Beim Ferienprogramm auf der Jugendfarm verwandelten diese Mädchen ein Bambusrohr in einen vertikalen Garten. Foto: Archiv/Stoppel

Die Stadt Waiblingen und der Jugendfarm-Verein einigen sich auf einen Kooperationsvertrag, der dem Projekt auf dem Finkenberg eine solide finanzielle Basis verschafft. Die endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat aber erst im Oktober.

Waiblingen - Was lange währt, wird offenbar endlich gut. Denn nach jahrelangem Hin und Her haben sich die Stadt Waiblingen und der Jugendfarm-Verein jetzt auf einen Kooperationsvertrag geeinigt, der das Projekt auf eine solide finanzielle Basis stellt. Der Sozialausschuss hat am Mittwochabend den gemeinsam erarbeiteten Vorschlag einstimmig begrüßt und dem Gemeinderat, der das letzte Wort hat, empfohlen, grünes Licht für das Modell zu geben.

Der Kooperationsvertrag sieht vor, dass die Stadt künftig 95 Prozent aller Betriebskosten der Jugendfarm übernimmt. Das im Jahr 2013 erarbeitete Konzept hatte noch festgelegt, dass sich der Verein und die Stadt alle Betriebs- und Investitionskosten teilen. „Das Modell hat nicht dazu geführt, dass die Jugendfarm sich weiterentwickeln konnte“, so fasste es die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Erziehung, Erika Schwiertz, zusammen.

Schwerpunkt auf Tier- und Naturpädagogik

Tatsächlich hat der Jugendfarmverein in den vergangenen Jahren zwar regelmäßig Ferienprogramme auf dem Gelände des Finkenbergs angeboten, einen durchgängigen Betrieb gab es jedoch mangels hauptamtlicher Mitarbeiter nicht. Das soll sich mit dem neuen Vertrag ändern: Künftig soll die Jugendfarm von Dienstag bis Freitag und einmal im Monat samstags geöffnet sein, außerdem an drei Wochen in den Sommer- und jeweils eine Woche in den anderen Ferien. Die Stadt stellt dafür Personal, wobei keine neuen Stellen geschaffen werden. Vielmehr wird der im Stadtteilhaus Forum Nord untergebrachte Kinder- und Teenietreff, der kostenlose Freizeitangebote bietet, auf das Jugendfarm-Gelände verlagert, wo das Angebot dann passenderweise auf Natur- und Tierpädagogik ausgerichtet sein wird – ein Bereich, den es in der Kinder- und Jugendförderung bisher so nicht gibt.

Der Jugendfarm-Verein soll das Basisprogramm mit eigenen Veranstaltungen erweitern und so die Möglichkeit bekommen, eigene Einnahmen zu erzielen. In Zukunft könnte er damit irgendwann Honorarkräfte bezahlen. Ausdrücklich gewünscht ist, dass der Verein mit Kindergärten und Schulen kooperiert. Aufgabe des Vereins wird auch die Pflege des Grundstücks und der noch zu errichtenden Gebäude sowie die Versorgung der Tiere sein. Diese sollen möglichst rasch auf der Jugendfarm einziehen – wenn alles rund läuft, beginnt der Bau von drei Kleintierställen und einer Futterkammer noch in diesem Jahr. Die Kosten werden mit etwa 50 000 Euro veranschlagt.

Zufriedenheit mit 95-Prozent-Modell

In drei, vier Jahren könnte der Verein bei entsprechender Nachfrage dann auch selbst Personal anstellen – vorausgesetzt die Stadt stimmt dem zu. Diese soll einen ständigen Sitz im Vereinsvorstand erhalten. In einer dritten Stufe, welche die Stadt auf das Jahr 2022 oder später terminiert, soll dann über den Bau eines Farmhauses entschieden werden.

„Wir haben überraschend schnell einen Konsens erzielt“, sagte der Oberbürgermeister Andreas Hesky über die jüngsten Gespräche. Die Idee sei, die Jugendfarm wie die Kindertageseinrichtung eines freien Trägers zu behandeln – gemäß dem 95-Prozent-Modell. Damit sei der Verein rundum zufrieden, betonte der Vorsitzende und SPD-Gemeinderat Peter Beck: „Wir müssen beweisen, dass wir die Anforderungen erfüllen können. Das ist ein völlig legitimes Vorgehen.“ Er hoffe sehr, dass der Gemeinderat dem Vertrag im Oktober zustimmen werde.

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