Die Mädchen der Juniorinnen-Nationalgruppe müssen sich noch gedulden, bis sie ihre Übung mit den Bändern bei einem Wettkampf präsentieren können. Foto: Eva Herschmann

Die neu formierte Juniorinnen-Nationalgruppe trainiert auch während der Sommerferien im Bundesstützpunkt in Schmiden, obwohl in diesem Jahr keine wirklichen sportlichen Herausforderungen auf die sieben Mädchen warten.

Schmiden - Elena Khadartsev, die Trainerin der Juniorinnen-Nationalgruppe, spult die CD mit der Fernbedienung noch einmal zurück. Zum wiederholten Mal wird die gleiche Stelle aus einem Stück von „Cirque du Soleil“ in der Übungshalle im Bundesstützpunkt für Rhythmische Sportgymnastik in Schmiden erklingen.

Die zwölf- und 13-jährigen Gymnastinnen haben eine lange Durststrecke hinter sich

Regina Stoljartschuk, Sofia Giebelhaus, Emilia Wickert, Katja Tenenbaum, Amelia Masalkina, Viktorija Meshi und Jana Rudoj stellen sich erneut auf Position. Drei Stunden geht das so, und trotz Ferien und Sommerwetter sind alle Mädchen mit Feuereifer dabei.

Die zwölf- und 13-jährigen Gymnastinnen haben eine lange Durststrecke hinter sich und auch noch eine vor sich. Im vergangenen September wurde die Juniorinnen-Nationalgruppe in neuer Besetzung zusammengestellt, nachdem ein Trio aus der Vorgängerformation – Hanna Zern­ickel, Daniella Kromm und Alina Oganes­yan, alle vom TSV Schmiden – in die zweite Nationalgruppe aufgerückt war. Doch nach knapp einem halben Jahr gemeinsamer Trainingsarbeit stoppte die Covid-19-Pandemie alle sportlichen Ambitionen. Als Erste nach der Zwangspause durfte im April die Kapitänin Regina Stoljartschuk wieder ins Training in der Halle einsteigen. Die Erfahrenste, die bei den Europameisterschaften in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku im Mai 2019 die Jüngste im vorigen Juniorinnenteam war, das den zehnten Platz erreichte, gehört zum Bundeskader. Einige Wochen musste Regina Stoljartschuk alleine üben.

Nun dürfen die Nachwuchs-Gymnastinnen der Nationalgruppe wieder gemeinsam trainieren

Die Trainerin Elena Khadartsev filmte alles und leitete es via Live-Stream an die anderen im Team weiter, die als Landeskadergymnastinnen erst Mitte Mai wieder in die Übungshallen im Bundesstützpunkt durften. „Als die Mädchen endlich alle wieder da waren, war ich überrascht, wie groß sie in der Corona-Pause geworden sind. Einige haben einen richtigen Schub gemacht“, sagt Elena Khadartsev und lächelt Jana Rudoj an, die mit 1,67 Meter die Längste im Team und größer als die Trainerin ist.

Das schon hochgewachsene Mädchen turnt für die TSG Söflingen, ebenso wie auch Sofia Giebelhaus und Emilia Wickert. Alle drei sind Schülerinnen von Magdalena Brzeska, die immer noch mit 26 deutschen Meistertiteln Schmidens erfolgreichste Gymnastin ist. Jana Rudoj kommt von der TSG Tübingen. Diese vier Mädchen leben im Internat, das dem Stützpunkt angegliedert ist. Regina Stoljartschuk, Amelia Masalkina und Viktorija Meshi sind Eigengewächse des TSV Schmiden und schlafen daheim.

Nun dürfen die Nachwuchs-Gymnastinnen der Nationalgruppe wieder gemeinsam trainieren und sich dabei auch wieder berühren. Seit Wochen üben sie mit vollem Körpereinsatz.

Der TSV Schmiden will erstmals an dem Wettbewerb für Einzelgymnastinnen teilnehmen

Obwohl in diesem Jahr kein sportlicher Wettkampf in Sicht ist. Auf internationaler Ebene findet, anders als in der Meisterklasse, kein Turnier statt. Aber auch auf nationaler Ebene läuft in der Nachwuchsgymnastik derzeit nichts. „Wir werden vielleicht noch ein paar Showauftritte absolvieren“, sagt Elena Khadartsev. Eine Möglichkeit, sich zu präsentieren, ob mit oder ohne Publikum, bestünde in der Gymnastik-Bundesliga, die im November in ihre zweite Saison überhaupt gehen könnte. Der TSV Schmiden will erstmals an dem Wettbewerb für Einzelgymnastinnen teilnehmen, der an drei Tagen geturnt wird. Die Nachwuchsgruppe könnte derweil im Rahmenprogramm zumindest eine Prise Wettkampfluft schnuppern.

Isabell Sawade, die Teamchefin für Rhythmische Sportgymnastik beim Deutschen Turner-Bund (DTB), weiß, dass die aktuelle Situation bei den Juniorinnen mehr als schwierig ist.

Sechs Mädchen werden für Deutschland zu den kontinentalen Titelkämpfen reisen

„Alles ist derzeit in der Schwebe.“ Das gilt auch für die Frage, welche der sieben Gruppengymnastinnen, die im Bundesstützpunkt trainieren, im nächsten Jahr noch dabei sein werden, wenn statt Schauturnen wieder richtige Wettkämpfe auf dem Programm stehen. Anfang Juni 2021 sollen im bulgarischen Varna die Juniorinnen-Europameisterschaften ausgetragen werden. Sechs Mädchen – inklusive Ersatzgymnastin – werden für Deutschland zu den kontinentalen Titelkämpfen reisen, um die Übungen mit fünf Bändern und fünf Bällen zu zeigen. „Unsere Gruppe ist sehr homogen aufgestellt, und wir haben jetzt viel Zeit, die beste Zusammensetzung zu finden, also machen wir zunächst mit sieben Gymnastinnen weiter“, sagt Isabell Sawade. Die DTB-Teamchefin hofft, dass es bis zur Entscheidung noch Gelegenheiten gibt, zu sehen, wie sich die einzelnen Mädchen und die Gruppe im Ganzen im stressigen Wettkampfmodus präsentieren. Aber bis es soweit ist, wird das Stück von „Cirque du Soleil“ noch einige Male in der Übungshalle im Stützpunkt erklingen.

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