Ohne Sponsoren wohl eine Nummer kleiner: Stallwächterparty der Landesvertretung in Berlin, hier mit Ministerpräsident Kretschmann Foto: dpa

Mehr als 54 der insgesamt 60 Millionen Euro an Spenden und Sponsoringgelder in der Landesverwaltung flossen im vergangenen Jahr an Hochschulen. Was die Regierung als willkommene Hilfe ansieht, halten Kritiker für eine Gefahr.

Stuttgart - Die Landesregierung hat erstmals einen Bericht über Spenden, Schenkungen und Sponsoringleistungen vorgelegt und damit fast 4000 Zuwendungen in Höhe von 59,4 Millionen Euro veröffentlicht. Damit setzt sie ihren Beschluss um, wonach sie im zweijährigen Turnus Rechenschaft ablegen will über diese Einnahmequellen.

Bei den allermeisten Spenden und Sponsorenleistungen, die das Land im vergangenen Jahr erhielt, bleibt der Geldgeber jedoch weiterhin unbekannt. Dies gilt vor allem für den Bereich von Wissenschaft, Forschung und Kunst, der mit 54,6 Millionen Euro den Löwenanteil erhalten hat.

„Die Namen der Zuwendenden werden genannt, sofern diese vorab eine datenschutzrechtliche Einwilligung zur Veröffentlichung gegeben haben“, sagt Jochen Schönmann vom Wissenschaftsministerium. Dies sei angesichts der hohen Zahl der Spender und Sponsoren allerdings noch nicht durchgängig abgefragt worden.

Erst im nächsten Bericht sollen alle Geldgeber namentlich aufgeführt sein, sofern sie dazu bereit sind. „Ich bin mir sicher, dass ein Großteil nichts dagegen einzuwenden hat“, so der Sprecher des Ministeriums.

Von A wie AOK bis Z wie Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke

Für die anderen Ressorts sind die Wohltäter hingegen bekannt. Die Namensliste reicht von A wie AOK (10 500 Euro für die Berliner Stallwächterparty) bis Z wie Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke – dieser hat die 500-Jahr-Feier des Haupt- und Landgestüts Marbach mit 15 000 Euro unterstützt.

Die Liste der Spender, Schenker und Sponsoren liest sich wie das Who is Who der baden-württembergischen Wirtschaft. Die Daimler AG taucht darin ebenso auf wie der Europapark Rust, die Dekra ebenso wie die EnBW, die L-Bank ebenso wie die Dietmar-Hopp-Stiftung. Letztere hat zum Beispiel dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim mehr als 70 000 Euro für ein Projekt mit dem Titel „Ein Jahr im Wald“ gespendet.

Auf dem Feld der medizinischen Forschung sind die Beträge zum Teil noch höher. Für manche Forschungsprojekte fließen Spenden von 100 000 Euro und mehr. Auch Privatleute öffnen weit ihre Schatulle. So hat die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen einen Nachlass mit dem Hinweis erhalten: „frei für Forschung und Lehre einsetzbar“.

Spenden sind im Forschungs- und Kunstbereich ohnehin die größte private Geldquelle: Ihre Summe beläuft sich laut Wissenschaftsministerium auf 44,6 Millionen Euro. Die Sponsorengelder betragen knapp zehn Millionen Euro.

Im Museumsbereich ist Sponsoring quasi unerlässlich

Das Innenministerium, wo der Sponsorenbericht entstand, wertet den Zufluss privater Mittel als „sinnvolle Ergänzung zu den staatlichen Finanzierungen. So sei im Museumsbereich der Erwerb mancher Kunstgegenstände überhaupt nur mit Hilfe von Sponsoring möglich. Der üppige Zufluss in die Forschung sei auch ein Ausweis der hohen Qualität des Wissenschaftsstandorts.

Neben den großen Einzeleinnahmen schlagen aber auch viele kleinere Beträge zu Buche – aufgelistet sind Zuwendungen ab einem Wert von mindestens 1000 Euro. Laut Ministerium werden damit vor allem Kongresse und Tagungen ermöglicht. Drittmittel der Hochschulen sind übrigens nicht vom Sponsoringbericht erfasst.

So froh die Landesregierung über die finanzielle Hilfe ist, so kritisch wird vor allem Sponsoring von der Ärzteinitiative „Mezis“ gesehen. Die Organisation wendet sich gegen die Einflussnahme der Pharmaindustrie auf Ärzte, Krankenhäuser und Politik. „Kein Mensch sponsert aus gutem Herzen“, sagte die ärztliche Geschäftsführerin, Christiane Fischer, unserer Zeitung. Er werde vielmehr eine Gegenleistung erwartet – und das geschehe oft sehr subtil.

Vor allem ärztliche Fortbildungen, Tagungen und Kongresse finden laut Fischer kaum mehr statt, ohne dass Sponsorengelder fließen. Dadurch entstünden jedoch Abhängigkeiten. Fischer hält es auch für enttäuschend, dass der Bericht der Landesregierung gerade für den Wissenschaftsbereich so gut wie keine Namen aufführt.

Im Wissenschaftsministerium teilt man dies Sichtweise allerdings nicht. Bei einem Gesamtetat von 5,4 Milliarden Euro machten die Spenden und Sponsorengelder gerade mal ein Prozent aus, argumentiert Sprecher Schönmann. Da könne von Einflussnahme keine Rede sein. Das Land habe außerdem seine Ausgaben für Hochschulen und Kunst deutlich gesteigert.

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