttgart“ lautete denn auch das Thema des Gesprächsabends, zu dem Christine Blankenfeld – zusammen mit dem Musiker Thorsten Puttenat das Sprecherduo der Stadtisten – die etwa drei Dutzend Zuhörer begrüßte, darunter nicht nur Mitstreiter, sondern auch „Gesichter, die ich noch nicht kenne“.

Auf das Podium eingeladen waren vier Stuttgarter, die mit dem Thema auf unterschiedliche Weise zu tun haben: Lars Becker, Mitglied der Stadtisten, und Frieder Hartung haben zusammen die Initiative Divercities Stuttgart ins Leben gerufen, die ebenfalls die Willkommenskultur in der Stadt verbessern will und deshalb mit der Verwaltung in Kontakt steht. Ferner Elke Müller von Compass International, einem Unternehmen, das sich um ausländische Mitarbeiter anderer Unternehmen kümmert, sowie Loubna Forer. Letztere kann als gebürtige Palästinenserin, die seit 1986 in Deutschland lebt, aus eigener Erfahrung von Krieg, Flucht und dem Ankommen in einem fremden Land berichten; sie engagiert sich in Stuttgart für Flüchtlinge.

Offener Umgang mit den Flüchtlingen

In dem Gespräch, an dem sich auch die Zuhörer aktiv beteiligt haben, wurden zwar keine konträren Positionen erörtert. Doch es ging neben der grundsätzlichen Frage, was eine Kultur des Willkommens bedeutet, wie sie zu erreichen sei und was die Willkommenszentren bewirken sollen, unter anderem darum, wie man Flüchtlingen ganz praktisch helfen kann. Grundsätzliche Voraussetzung sei – auch darin herrschte Einigkeit –, sich gut zu informieren, um nicht Vorurteilen aufzusitzen. Forer warb daher dafür, offen auf die Neuankömmlinge zuzugehen und mit ihnen zu reden. Niemand „flüchtet gerne und lässt seine Familie zurück“, machte sie zudem deutlich, dass die Menschen „nicht hier sind, um Bettler zu sein“.

Offen auf die Flüchtlinge zugehen: Das wollen auch die Stadtisten. Denn sie sind nicht nur angetreten, um Stuttgart ganz allgemein „in einem Klima von Fairness und sozialer Wärme“ zu verändern – die „Haltung“ ist für sie dabei sehr wichtig –, sondern auch, um „konkret zu werden“. Im Stuttgarter Süden ist ihr erstes Projekt die Unterstützung des neuen Flüchtlingsheims in der Böblinger Straße. Um das Wie zu besprechen, haben sie sich am Samstagabend zum ersten „Stadtis-Tisch“ im Süden getroffen. Im Stuttgarter Westen gebe es einen solchen Treff bereits, in der Stadtmitte sei einer in der Gründung, berichtet die Sozial- und Politikwissenschaftlerin Blankenfeld.

Erst 25 potenzielle Kandidaten

Nach und nach, so hoffen sie und ihre Mitstreiter, soll es solche Foren des Austauschs in jedem Stadtteil geben. Ist es doch ein zentrales Anliegen der Stadtisten, eine „Ideenplattform für Stuttgart“ zu sein und so in die Gesellschaft und die Politik hineinzuwirken, erklärt Ralf Peter Maier, einer der Mitbegründer und wie Puttenat stellvertretender Vorsitzender der Wählervereinigung.

Damit hängt das zweite Ziel der neuen Gruppierung zusammen: Die Stadtisten wollen bei der Gemeinderatswahl am 25. Mai antreten. Neben Maier selbst, der in Stammheim wohnt, ist unter anderen auch Blankenfeld bereit zu kandidieren. Sie will im Süden ins Rennen gehen. Allerdings muss die Mitgliederversammlung Ende Februar oder Anfang März noch über die Bewerberliste abstimmen. Und bis jetzt gibt es erst 25 potenzielle Kandidaten – 60 haben Platz auf der Liste.

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