Spieleentwickler Vlaada Chvátil freut sich über den Titel. Foto: dpa

Das ausgezeichnete Spiel jongliert mit Sprache und der Doppeldeutigkeit der Begriffe. Ziel ist es, gegnerische Spione aufzuspüren.

Berlin - Das „Spiel des Jahres 2016“ kommt aus Tschechien. Die Jury kürte „Codenames“ zum Gewinner. „Das Spiel übt einen Sog aus, dem sich kaum jemand entziehen kann“, begründete der Juryvorsitzende Tom Felber die Wahl. „Codenames“ sei wie ein Rätsel, das man unbedingt lösen wolle. Mit seiner Wahl beschreitet der Kritikerverein Neuland. Erstmals in der 38-jährigen Geschichte des Preises gewinnt ein Teamspiel für vier und mehr Teilnehmer. Zu zweit und zu dritt lässt sich „Code­names“ in einer Variante spielen. In „Codenames“ verstecken sich 25 Agenten hinter Tarnnamen wie „Brücke“, „Ritter“, „Tisch“, „England“. Nur die beiden Teamleiter kennen die Identitäten ihrer Leute, die anderen Spieler sollen die Spione ihrer Seite möglichst schnell aufspüren. Pro Runde gibt der Chef ein Hinweiswort, etwa „Fluss“, um auf die Agenten namens „Bett“, „Strom“ und „Po“ zu lenken. Doch ungewollt könnte der Tipp auch auf den gegnerischen Spion mit dem Decknamen „Boot“ führen. „Codenames“ erfordert Sprach- und Assoziationstalent und wird vom Verlag ab 14 Jahren empfohlen.

Entwickelt wurde das Spiel vom 45-jährigen Vlaada Chvátil. Der aus der Computerspiel-Branche kommende Tscheche verlegte 2006 seinen Arbeitsschwerpunkt auf Brettspiele. Mit seinen abgedrehten Spielideen gewann er schnell eine weltweite Fangemeinde. Seine oft epischen Werke richten sich überwiegend an Spieleexperten. Mit „Codenames“ beweist er nun sein Talent für Breitentaugliches. Wie der Verlag Chech Games Edition mitteilte, wurde „Codenames“ schon vor seiner Kür zum „Spiel des Jahres“ binnen elf Monaten weltweit mehr als 400 000-mal verkauft.

Kennerspiel des Jahres 2016 ist „Isle of Skye“

Ebenfalls nominiert waren „Karuba“ und „Imhotep“. „Karuba“ (Verlag Haba) versetzt zwei bis vier Abenteurer ab acht Jahren in den Dschungel. Jeder Spieler besitzt ein Landschafts-Tableau, auf dem seine Figuren zum Tempel ihrer Farbe gelangen müssen. Mit Plättchen, die Pfade oder Kreuzungen zeigen, konstruiert jeder sein eigenes Wegenetz. Wer aufs Anlegen eines Kärtchens verzichtet, zieht eine seiner Figuren. „Karuba“ kombiniert auf neuartige Weise Lege- und Wettrennspiel und ist obendrein sehr schön ausgestattet. Auf Haptik und Optik setzt auch „Imhotep“ (Verlag Kosmos). Im alten Ägypten errichten zwei bis vier Architekten ab zehn Jahren gemeinsam dreidimensionale Bauwerke vom Tempel bis zur Pyramide. Jeder vermauerte Stein bringt seinem Besitzer Punkte, allerdings nicht in jeder Etage und nicht in jedem Bauwerk gleich viele. Es kommt darauf an, das eigene Material zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Ort zu transportieren. Da die Spieler gemeinsame Schiffe benutzen, erzwingt jeder Spielzug die Abwägung, entweder einen weiteren Stein aufzuladen oder loszusegeln und zugleich den Kurs zu bestimmen.

Zum „Kennerspiel des Jahres 2016“ kürte die Jury „Isle of Skye“ (Verlag Lookout Spiele). In diesem Legespiel erschaffen zwei bis fünf Spieler ab zehn Jahren ihre eigenen Versionen der Isle of Skye. In jeder Partie gilt eine andere Punktwertung. Mal zählen Leuchttürme, mal Schafherden, mal möglichst große Seen. Der Clou: Ihre Landschaftskärtchen müssen die Spieler zunächst der Konkurrenz zum Kauf anbieten und einen Preis festlegen. Wer zu viel verlangt, fällt herein. Seinen Ladenhüter muss er nun selber nehmen – und auch bezahlen.