Sprach-Blog: Wortwörtlich Paranoia

Von Markus Brauer 

Selbstporträt eines an Wahnvorstellungen leidenden Patienten. Foto: Wikipedia commons/Craig Finn CCO
Selbstporträt eines an Wahnvorstellungen leidenden Patienten. Foto: Wikipedia commons/Craig Finn CCO

Anglizismen und Bürokraten-Deutsch, Mode-Floskeln und aussterbende Begriffe – in unserer Sprach-Glosse hören wir genau hin. Wie die Menschen so reden, was sie sagen, wie sie’s meinen. Heute unter der Lupe: Paranoia.

Stuttgart - Donald Trump sieht überall nur Feinde. Vor allem auf das „Federal Bureau of Investigation“ (Bundesamt für Ermittlung), kurz FBI, hat es der US-Präsident abgesehen. Gegen den massiven Widerstand des Justizministeriums und des FBI erlaubte der 71-Jährige die Veröffentlichung eines ominösen Memorandum, das beiden Behörden eklatante Verfehlungen in den Ermittlungen zur Russland-Affäre vorwirft.

Donald Trump und Memo-Gate

Das wenig schmeichelhafte Wort „Memo-Gate“ (in Anlehnung an Richard Nixons Watergate-Affäre, die Mutter aller Politskandale) macht die Runde. „Trump, FBI: Paranoia in White House“ titelt die australische Website www.news.com.au.

Paranoia: parà – noûs

Wie so viele Fachbegriffe stammt auch „Paranoia“ aus dem Altgriechischen. Das Wort wird gebildet aus der Präposition „parà“ (wider) und dem Hauptwort „noûs“ (Verstand) und meint „wider den Verstand“, „wahnsinnig sein“. Der Psychiater Johann Christian August Heinroth (1773– 1843) verwendete den Begriff erstmals 1818 zur Bezeichnung von Geistesstörungen aller Art. Die Ursache sah er in der „Unfreyheit des Geistes“.

Paranoia-Donald

Die moderne Psychiatrie grenzt Paranoia ein auf seelische Wahnvorstellungen, die von einer hochgradigen Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung und durch krankhaftes Misstrauen gekennzeichnet sind. Der unfreie Geist handelt wider die Logik des Verstands, der nach rationalen, sozialen und emotionalen Prinzipien handelt.

Ein solches Verhalten ist der Normalfall. Doch beim Paranoiker ist nichts normal. Er ist ein Getriebener, für den Normalität die Ausnahme und geistige Abnormität die Regel ist.

Sollten die Trump-Kritiker mit ihren Vorwürfen recht haben, besteht in der Tat Grund zur Sorge. Ein „Paranoia-Donald“ wäre alles andere als vertrauenswürdig.

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