Viola Brand ist auch nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn sehr erfolgreich. Foto: Miriam Rein

Die Schorndorferin Viola Brand ist auf der ganzen Welt als Botschafterin des Sports gefragt – jetzt hat sie sogar zwei Weltrekorde aufgestellt. Im Gespräch verrät sie, wie es dazu kam.

Dass die Kunstradfahrerin Viola Brand ihre aktive Sportkarriere beendet hat, ist nun schon eine Weile her: Im Jahr 2020 hängte sie den Leistungssport an den Nagel – nach einer beachtlichen Bilanz mit zwei Europameisterinnen-, zwei Deutsche Meisterinnen- und drei Vizeweltmeisterinnentiteln. Seitdem ist die heute 29-Jährige, die lange in Schorndorf gelebt hat, unter anderem als Sport- und Ernährungsinfluencerin unterwegs und versteht sich darüber hinaus als Botschafterin für das Kunstradfahren. Und als solche reitet sie gerade auf einer Erfolgswelle.

 

So findet sich Viola Brand nun auch in der jüngst vorgestellten 2024er-Ausgabe des Guinness-Buchs der Rekorde. „Den dazugehörigen Rekord hatte ich schon im Februar aufgestellt“, verrät Brand, die die Leistung erst mit dem Erscheinen des Buchs wirklich publik gemacht hat. Sie war damals zu Gast in einer italienischen Fernsehshow und zeigte im Prinzip eine Figur, die Kunstradler auch bei Wettkämpfen absolvieren: Sie stand auf dem Lenker ihres Kunstrades und drehte sich um ihre eigene Achse.. „Nur macht man das im Wettkampf viermal, bei dem Rekordversuch waren es 14 Mal“, sagt Brand. In einer Minute, wohlgemerkt.

Zu schwindlig für einen weiteren TV-Auftritt wurde es ihr dadurch offenbar nicht, denn am 9. September war die gebürtige Schorndorferin in der ARD zu sehen. Bei der „Hirschhausen-Show“ mit dem Motto „Was kann der Mensch“ unternahm sie gleich den nächsten Rekordversuch. Diesmal warf sie vom Kunstrad aus, auf dem Lenker sitzend, Basketbälle in einen Korb. „Allzu viele Menschen kommen da natürlich nicht darauf“, räumt Brand ein. Aber auch so wird die 12 versenkten Würfe in 60 Sekunden wohl niemand allzu schnell nachmachen.

Der Rekord in der Hirschhausen-Show wurde nicht von Guinnessbuch-Verlag, sondern vom Rekordinstitut Deutschland dokumentiert. Nach dem Kunstrad-Basketball durfte Brand noch als Talkgast an der Sendung teil- und auf der Couch neben Prominenten wie der Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, dem Skirennläufer Felix Neureuther, dem Schauspieler Heiner Lauterbach und der Comedienne Meltem Kaplan Platz nehmen.

Der Auftritt war nicht der letzte im deutschen Fernsehen: Anfang der Woche war sie in der SWR-Landesschau zu sehen, wo sie mit dem Moderator Florian Weber unter anderem über die Unterschiede zwischen Show- und Wettkampffahren sprach. „Bei den Wettkämpfen kommt es auf Perfektion an, ein Minifehler und sofort purzelt eine Platzierung. Beim Showfahren geht es eher um Entertainment, darum, gute Laune zu versprühen“, erklärte Brand.

Viola Brand ist auch auf Instagram und Co. beliebt

Das nächste Projekt steht für die Kunstrad-Botschafterin schon bald an: „Dort findet im November die Cycling-Tour of Turkey statt, das ist quasi wie eine türkische Tour de France“, erklärt Brand. Sie wird dabeisein – allerdings nicht als Teilnehmerin auf einem Rennrad, sondern mit dem Kunstrad, um das Publikum an den Etappenzielen in ihren Bann zu ziehen. Auch in der vergangenen Woche war sie bereits in Istanbul, um dort auf einer Pressekonferenz aufzutreten. „Danach wird es vermutlich erst einmal etwas ruhiger – immerhin habe ich ja auch noch einen klassischen Beruf, auf den ich mich dann ein bisschen konzentrieren will.“ Doch selbst die Auftritte in der Türkei sind relativ spontan entstanden: „Vor einem Monat hatte sich davon noch nichts abgezeichnet“, sagt Brand.

Auf ihren Social-Media-Kanälen – sie ist auf Youtube, Facebook und Instagram unterwegs – freuen sich ihre Fans, dass sie regelmäßig von sich hören lässt. Ihre Zahl der Follower ist in den vergangenen Jahren stetig angewachsen: Auf Facebook und Instagram folgen ihr je mehr als eine halbe Million Menschen, auf Youtube noch einmal 222 000. Diese lässt Viola Brand zum Beispiel an ihren emotionalsten Momenten des vergangenen Jahres teilhaben – darunter ein Auftritt auf einer Hochzeit in New York, Auftritte bei der US-Basketballliga NBA, aber auch den Start eines Podcasts. In diesem geht es allerdings ausnahmsweise nicht um das Kunstradfahren, sondern um das wissenschaftliche Institut, für das Brand arbeitet.

Immer wieder war Brand in den vergangenen Monaten in den USA. Dort begeistert sie das Publikum von Basketballspielen, indem sie in den Pausen im Superwoman-Kostüm zeigt, was für Tricks mit einem Fahrrad möglich sind. Dass sie im Lan der unbegrenzten Möglichkeiten so beliebt ist, kommt nicht von ungefähr: Zu ihrer Bekanntheit in den Vereinigten Staaten hat vor allem ein Auftritt in der Talkshow von Ellen DeGeneres im Februar 2020 beigetragen. Dieser erregte die Aufmerksamkeit eines Eventmanagers, der Künstler für die NBA-Halbzeitshows vermittelt. Bei diesen Shows haben nun schon viele tausend Menschen die junge Frau, die inzwischen in Nürtingen im Kreis Esslingen lebt, gesehen.

Vorwärts und rückwärts unterwegs

Kunstradfahren
 Diese Sportart wird auf eigens dafür gefertigten Spezialfahrrädern und meistens in Hallen ausgeübt. Es gibt keine Gangschaltung, sondern eine Eins-zu-eins-Übersetzung, die zum Beispiel das Rückwärtsfahren möglich macht. Kunstradfahrern gibt es sowohl für Solosportler als auch für Gruppen bis zu sechs Athleten, die dann eine möglichst synchrone Kür fahren müssen. Bei Einzelwettkämpfen kommt es dagegen auf die Athletik an, es werden hier 30 Übungen in fünf Minuten gezeigt.

Sportlerin
 Viola Brand wurde am 28. Juni 1994 in Backnang geboren und lebte lange Zeit in Schorndorf. Sie begann im Alter von sechs Jahren mit dem Kunstradfahren, im Alter von 15 startete sie für den Nationalkader. In den Jahren 2016, 2017 und 2019 holte sie jeweils Silber bei den Weltmeisterschaften, im Jahr 2018 wurde sie in Wiesbaden zum zweiten Mal Europameisterin. Nach ihrer dritten Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften gab sie bekannt, den Leistungssport an den Nagel zu hängen und sich auf ihr Studium, Auftritte bei Shows und in Social Media zu konzentrieren.