Stadtbahnhalt in Bad Cannstatt Fehlerhafte Software blockiert die Springlichter

Von Rebecca Stahlberg 

An den Stadtbahnhaltestellen Rosensteinbrücke (Foto) und am Wilhelmsplatz müssen Passanten derzeit auf die Springlichter verzichten, die vor einfahrenden Bahnen warnen. Foto: Annina Baur
An den Stadtbahnhaltestellen Rosensteinbrücke (Foto) und am Wilhelmsplatz müssen Passanten derzeit auf die Springlichter verzichten, die vor einfahrenden Bahnen warnen. Foto: Annina Baur

An den Stadtbahnhaltestellen Wilhelmsplatz und Rosensteinbrücke in Bad Cannstatt heißt es weiterhin: Augen auf! Denn die Springlichter, die Passanten vor einfahrenden Bahnen warnen, sind seit einigen Monaten defekt und daher abgedeckt – das wird noch eine Weile so bleiben.

Bad Cannstatt - Sie dienen als zusätzliches Warnsignal. Ohne weiteres Umschauen nach beiden Seiten sollten sich Passanten aber nicht auf die blinkenden Lichter an den Stadtbahnübergängen verlassen. Darauf weisen sowohl die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) als auch das Tiefbauamt hin. Am Wilhelmsplatz und an der Rosensteinbrücke funktionieren die Signale derzeit ohnehin nicht– und das schon seit vielen Monaten. Sie sind mit orangenen Hüllen abgedeckt. „Anlage außer Betrieb“, steht gut sichtbar in schwarzen Lettern darauf. „Der Fehler ist zwar gefunden, aber noch nicht repariert“, sagt Wolfgang Hertkorn von der Dienststelle Verkehrsmanagement beim Tiefbauamt.

Das Problem liege in der Kommunikation der einfahrenden Bahnen mit der Signalanlage. „Wenn die Stadtbahnen kommen, melden sie sich an. Die Blinklichter werden über Kontakte gestartet“, erläutert Hertkorn. Da der Wilhelmsplatz ein Knotenpunkt mit komplizierter Fahrbeziehung sei, komme es vor, dass eine gegenüber oder von der Seite einfahrende Bahn das Signallicht wieder ausschalte, weil dadurch ein anderer Kontakt aktiviert werde. „Dies ist software-technisch nicht abgefangen, es ist eine Unzulänglichkeit in der Programmierung“, sagt er.

Passanten sind an die Blinklichter gewöhnt

Da dies nicht oft, aber manchmal eben doch passiere, habe man die Lichter abdecken müssen. „Das Risiko ist einfach zu groß. Denn die Passanten sind gewohnt zu denken, dass keine Bahn kommt, wenn die Lichter nicht blinken.“ Das beauftragte Ingenieurbüro sei derzeit damit beschäftigt, die Programmierung umzuschreiben. Man rechne damit, dass dies im August beendet sei und die Signalbaufirma dann die neue Software einrichten könne. Es sei natürlich „unschön“, dass der Defekt so lange Zeit bestehe, sagt Hertkorn. Das Büro sei im Rahmen der Bauprojekte Stuttgart 21 und Rosensteintunnel beschäftigt, dadurch sei viel Personal gebunden. Da es sich bei den Springlichtern um einen seltenen Spezialfall handele, könne man aber nicht einfach ein anderes Büro beauftragen, da dies eine zu lange Einarbeitungszeit bedeuten würde.

An der Haltestelle Rosensteinbrücke ist das Problem leicht anders gelagert. Dort wird die fehlerhafte Kommunikation mit der Signalanlage dadurch ausgelöst, dass sich Busse und Stadtbahnen den Fahrweg teilen. Bei gewissen Konstellationen werde auch dort das Signal einer einkommenden Bahn beispielsweise wieder gelöscht, weil ein Bus den Kontakt aktiviere. „Die Lösung ist da, aber noch nicht umgesetzt“, sagt Hertkorn. Er rechne damit, dass es „im Spätsommer“ repariert werde. Es sei nötig, zusätzliche Detektoren ins Gleisbett einzubauen. Zudem müsse die neue Steuerungslogik programmiert werden; dafür ist ein anderes Ingenieurbüro zuständig. Dies solle nach den Sommerferien geschehen, sagt er. Im Anschluss könne das neue Programm in das Steuerungsgerät eingespielt werden, sodass künftig die Anmeldungen der Bahnen und Busse korrekt ausgewertet werden können.

Den Wilhelmsplatz auf Herz und Nieren prüfen

Unabhängig von der Reparatur der Springlichter sei geplant, im Herbst den Wilhelmsplatz „auf Herz und Nieren zu prüfen“, kündigt Hertkorn an. Dies tue man derzeit beispielsweise auch am Berliner Platz in der Innenstadt. Dort seien durch das SSB-Projekt „Netz 2016“ zusätzliche Fahrten hinzugekommen, beispielsweise durch die verlängerte U12 nach Dürrlewang. „Damit dies nicht zu Lasten des Autoverkehrs und der Fußgänger geht, haben wir die Steuerung dort optimiert“, erklärt er. Dasselbe wolle man auch am Wilhelmsplatz tun, weil etwa die U19 bei Tagen mit Feinstaubalarm zusätzlich fahren werde oder die U13 einen engeren Takt in den Abendstunden habe.

Redaktion Bad Cannstatt

Ansprechpartner
Torsten Ströbele
cannstatt@stz.zgs.de

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