Ein nachdenklicher Präsident: Claus Vogt will sich bei der Suche nach einem Sportvorstand für den VfB Stuttgart nicht treiben lassen. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart will seit Monaten einen neuen Sportvorstand installieren. Doch der Auswahlprozess kommt nicht zum Ende – obwohl eine Lösung naheliegt. Nun äußert sich der Präsident Claus Vogt zum Vorgehen.

Der VfB Stuttgart spielt weiter auf Zeit. Jedenfalls bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand. Seit Monaten wird offiziell nach der geeigneten Person gefahndet, und nichts ist dabei zu spüren vom Elan, den die Mannschaft zumindest in der Hinrunde gezeigt hat, als sie auf den dritten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga stürmte. Jetzt stockt die Offensive auf dem Platz, und im Aufsichtsrat der VfB AG geht es auch nicht wirklich voran. Der erste Mann im Sportbereich ist noch lange nicht gefunden.

 

„Wir befinden uns in einem sehr guten und professionellen Prozess, das heißt, wir werden auch weiterhin an der bestmöglichen Lösung für unseren VfB arbeiten. Das bedeutet auch, dass wir uns die Zeit nehmen, die wir benötigen. Es geht nicht darum, eine schnelle Entscheidung zu treffen, sondern eine gute“, sagt der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Claus Vogt.

Eine Beratungsagentur mischt mit

Ähnliche Formulierungen sind schon länger zu hören. Potenzielle Kandidaten wie Horst Heldt (bis 2021 Manager beim 1. FC Köln) oder Joti Chatzialexiou (jahrelang beim Deutschen Fußball-Bund tätig) wurden gewogen und für zu leicht befunden. Fredi Bobic winkte ab. Immer wieder geht der VfB die Angelegenheit frisch an – und immer wieder scheint der Club auf Los zurückgeworfen zu werden. Auch deshalb wurde eine Beratungsagentur eingeschaltet.

Nach Informationen unserer Redaktion soll es sich um Sportheads aus München handeln. Die Agentur war bereits für viele Bundesligisten tätig und wird von Marcus Hochhaus, Marcel Cordes und Marc Mayer-Vorfelder, dem Sohn des verstorbenen VfB-Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, geführt. Vogt bestätigt die Mandatierung nicht, äußert sich aber zur Sinnhaftigkeit der Zusammenarbeit mit Beratern: „Für die Bestellung des Sportvorstands ist der Aufsichtsrat zuständig. Hier sitzen sehr gute, erfahrene und honorige Leute, die weitestgehend in Topunternehmen und verantwortungsvollen Spitzenpositionen arbeiten. Deshalb ist es absolut wichtig und sinnvoll, sich hier von neutraler Stelle auf Basis des gestellten Anforderungsprofils zuarbeiten und unterstützen zu lassen.“

Auf der Liste von Sportheads sollen unter anderem die Namen Stefan Kuntz und Jochen Sauer (Nachwuchschef des FC Bayern München) aufgetaucht sein. Branchenkenner verwundert das kaum, da Kuntz nach seiner Entlassung als türkischer Nationaltrainer verfügbar ist und Sauer beim VfB bereits gehandelt wurde. Mehr als zwei Jahre ist das her – was verdeutlicht, wie lange sich die Verantwortlichen in Stuttgart mit dem Thema auseinandersetzen. Im Grunde seit Thomas Hitzlsperger im September 2021 seinen Abschied als Vorstandschef und Sportvorstand ankündigte.

Schon damals wurde darüber beratschlagt, ob ein vierter Mann in den Vorstand soll. Doch Alexander Wehrle übernahm im Frühjahr 2022 die Aufgaben seines Vorgängers, und die oberste Hierarchie-Ebene der VfB AG blieb mit Alexander Wehrle, Thomas Ignatzi (Finanzen) und Rouven Kasper (Marketing) dreiköpfig. Zu den Ergebnissen, der Saisonanalyse aus der schwierigen vergangenen Spielzeit, gehörte zudem, dass der VfB einen Sportvorstand installieren will. Bereits Monate zuvor hatte Wehrle intern betont, dass er die Doppelfunktion nicht mehr erfüllen könne – ohne dass ein Bereich leidet. Öffentlich hatte der AG-Boss später erklärt, dass Veränderungen anstünden.

Kommt der Superstratege noch in dieser Saison?

Doch Vogt verspürt keinen Zeitdruck. „Wir werden den Erfolg der Zusammenarbeit mit der Agentur auch nicht an der Kandidatenliste bemessen, sondern an inhaltlichen Punkten und dem Gesamtablauf“, sagt der Präsident und führt aus: „Grundsätzlich suchen wir eine Galionsfigur für unseren sportlichen Bereich. Sie oder er soll beim VfB alle Bereiche vom Grundlagen- und Jugendbereich im NLZ über den Übergangsbereich bis hin zur U 21 und den Profis sowie dem Frauenfußball verbinden, die sportlichen Leitplanken langfristig setzen. Genau diese Person gilt es für unseren VfB zu finden. Sie muss aber auch zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung stehen, für den VfB und die Aufgabe brennen und natürlich bezahlbar sein.“

Dabei erscheint es unrealistisch, dass der neue Superstratege noch in dieser Saison beim VfB einsteigt. Das gilt auch für Fabian Wohlgemuth, der als Sportdirektor überzeugt, sich zum Gesicht des Vereins entwickelt und sich als Kandidat aus den eigenen Reihen anbietet. Der Berliner hat seine Bereitschaft erklärt, den Posten übernehmen zu wollen, und Wehrle hat sich mehrfach für eine Beförderung Wohlgemuths starkgemacht. Was zudem den Vorteil hätte, dass sich der VfB kein neues Hierarchieproblem ins Haus mit dem roten Dach an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt holen würde.

Passiert ist nicht viel. Aber auch in der Causa Wohlgemuth will sich Vogt nicht treiben lassen. „Es gibt eine Reihe guter Kandidaten. Fabian macht als Sportdirektor einen hervorragenden Job. Weiter möchte ich mich zu konkreten Personen nicht äußern, was nichts mit Fabian und seiner Arbeit zu tun hat“, sagt der Aufsichtsratschef.

Im Gegenteil. Vogt vertraut auf das vorhandene Personal: „Wir haben bei der Besetzung des Postens keinen Zeitdruck, weil wir im Sportbereich aktuell sehr, sehr gut aufgestellt sind – mit Alex Wehrle, der die Funktion des Sportvorstands als Vorstandsvorsitzender zusätzlich noch übernimmt, mit Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, mit Markus Rüdt, Direktor Sportorganisation, mit Christian Gentner als Leiter der Lizenzspieler, mit unserem Cheftrainer Sebastian Hoeneß und seinem Trainerteam, mit Stephan Hildebrandt als Nachwuchschef und mit Sportdirektor Sascha Glass für den Frauenfußball sowie mit Rainer Adrion im Präsidium, Präsidialausschuss und Aufsichtsrat. Da haben wir schon aktuell eine ganze Menge Sportkompetenz vereint.“

Zweifellos – was jedoch nach innen die Debatte ausgelöst hat, ob es überhaupt jemanden von außen braucht. Die passende Antwort sollen Vogt und Co. finden. Fragt sich nur, wann der Aufsichtsrat die Operation am Organigramm vornimmt.