Andreas Reikowski mit einem seiner Modelle, einer Stadt im Maßstab 1:1000. Foto: Bernd Zeyer

Lego-Bausteine sind nicht nur in Kinderzimmern Zuhause. In der Stadtteilbibliothek gibt es eine Ausstellung zu sehen, die Kunstwerke des Stuttgarter Vereins „Schwabenstein 2x4“ präsentiert.

Zuffenhausen - Lego – diese vier Buchstaben lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland eine Erwachsenen-Sammlerszene, die sich den bunten Bausteinen verschrieben hat. Einer von ihnen ist Andreas Reikowski. Der 54-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender des Stuttgarter Lego-Vereins „Schwabenstein 2x4“, von dem es noch bis zum 20. April Exponate in der Stadtteilbibliothek zu sehen gibt.

„Grundsätzlich kann man mit Lego alles bauen“, sagt Reikowski. Der Beweis wird den Bücherei-Besuchern vielfältig vor Augen geführt: Futuristische Städte, weltbekannte Bauwerke wie der Berliner Reichstag oder das Capitol in Washington, allerlei Figuren und Fahrzeuge, darunter ein Porsche 911 aus 2704 Teilen, zeigen, dass es für Lego-Fanatiker nur eine Grenze zu geben scheint: die eigene Fantasie. „Wir sind froh, dass wir uns öffentlich präsentieren können“, erläutert Reikowski. Der Kontakt mit den Stadtteilbibliotheken kam über die Stadtbücherei am Mailänder Platz zustande. Zuffenhausen ist die vierte Station der Ausstellung, danach geht es nach Vaihingen. „Wir sind für über ein Jahr ausgebucht“, sagt Reikowski.

Zehn Vitrinen stehen in der Zuffenhäuser Bücherei, Kinder und Erwachsene gleichermaßen drücken sich daran die Nasen platt. „Ich habe daheim auch Legosachen, die sind aber nicht so toll wie das hier“, sagt Jan. Der Neunjährige wollte eigentlich nur ein paar Medien zurückgeben, jetzt steht er fasziniert vor dem „Toa Punk Desert Hole“. Es stellt eine Stadt dar, in die sich „Bionicle-Kampfroboter“ (eine spezielle Lego-Serie) zurückziehen, wenn sie ausruhen wollen. So richtig super findet Jan, dass die Stadt düster, gefährlich und heruntergekommen aussieht. Dieser Look hat den Erbauer viel Zeit gekostet: Nachdem Reikowski das Modell nach vier Wochen fertiggestellt hatte, verschwand es für weitere sechs Wochen unter seinem Bett, um es verstauben und verdrecken zu lassen. Es ist eines seiner Lieblingsbauwerke – und, wie viele andere Modelle, ein Einzelstück. Die Bausteine gibt es zwar zu kaufen, aber eben nicht als Komplettbausatz.

Mehr Zeit für Lego als für die Familie

Reikowski schätzt, dass 6000 bis 7000 verschiedene Legosteine im Umlauf sind. In den vergangenen Jahren sei die Zahl explosionsartig gestiegen, vor allem Figuren und Zubehör werden von der dänischen Firma, die der weltweit größte Spielzeughersteller ist, auf den Markt gebracht. Das Unternehmen wurde 1932 vom Tischlermeister Ole Kirk Christiansen zunächst zur Herstellung von Holzspielzeug gegründet. 1934 erfand er den Namen Lego als Abkürzung für „leg godt“, dänisch für „spiel gut“. 1949 wurden Bausteine eingeführt, die den heutigen Steinen bereits ähnlich sahen.

60 Mitglieder hat der im Jahr 2015 gegründete Verein mittlerweile, jeden dritten Samstag im Monat gibt es von 18 Uhr an einen Stammtisch im SSB Waldaupark. Fast seine ganze Freizeit steckt Reikowski, der bei der Bahn arbeitet, in sein Hobby. Familienkompatibel ist diese Leidenschaft nicht. Zwar hat der Lego-Fan Frau und Kind, die leben aber vier Kilometer entfernt in einer anderen Wohnung. „Entflochten“, so beschreibt er diesen Zustand. Die 60 Quadratmeter seiner Bleibe in Rohracker braucht er für sein Hobby.

„Ich baue im Kopf ständig weiter“, erzählt der 54-Jährige. Wenn er unterwegs sei, so stelle er sich oft vor, wie man das Gesehene mit Lego nachbauen könne. Besonders reizt ihn gerade der Bülow-Tower am Pragsattel: „Ich zähle geistig die Noppen.“

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