An der Ecke Kronen- und Stuttgarter Straße in Münchingen entsteht ein Edeka-Markt, der in Kürze öffnet. Foto: Simon Granville

Was tun Städte, wenn sie die Lebensqualität in der Kommune erhöhen wollen und zugleich den Einzelhandel stärken? Beispiele aus Korntal-Münchingen und Ditzingen.

Die Firma Mörk Immobilien aus Leonberg hat dieser Tage gute Neuigkeiten zu verkünden: Die Edeka-Filiale an der Ecke Kronen- und Stuttgarter Straße im Stadtteil Münchingen öffnet am 19. März. Darauf warten viele Bürgerinnen und Bürger schon seit Jahren sehnsüchtig, weil Münchingen keinen Vollsortimenter hat. Der Supermarkt ist also ein wichtiger Teil der Nahversorgung. Was dem Ort dann noch fehlt: eine Drogerie. Die Stadt sucht seit langem eine passende Fläche.

 

Laut dem Prokuristen des Bauherren Mörk, Marco Mander, ist die Fertigstellung des Wohn- und Geschäftshauses im Zeitplan. Auf dem 3900 Quadratmeter großen Areal entstehen außerdem eine Bäckerei mit Café - Tante Erika‘s Markt-Bäckerei – 61 Wohnungen, eine Arztpraxis, zwei Tiefgaragen-Ebenen mit rund 138 Stellplätzen sowie zehn öffentliche Stellplätze. Marco Mander sagt, die ärztliche Versorgung im Ort werde durch eine Hausarztpraxis im ersten Obergeschoss gewährleistet. Die Praxis werde von Ärzten betrieben , die bereits in Münchingen ansässig seien und sich vergrößern.

Voraussichtlich im zweiten Quartal beginnt der Investor mit der Vermarktung der Mietwohnungen. Die Preise würden vom Investor marktüblich festgelegt, sagt Marco Mander. „Mit einem großen Mietangebot an unterschiedlichen Wohnungsgrößen von kompakten Ein-Zimmer- bis zu großzügigen Fünf-Zimmer-Wohnungen kann dem hohen Bedarf an Wohnraum nachgekommen werden.“ Für den Start und die Besichtigungstermine in der Vermietungsphase stehe eine Musterwohnung zur Verfügung.

Mehr Aufenthaltsqualität im Ortskern

Beim Spatenstich am 7. Dezember 2021 sagte der damalige Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos), mit dem Gebäude werde der Ortskern deutlich sein Gesicht verändern, an Aufenthaltsqualität gewinnen und weiteren, dringend nötigen Wohnraum bekommen.

Mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum bringt auch das millionenteure Bauprojekt direkt vor de r Haustür des Edeka-Marktes: Seit Anfang dieses Jahres wird die Stuttgarter Straße umgebaut und modernisiert. Die Ortsdurchfahrt erhält zwischen dem Wetteplatz und Bahnübergang ein neues Gesicht mit unter anderem Wasserspielen, Sitzmöglichkeiten, Bäumen und Tempo 30 bei engerer Straße und breiteren Gehwegen. Umgebaut wird in insgesamt drei Abschnitten.

Das Augenmerk beim ersten – ebenfalls dreigeteilten – Abschnitt zwischen der Kronenstraße und der Danziger Straße liegt darauf, dass die Arbeiten beim Vollsortimenter zu dessen Eröffnung beendet sind. Die Rathaussprecherin Angela Hammer teilt mit, durch die sehr kalte Witterung seien die Arbeiten zwei Wochen hinter dem Zeitplan. Von der Kronenstraße bis zur Oelmühle seien jetzt die Wasserleitungen inklusive Hausanschlüsse verlegt. Aktuell werde die Pflasterfläche im Bereich des Vollsortimenters erstellt – die Straße und Gehwege werden gemacht. Am 18. März soll die Durchfahrt der Kreuzung Kronenstraße/Stuttgarter Straße wieder freigegeben werden, so Hammer.

Nachdem die Baustelle samt Umleitung in der Stuttgarter Straße eingerichtet waren, gab es wegen des verstärkten innerörtlichen Verkehrs Beschwerden von Anwohnern. Die Kritik beziehungsweise der erhöhte Informationsbedarf hätten sich weitgehend beruhigt, sagt Angela Hammer. Nach den Rückmeldungen habe das Ordnungsamt nachgebessert und zusätzliche Maßnahmen ergriffen. „In der Christophstraße stehen nun eine Geschwindigkeitsanzeigetafel und ein Schild, dass Lkw ab fünfeinhalb Tonnen – ausgenommen Leerungsfahrzeuge – hier nicht fahren dürfen.“ Das Durchfahrtsverbot gelte in beiden Richtungen. In der Hauptstraße wurde laut Hammer der Wegweiser vor der Einmündung zur Stuttgarter Straße angepasst, sodass für Verkehr in Richtung Autobahn und Stuttgart die Fahrtrichtung nach links vorgegeben sei. Zudem gebe es mobile Messungen in mehreren Straßen: Christoph-, Hofstatt-, Entenwiesen-, Barbara-Kayser-Straße. „Zudem hat das Ordnungsamt Schwellen zur Verkehrsberuhigung der Christophstraße bestellt.“

Verkehrsberuhigung ist auch das zentrale Thema in der Ditzinger Marktstraße. Einig ist der Gemeinderat darin seit langem, dass die Straße zunächst vom Durchgangsverkehr befreit werden muss. Schließlich war das Ziel der eigens auch dafür gebauten Westumfahrung, die Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte durch die Verkehrsreduktion zu erhöhen. Jetzt, Jahre später, ist die Situation in der Einkaufsstraße quasi dieselbe wie vor dem Bau der Umgehung. An dieses übergeordnete Ziel der Stadtentwicklung – mehr Lebensqualität, weniger Verkehr – erinnerte der Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) die Stadträte in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Auf der Tagesordnung stand die Entscheidung darüber, die Marktstraße zur Fußgängerzone zu machen. Einen entsprechenden, temporären Verkehrsversuch hatte die Stadtverwaltung beantragt, er war im Fachausschuss gegen die Stimmen der Grünen abgelehnt worden. Die Grünen hatten den Vorstoß begrüßt, sie nahmen daher im Gemeinderat einen neuen Anlauf.

Temporärer Verkehrsversuch wurde abgelehnt

Groß war die Angst der anderen Räte gewesen, die Geschäftstreibenden würden schon in der begrenzten Zeit unwiederbringlich Schaden nehmen. Zumal mit der Sperrung des Streckenabschnitts auch Parkplätze weggefallen wären. Die Vertreter der örtlichen Wirtschaft hatten auch angeführt, dass der durch den Onlinehandel verstärkte Druck auf den stationären Handel seit Corona zugenommen habe. Gerade deshalb sei man auf Parkplätze in Ladennähe angewiesen, um dem Kunden entgegenzukommen.

Grünen-Rat Ulrich Steller hatte seinen neuerlichen Vorstoß damit begründet, dass die positiven Effekte einer Fußgängerzone laut Untersuchungen etwa des Bundesumweltamtes deutlich überwiegen. Er befürchtete, „dass wir eine Chance für die Entwicklung Ditzingens verpassen, wenn wir es einfach fallen lassen“. Das abermalige Werben für eine Fußgängerzone half nicht. Gleichwohl wurden mehrere Maßnahmen etwa in der Verkehrsführung beschlossen, um den Durchgangsverkehr zu minimieren und die Aufenthaltsqualität der Marktstraße durch Gestaltungselemente zu steigern.