Der Volksmund nennt den vergitterten Spielplatz am Österreichischen Platz Kinderknast – naheliegenderweise. Foto: Sebastian Ostendorf

Der Volksmund schimpft den Spielplatz am Österreichischen Platz „Kinderknast“. Den wollen Jugendeinrichtungen zu einem Klettergarten umbauen, allerdings fehlt dafür bisher das Geld.

S-Mitte - Kinderfreundlich geht anders. Ein liebloses Kletterhäuschen steht verlassen da, umrahmt von einem schmuddeligen Sandkasten. Das Tor im mannshohen Sicherheitszaun ist verriegelt. Laut einem Hinweisschild kann der Besucher den Schlüssel an der Pforte des Bürokomplexes abholen, in dessen Hof der Spielplatz untergebracht ist. Der Platz ist ähnlich gesichert wie ein Gefängnis. Eltern und Kinder können ihn zudem nur über den U-Bahneingang Österreichischer Platz erreichen. Den Schlüssel rückt der Pförtner zudem selten heraus. Deshalb trägt der Spielplatz von fragwürdigem Nutzen im Volksmund den Namen „Kinderknast“.

Jugendeinrichtungen machen sich nun dafür stark, dort einen Hochseilgarten zu installieren. Künftig sollen hier Klettergerüste und Steilwände stehen. Der Spielplatz schon vor längerem in die Kritik geraten. Der eingeschränkte Zugang und die Lage zwischen Bürohäusern rufen den Zorn lokaler Jugendeinrichtungen und der Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle hervor. „Der Platz ist wegen der Sicherheitslage abgeriegelt und nicht nutzbar. Es entsteht ein Katz- und Mausspiel um den Schlüssel, den viele nicht bekommen“, sagt Kienzle. Auch im Stadtteilhaus Mitte, das sich für Freizeit- und Betreuungsangebote einsetzt, macht sich Unmut breit. „Der Spielplatz liegt in einer dunklen Ecke. Die Mütter sind nicht gewillt, dort ihre Kinder spielen zu lassen“, sagt Saskja Wolman, die Leiterin des Stadtteilhauses Mitte.

Das Verkehrsministerium verlangt nach Sicherheit

Seit 1993 ist das Gartenamt für die Spielfläche verantwortlich. Ursprünglich standen gute Absichten hinter der Absperrung samt umständlicher Schlüsselvergabe. In direkter Nachbarschaft ist das Verkehrsministerium. Dessen Sicherheitsbedürfnis verbietet, dass uneingeschränkt zugängliche Plätze ans Grundstück grenzen. Außerdem sollen Kinder vor unliebsamen Nebenwirkungen des Großstadtlebens geschützt werden. „Wir wollten die Spielfläche nicht zu einem Sammelpunkt von Partyvolk aus dem Leonhardsviertel und Trinkern von der Paulinenbrücke machen“, sagt Volker Schirner, der Leiter des Gartenamts. Aber auch er gesteht zu, dass der Spielplatz wegen seiner Lage und der mangelhaften Zugänglichkeit kaum mehr besucht wird.

Weil die Spielfläche faktisch für Kinder verloren ist, soll sie gegen einen Hochseilgarten ersetzt werden. Der Vorschlag stammt vom Stadtteilhaus Mitte. Die Bezirksvorsteherin unterstützt ihn. „Jugendliche und Kinder kriegen die Möglichkeit, auf Gerüsten und Steilwänden zu balancieren, um ihre körperlichen Grenzen zu auszutesten“, sagt Kienzle. Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in den Stadtbezirken Mitte und Süd sollen die Zuständigkeit für den Hochseilgarten übernehmen. Sie verwahren auch die Schlüssel und die Kletterausrüstungen. „Wir wollen darüber hinaus Klettertrainer engagieren. Vielleicht können wir den Albverein als ehrenamtlichen Partner gewinnen“, sagt Wolman.

Das Gartenamt arbeitet an Plänen

Zumindest Schirner ist von den Plänen regelrecht begeistert. „Wir befinden und gerade in der Planungsphase und versuchen, die Kosten abzuschätzen“, sagt der Amtsleiter. Dafür ist eigens ein Arbeitskreis gegründet worden. Der Hochseilgarten ist auch im Bürgerhaushalt für die Jahre 2014 und 2015 angemeldet. Schirner möchte allerdings noch keine Kosten nennen. Kienzle schätzt, dass 100 000 bis 180 000 Euro für den Hochseilgarten anfallen werden. Für die alten Gerätschaften hat Kienzle bereits Verwendung gefunden. „Das Häuschen und die Rutsche können auf einem anderem Spielplatz wieder aufgebaut werden“, sagt sie. „Die sind ja kaum benutzt worden.“

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