Die Kinder tragen auf dem Bolzplatz am Röckle-Spielplatz nun immer lange Hosen, um sich nicht zu arg zu verletzen. Foto: Georg Linsenmann

Der Bolzplatz an der Röckenwiesenstraße hat einen neuen Belag mit hoher Verletzungsgefahr. Das städtische Amt will nun nachbessern lassen.

S-West - Röcki oder Röckle nennen die Anwohner den Spielplatz an der Röckenwiesenstraße. Spitznamen, die auch die Wertschätzung für diesen von Bäumen beschatteten Spielplatz ausdrücken: „Der Spielplatz liegt ideal, denn er ist der einzige im Quartier, der fußläufig erreichbar ist“, sagt Sandra Wittmaak. Das triff auch für den direkt an der Ostseite angrenzenden Bolzplatz zu, der von einem Gitterzaun eingegrenzt wird. Über viele Jahre hatten Eltern dafür gekämpft, dass die zu einem Dreckplatz heruntergespielte Wiese am Röcki eine neue Deckfläche bekommt, die für jedes Wetter geeignet ist.

Als im Frühsommer die Baumaschinen anrückten, „haben sich alle gefreut, dass endlich was passiert und wir hier einen guten Platz bekommen“, sagt Wittmaak, die mit ihrer Familie gleich um die Ecke wohnt. Und nun? Als der Bauzaun gefallen ist und der Platz wieder freigegeben wurde, gab es lange Gesichter. „Der Platz ist richtig fies. Mit diesem Belag kann man sich übel wehtun“, sagt Wittmaak und fügt hinzu: „Vorher haben die Kinder sich eingesaut, sind aber wenigstens weich gefallen. Wenn sie jetzt stürzen, drohen üble Verletzungen.“

Der scharfkantige Splitt birgt eine hohe Verletzungsgefahr

Dies bestätigt auch Maren Stölzle, die mit ihren Kindern ebenfalls vor Ort ist: „Als der Platz wieder offen war, habe ich gedacht, dass der noch gar nicht fertig ist.“ Denn die Oberfläche sei schlicht ungeeignet und berge eine „hohe Verletzungsgefahr“: „Es geht nicht um kleine Verletzungen, die es beim Kicken eben gibt. Wenn sich ein Kind dort aufschürft, sieht das gleich böse aus.“ Zoe, ein zehnjähriges Mädchen habe kürzlich sogar genäht werden müssen. Stölzles Fazit: „Alles ist besser als das, was gemacht wurde. Da ist mir der Dreckplatz lieber.“

Raphael und Laurenz, zwei zehnjährige Jungs, kommen trotzdem zum Kicken. „Es gibt keine Pfützen mehr, das ist gut“, sagt der eine, worauf der andere ergänzt: „Wir passen auf, dass wir nicht hinfallen, sonst tut es weh“.

Und wegen des neuen Belages würden sie nur noch mit langen Hosen kommen. Um die Malaise zu verstehen, muss man nur eine Handvoll des lockeren Material greifen: zwischen feinkörnigen Steinchen jede Menge spitzer, scharfkantiger Splitt in unterschiedlicher Form und Größe.

Der Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle kennt die Beschwerden: „Es ist klar, dass die Erneuerung keine Verbesserung ist. Dieser Belag ist verletzungsgefährdend, das muss geändert werden.“ Schuld sei nach seines Wissens „die Firma, die den falschen Belag eingebaut hat“. Der Bezirksbeirat West sei ja dafür gewesen, einen Kunstrasenplatz anzulegen: „Das wurde abgelehnt, weil das eine bauliche Veränderung dargestellt hätte“, so Möhrle, „und dann wäre ein Verfahren mit Lärmschutzgutachten nötig gewesen.“

Die Firma hat den falschen Belag aufgetragen – nun soll nachgebessert werden

Hätte der Fehler aber nicht spätestens bei der Bauabnahme erkannt werden müssen? Hagen Dilling, der stellvertretende Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, bestätigte, dass die ausführende Firma den falschen Oberflächenbelag aufgetragen habe: „Der entspricht nicht den definierten Vorgaben, denn er enthält zuviel Grobkorn.“ Deshalb seien die Arbeiten beim entsprechenden Termin „nicht abgenommen worden“. Es gehe dabei nur um die oberste Schicht: „Diese soll in den kommenden zwei Wochen abgekehrt und durch das richtige Material ersetzt werden, auf Kosten der Firma“, wie Dilling betont. Dennoch sei man bei der Eröffnung die Einschätzung gewesen, „dass der Platz bespielbar ist“. Nach den Berichten über Verletzungen werde diese Einschätzung umgehend überprüft: „Wir nehmen das sehr ernst und werden den Platz im Notfall sperren.“

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