Wochentag, Lage, Uhrzeit oder Marke: Welche Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um die Preise für Diesel und Benzin geht? Daten für alle Stuttgarter Tankstellen liefern die Antwort.
Bloß nicht am Wochenende tanken, nicht frühmorgens und am besten abseits der großen Straßen. Viele Menschen haben Tipps und Tricks parat, wann und wo sie am günstigsten tanken. Aber welche davon stimmen – welche Rolle spielen die Marke, die Lage, die Uhrzeit und der Wochentag?
Das Jahr 2023 war laut ADAC deutschlandweit das zweitteuerste Tankjahr. Unsere Analyse von stündlichen Tankstellenpreisen in Stuttgart, die wir über den Anbieter Tankerkönig beziehen, zeigt, dass der Liter Diesel aufs ganze Jahr gerechnet im Mittel 1,72 Euro gekostet hat. Superbenzin und E10 waren mit 1,83 Euro und 1,77 Euro teurer.
Im Verlauf des Jahres schwankten die Spritpreise sehr stark. Anfang des Jahres lag der Dieselpreis deutlich über dem von Benzin – obwohl Diesel wegen der geringeren Steuern normalerweise günstiger ist. Bis in den Juni fiel der Dieselpreis im Tagesmittel dann um mehr als 20 Cent pro Liter, die mittleren Preise für Benzin stiegen hingegen von Jahresbeginn bis Ende September um bis zu 30 Cent. Ab Ende September sanken die Preise aller Spritsorten. Ein zentraler Grund für das Auf und Ab sind starke Ölpreisschwankungen, auch infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Mythos 1: Abends ist Tanken günstiger als morgens
Stimmt. Was Tankpreise betrifft, denken viele vor allem an die Uhrzeit. Und tatsächlich: Am teuersten waren die Spritpreise in Stuttgart letztes Jahr zwischen 6 und 7 Uhr morgens, am günstigsten um 21 Uhr am Abend. Tankten Autofahrerinnen und Autofahrer an einem Tag morgens statt abends, mussten sie im Mittel acht Cent mehr für den Liter Sprit zahlen. Bei einem quasi leeren Tank mit einem Fassungsvermögen von etwa 60 Liter beträgt der Preisunterschied in diesem Fall fast 5 Euro. Auch günstiger als in den frühen Morgenstunden waren die Spritpreise um 10 Uhr. Ab 22 Uhr stiegen die Preise ebenfalls wieder an.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der ADAC, der die Spritpreise für ganz Deutschland seit Jahren untersucht. Ein Sprecher hebt hervor, dass sich Preisvergleiche zu unterschiedlichen Uhrzeiten lohnen: „Die letzte Auswertung hat gezeigt, dass Super E10 am Morgen im Schnitt 8,1 Cent teurer ist als abends, Diesel 8,9 Cent.“ Laut ADAC ist die günstigste Zeit zum Tanken zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 21 und 22 Uhr.
Mythos 2: Am Wochenanfang ist Tanken teurer
Stimmt nicht. Immer wieder sind zwar Tipps zu lesen und zu hören, am besten gegen Ende der Arbeitswoche tanken zu gehen oder das Wochenende zu meiden. Für das Jahr 2023 gilt das für Stuttgarter Tankstellen aber nicht. Insgesamt spielte es für die mittleren Spritpreise kaum eine Rolle, ob es Montag, Mittwoch oder Freitag war. Auch samstags und sonntags waren die Preise für Sprit ähnlich, die mittleren Preise schwankten im Laufe der Woche nur um ein bis zwei Cent.
Dass die Wochentage für die Preisschwankungen inzwischen keine große Bedeutung mehr haben, bestätigt der ADAC. Man stelle „keine regelmäßigen Unterschiede“ mehr fest, so ein Sprecher. Früher habe das zugetroffen, heutzutage zeichneten sich die Schwankungen stärker zu unterschiedlichen Uhrzeiten statt im Wochenverlauf ab.
Mythos 3: An größeren Straßen ist tanken am teuersten
Stimmt. Autobahnraststätten gelten als besonders teuer. Aber auch abseits der Autobahn zeigt unsere Auswertung, dass Stuttgarts teuerste Tankstellen 2023 in vielen Fällen an den großen Bundesstraßen wie der B 14, der B295 und der B 27 lagen. Insgesamt waren Tankstellen in Zentrumsnähe tendenziell teurer. Die günstigeren Tankstellen finden sich dagegen eher außerhalb des Stadtzentrums, in den äußeren Stadtbezirken.
Die Unterschiede zeigen sich sogar bei Tankstellen derselben Marke. An der Aral-Tankstelle an der B 10 zwischen Wilhelma und Löwentor etwa kosteten 2023 alle Spritsorten mehrere Cent mehr als an der Schwestertankstelle in Sillenbuch. Auch die Shell-Tankstelle an der Feuerbacher-Tal-Straße war einige Cent teurer als ihr Pendant an der Augsburger Straße in Obertürkheim.
Die folgende Karte zeigt alle Tankstellen im Stuttgarter Stadtgebiet - farblich markiert nach Preisniveau. Rot steht für teurere Preise, Blau für günstigere. Mit den beiden Zoom-Buttons können Sie die Ansicht vergrößern, ein Klick auf eine Tankstelle liefert weitere Informationen zu mittleren Jahrespreisen und Marke.
Dass gerade an viel befahrenen Straßen in Stuttgart der Sprit teurer ist, deckt sich mit den Erkenntnissen des ADAC, wonach die höhere Zahl an Autofahrern an Hauptstraßen den Preis in die Höhe treibt. Je größer die Nachfrage, desto höher sei auch der Preis.
Am teuersten ist Tanken laut ADAC nach wie vor an Autobahnen. Eine Untersuchung aus dem März 2023 zeigte, dass ein Liter Diesel an der Autobahn-Tankstelle 36 Cent pro Liter mehr kostete. Bei E10 betrug der preisliche Aufschlag sogar 42 Cent pro Liter. Vergleiche und der ein oder andere Umweg kann sich an viel befahrenen Straßen und Autobahnen also lohnen.
Mythos 4: Vor Feiertagen und zum Ferienanfang steigen die Spritpreise
Stimmt nur teilweise. Dass Tankstellen zum Ferienanfang und vor Feiertagen die Preise erhöhen, lässt sich für Stuttgart im Jahr 2023 nicht eindeutig belegen. In einigen Fällen stiegen die mittleren Spritpreise im Stadtgebiet tatsächlich an, die Sprünge fielen allerdings nicht so stark aus, wie die gängige Vermutung nahelegt. So stieg der Spritpreis zu Ostern im April um etwa 3 Cent pro Liter, auch vor Allerheiligen stiegen die Literpreise um circa 4 Cent an.
Über das Jahr hinweg schwankten die Preise jedoch insgesamt viel stärker als zu einzelnen Ferienzeiten. Vor, während und nach den Sommerferien stiegen beispielsweise die Spritpreise insgesamt so deutlich an, dass sich kaum trennen lässt, welche Rolle Termine wie der Ferienanfang oder das Ferienende gegenüber der allgemeinen Preisentwicklung gespielt haben. Dazu kommt, dass kurzfristige Preissprünge über das ganze Jahr hinweg immer wieder in den Daten zu sehen waren.
Mythos 5: Manche Marken sind deutlich teurer als andere
Stimmt. Am meisten mussten Autofahrerinnen und Autofahrer an Tankstellen von Esso, Aral und OMV bezahlen. Am günstigsten hingegen waren 2023 Hem, Orlen Express und Avanti. Die Anzahl an Tankstellen pro Marke variiert jedoch, zum Beispiel betreiben Hem und Orlen Express je nur eine Tankstelle im Stuttgarter Stadtgebiet.
Preisdifferenzen zwischen Tankstellen folgen einer von außen kaum durchdringbaren Logik. Laut dem ADAC-Sprecher beeinflussen einerseits die Mineralölkonzerne die Preise, andererseits sei jede Tankstelle in der Preisgestaltung frei. Die starken Preisunterschiede je nach Ort und Uhrzeit seien demnach durch die starke Aufgliederung des großen Spritmarktes bedingt. Qualitativ sei der Sprit jedoch an allen Tankstellen gleich, egal ob freie Tankstelle oder Ableger einer großen Kette.
Daten
Quelle
Bei den für die Auswertung genutzten Daten handelt es sich um Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts, an die Tankstellen laufend ihre Preise übermitteln. Wir beziehen sie vom Anbieter Tankerkönig. Bei den Tankstellen handelt es sich um 72 Tankstellen im Stuttgarter Stadtgebiet, deren Preise wir stündlich abfragen.
Methodik
Wir berechnen mittlere Preise für Diesel, Superbenzin E5 und E10. Dabei handelt es sich um den Median, die Hälfte der Preise lag also darüber, die andere Hälfte darunter. Im Unterschied zum Durchschnitt werden so Verzerrungen durch einzelne besonders teure oder günstige Preise vermieden. Autobahnraststätten sind in der Auswertung nicht enthalten.