Cornelia Ewigleben geht in den Ruhestand. Die Direktorin hat im Landesmuseum Württemberg und in Stuttgart viel bewegt.
Stuttgart - Vermutlich werden im zuständigen Ministerium einige drei Kreuze machen und insgeheim denken: Endlich ist sie weg. Denn Cornelia Ewigleben konnte durchaus unbequem sein. Als Direktorin des Württembergischen Landesmuseums erlaubte sie sich, auch mal zu widersprechen. Cornelia Ewigleben gehört nicht zu jenen, die einfach abnicken und artig umsetzen, was Politik und Verwaltung aushecken. Und im Rückblick kann man sagen: Das war nicht nur gut so, es war sogar ein Glücksfall für Stuttgart.
Nach 15 Jahren am Landesmuseum geht Cornelia Ewigleben nun in den Ruhestand. Und es gibt kaum jemanden, der in dieser Position so viel bewegt hat wie sie. Die beherzte Museumschefin hielt sich nicht mit Klagen auf, sondern packte an. Sie trommelte und überzeugte die Politik immer wieder neu. Sie bezirzte Sponsoren und gewann Mitstreiter. Kaum war das erste Projekt auf den Weg gebracht, zog sie auch schon die nächste Idee aus der Schublade.
Im Alten Schloss wurde viel gehämmert und erneuert
Bei einer dieser Ideen kann man sich schon fragen, warum niemand in Stuttgart zuvor darauf gekommen war: 2010 wurde mit dem Jungen Schloss das erste Stuttgarter Museum eröffnet, das sich explizit an Kinder richtet. Endlich ein eigenes Haus für jene, über die soviel geredet wird, weil sie doch angeblich die Zukunft sind. Im Landesmuseum machte man Ernst und entwickelt seit nunmehr zehn Jahren nicht nur regelmäßig Ausstellungen gezielt für Kinder, sondern hat auch einen Kinderbeirat ins Leben gerufen, um den Nachwuchs stärker ins Programm einzubinden.
In den vergangenen Jahren wurde im Alten Schloss viel gebaut, gehämmert und neu gestaltet. Es wurde eine Fläche für Sonderausstellungen eröffnet, die Schausammlung wurde neu eingerichtet mit allem, was zu einer zeitgemäßen Präsentation gehört. Derzeit sind die Handwerker im Foyer zugange. Aber was die Ära Ewigleben ausmacht, ist weniger die Tatsache, dass hier jemand zur richtigen Zeit an den richtigen Ort kam und energisch einen Masterplan abarbeitete, sondern das Cornelia Ewigleben eine Vision hatte: Das Landesmuseum war für sie keine Verwahranstalt für wertvolle Zeugnisse früherer Zeiten, sondern ein Ort, der die Gesellschaft ein bisschen besser machen soll.
Im Herzen ist Cornelia Ewigleben ein rebellischer Geist
So seriös, fast konservativ Cornelia Ewigleben wirkte, ist sie in Wahrheit ein rebellischer Geist. Kein Museum in der Stadt hat sich so radikal geöffnet wie das Landesmuseum. Denn Ewigleben ist zutiefst überzeugt, dass die Sammlungen nicht dem Staat, sondern der Bevölkerung gehören und Museen deshalb offene Häuser für alle sein sollten. Bei der Neukonzeption des Alten Schlosses ging es also nie einfach nur um ein Museum, sondern immer auch um das Herz der Stadtgesellschaft. Deshalb konnte Ewigleben so viele Mitstreiter gewinnen, weil es nicht um die Vergangenheit, sondern immer auch die Gegenwart ging, nicht allein um die Kultur, sondern um die ganze Gesellschaft und die Menschen dieser Stadt. So war es nur folgerichtig, dass Ewigleben eine vehemente Verfechterin des Freien Eintritts ist – selbst wenn sie sich in der Politik damit nicht beliebt machte.
Wenn nun regelmäßig Besucherinnen und Besucher nächtens mit der Taschenlampe durchs Alte Schloss geistern oder bei „Mord im Schloss“ ermitteln und Mörder suchen, dann ist das Ausdruck eines ganz neuen Verständnisse von Museum, in dem es nicht allein um die Vermittlung von historischen Fakten und Jahreszahlen geht. Es geht um einen Ort in der Stadt, an dem die Menschen sich wohl und willkommen fühlen.
Skeptiker sorgten sich um die Wissenschaftlichkeit des Museums
Am Anfang waren nicht alle begeistert von diesem neuen Kurs. Museumsleute und Besucher vom alten Schlag fürchteten um die Wissenschaftlichkeit des Landesmuseums. Denn wenn das Museum etwa zur Ausstellung zu den Schwaben auch eine Anleitung zum Brezelschlingen ins Netz stellte, hat das wenig mit den eigentlichen Exponaten zu tun. Aber es ist eben auch eine Möglichkeit, Menschen in Kontakt mit dem Landesmuseum zu bringen, die man anders nicht erreicht.
Und deshalb wird das Foyer des Alten Schlosses derzeit auch umgebaut zur „schönsten Museumslounge in einem deutschen Museum mit dem besten Kaffee“, wie Cornelia Ewigleben angekündigt hat. Die Eröffnung liegt nicht mehr in ihren Händen, sie wird ihre Nachfolgerin Astrid Pellengahr übernehmen. Die Übergabe ist erledigt. Schon vor einigen Jahren ist Ewigleben nach Karlsruhe gezogen, wo ihr Mann Eckhart Köhne das Badische Landesmuseum leitet. Nach den Abschiedsfeierlichkeiten in der kommenden Woche wird sie also auch Stuttgart Adieu sagen, denn für sie ist war immer schon klar, dass sie einen klaren Schnitt machen und sich nicht an Amt und Würden klammern wird. Denn das, sagt sie in ihrer bewährt direkten Art, sei wohl eher Sache der Männer.