Der Boom bei privaten Ladestationen ist ein kleines Konjunkturprogramm für den Mittelstand in schwierigen Zeiten. Warum sind dann Verkehrsminister Andreas Scheuer und seine Experten nicht früher auf die Idee gekommen, fragt Thomas Wüpper.
Berlin - Natürlich hätte die Bundesregierung einiges besser machen können. Es liegt nahe, dass es Zeit- und Kostenvorteile hat, E-Autos daheim oder am Arbeitsplatz aufzuladen. Deshalb fragt man sich, warum Verkehrsminister Andreas Scheuer und seine Experten nicht früher auf die Idee gekommen sind, die Installation solcher privaten Stationen gezielt und mit ausreichend Vorlauf zu fördern, anstatt vorigen Herbst plötzlich und sehr kurzfristig ein großes Zuschussprogramm anzuschieben.
Die Hauruckaktion zeigte einmal mehr, dass es im Hause Scheuer offenkundig an einer durchdachten und ausgewogenen Langfriststrategie zur E-Mobilität fehlt. Sowohl die Förderbank KfW als auch die Branche waren mit dem plötzlichen Ansturm auf die Ladegeräte überfordert, weil der üppige Zuschuss von 900 Euro pro Ladepunkt auch noch an strikte Fristen und Online-Anträge gebunden wurde. Die Folge: eine überlastete Bürokratie, lange Lieferzeiten bei den Wallboxen und entsprechend frustrierte Nutzer.
Das Förderprogramm steigert das Interesse an E-Autos
Doch besser spät als nie. Das Förderprogramm hat das Interesse an E-Autos weiter gesteigert und bringt mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität und Energieerzeugung. Denn Bedingung für den Zuschuss ist unter anderem, dass die eigene Ladestation mit grünem Strom versorgt wird. Erfreulich ist auch, dass einige der beliebtesten Wallboxen von hiesigen Herstellern produziert werden und der Nachfrageboom diesen Firmen in den schwierigen Coronazeiten hilft.
In den nächsten Monaten werden auch viele Elektriker sich über neue Aufträge für die Installation der Ladestationen freuen können, die ab Frühjahr endlich in größeren Zahlen in die Auslieferung kommen. Meist müssen belastbare Stromleitungen zu den Stellplätzen in der Garage gezogen und Anlagen erweitert werden. Angesichts von bereits mehr als 200 000 Anträgen ist es ratsam, sich frühzeitig einen Montagetermin zu reservieren. Sonst folgt dem Warten auf die Lieferung das Warten auf den Handwerker.
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