Bezirkskantor Martin Kaleschke weiß, wie er die Orgel zum Klingen bringt. Foto: Simon Granville

Die Walcker-Orgel in der Ludwigsburger Friedenskirche muss saniert werden. Die Spendensammlung geht voran. Doch was macht die Orgel so außergewöhnlich?

Der Weg vieler Ludwigsburger führt täglich an der Friedenskirche, die direkt an der B 27 liegt, vorbei. Welcher Schatz sich im Innern befindet, ist aber nur wenigen bewusst. Die Orgel der Kirche ist etwas Außergewöhnliches. Das hat auch Konrad Seigfried erkannt. Der ehemalige erste Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg ist seit einigen Jahren Erster Vorsitzender des Fördervereins Friedenskirche Ludwigsburg – Walcker-Orgel bewahren. Er wolle mit seinen Kontakten und der Bekanntheit einen Beitrag zur Erhaltung leisten. „Ich wohne schon so lange in Ludwigsburg, aber diese Besonderheit war mir nicht klar“, sagt Seigfried.

 

Nur eine von drei romantischen, gut erhaltenen Orgeln in Deutschland

Die Orgel wurde von der traditionsreichen Ludwigsburger Firma Walcker geplant und gebaut. Sie ist eine von nur drei romantischen Orgeln in ganz Deutschland, die so gut erhalten ist. „Die Walcker-Orgel ist im Wesentlichen im Originalzustand.“ Im Laufe der Jahre seien nur Kleinigkeiten repariert worden. Die meisten romantischen Orgeln dieser Größe fielen den beiden Weltkriegen zum Opfer. Im 20. Jahrhundert galt der Klang der Walcker-Orgel als nicht mehr zeitgemäß. Häufig wurden sie erneuert oder ganz ausgetauscht. Auch die Orgel in der Friedenskirche wurde im Jahr 1957 renoviert. Die Traktur, die Verbindung von Manual oder Pedal zum Ventilsystem, wurde von pneumatisch auf elektropneumatisch umgestellt, dazu gab es einen neuen Spieltisch. Dass eine umfassende Renovierung aus Sparsamkeit lange herausgezögert wurde, ist heute ein Glücksfall. So viel Originalsubstanz haben nur noch wenige Instrumente aus dieser Zeit.

Mit der Kirche wurde die Orgel 1903 feierlich eingeweiht. Noch eine Besonderheit, denn meist wird die Orgel erst nach der Vollendung des Kirchenbaus eingebaut. Doch heute will die Walcker-Orgel nicht mehr das tun, was sie soll. Ganze Register des Instruments funktionieren nicht mehr. „Es ist immer eine Herausforderung für unsere Organisten zu spielen“, sagt der 70-Jährige. Es bedarf viel Erfahrung, da man sie nur begrenzt einsetzen kann. Ganze Orgelwerke könne man damit nicht mehr spielen. „Fast wie bei einem Auto, das statt auf vier nur noch auf drei Zylindern läuft“, beschreibt Seigfried den Zustand der Orgel.

Tausende Teile müssen ausgebaut werden

Im Jahr 2028 feiert die Kirche mitsamt der Orgel 125-Jahr-Jubiläum. Bis dahin soll die Königin der Instrumente wieder klingen wie 1903 bei der Einweihung. Mehrere Tausend Teile müssen ausgebaut, gereinigt oder ausgetauscht werden. Etwa 700 000 Euro werden für die Sanierung benötigt. 305 000 Euro wurden bis jetzt gesammelt. „Wir haben im April 2022 mit der Sammlung angefangen. Seitdem sind wir gut vorangekommen.“ Der Verein hoffe, dass er spätestens bis 2025 Zweidrittel der Kosten zusammen hat. Dann könne der Auftrag vergeben werden. „Die Reparatur an sich dauert dann etwa eineinhalb Jahre“, sagt Seigfried.

Um dieses Ziel zu erreichen, sammle der Verein Spenden von Firmen, veranstaltet Benefizkonzerte und versucht, über Stiftungen Geld für die Walcker-Orgel zu sammeln. „Wir haben tolle Leute im Verein, die viel in Bewegung setzen.“ Eine besondere Aktion ist die Orgelpfeifenpatenschaft. Jeder, dem die Erhaltung der Orgel am Herzen liegt, kann mit einer einmaligen Spende eine Patenschaft für eine Orgelpfeife übernehmen. Die Beträge liegen je nach Pfeifengröße zwischen 25 Euro und 500 Euro. „Man bekommt eine Urkunde. Das eignet sich auch gut als Geschenk“, so Seigfried. Wenn viele dieser Patenschaften „an den Mann“ gebracht würden, wäre dem Verein viel geholfen.

Der Förderverein

Benefizkonzert
 Am Sonntag, 25. Februar, findet um 18 Uhr ein Benefizkonzert zur Erhaltung der Walcker-Orgel statt. Aufgeführt wird das Oratorium „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel in der 70-Minuten-Fassung von Fabian Wöhrle. Karten können bei Thabea-Floristik und an der Abendkasse erworben werden. Die nächste Benefizmatinée findet am 23. Juni um 11 Uhr mit Johanna Kaleschke (Violine) & Friends statt.

Schirmherr
Der Verein hat Horst Köhler, Bundespräsident a.D. gewonnen, die Schirmherrschaft für die Orgel zu übernehmen. Bis heute steht er in enger Verbindung zur Stadt Ludwigsburg und ihrer Kultur. Erst im vergangenen Mai besuchte er die Walcker-Orgel in der Friedenskirche.