Im September hat Gudrun Rohde das nigerianische Dorf Amanaogu besucht. Besonders die Kinder liegen ihr am Herzen. Foto: privat

Seit Jahren sammelt der Verein Amanaogu aus Stuttgart-Dürrlewang Geld für ein Ausbildungszentrum in dem gleichnamigen Dorf in Nigeria. Im Frühjahr soll der Bau beginnen. Wir haben mit der Vereinsvorsitzenden gesprochen.

Dürrlewang - Viele Tausend Kilometer von Stuttgart entfernt liegt der kleine Ort Amanaogu, mitten im afrikanischen Nigeria. Und doch sind Gudrun Rohde die Menschen in dem 6000 Einwohner zählenden Dorf so nah. Seit die 69-Jährige im Jahr 2012 zusammen mit ihrem Mann das erste Mal den afrikanischen Ort bereist hat, lässt er sie nicht mehr los. Dort ist „die weiße Frau“, wie sie von den Dorfbewohnern genannt wird, bekannt wie ein bunter Hund. Die Kinder nennen sie Grandma, also Oma. Ihre jährlichen Besuche werden sehnsüchtig erwartet, denn häufig hat sie Hilfsgüter dabei – oder gute Ideen.

Vor vier Jahren hat die Dürrlewangerin den gleichnamigen Verein Amanaogu gegründet. Seither vermittelt sie Patenschaften für Halb- und Vollwaisen, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen, organisiert Kleider- und Sachspenden, Medikamente, Matratzen, Nähmaschinen und vieles mehr. Ihr umfangreichstes Projekt, das sie selbst eine Herzensangelegenheit nennt, ist jedoch ein Ausbildungszentrum. Den Anstoß dazu gab Julius Ekwueme, der zweite Vorsitzende des Vereins, der in Amanaogu geboren und aufgewachsen ist. Während seiner Zeit als Pfarrer an der katholischen Kirche Heilige Familie in Dürrlewang hat er das Ehepaar Rohde kennengelernt und ins Herz geschlossen. Inzwischen ist er Pfarrer in Oppenweiler, doch die Freundschaft dauert an.

Bildung als Waffe gegen Armut

In dem geplanten Ausbildungszentrum sollen Schulabgänger handwerkliche Berufe wie Schreiner, Schneider oder Friseur erlernen können. „Das ist eine deutsche Idee, so etwas gibt es in Nigeria sonst nicht“, sagt Rohde. Wer es sich leisten könne, gehe an eine Universität, alle anderen müssen in Betrieben anfragen, ob sie dort den Beruf erlernen dürfen. „Aber auch das kann sich nicht jeder leisten, denn in Nigeria bekommen Lehrlinge kein Geld, sondern müssen für ihre Ausbildung bezahlen“, sagt Rohde. Deshalb lernten viele überhaupt keinen Beruf – ein Lebensweg, der meist direkt in die Armut führt. „Mit dem Ausbildungszentrum wollen wir den Jugendlichen helfen, dass sie eine Zukunft haben“, sagt Rohde. So werde auch dem Flüchtlingsstrom nach Europa entgegengewirkt, „denn wer Arbeit hat, bleibt vor Ort. Bildung ist die größte Waffe gegen Armut.“

Oft werde sie gefragt, warum das Zentrum nicht längst errichtet sei, schließlich sammelt sie seit einigen Jahren Geld dafür. Rund 42 000 Euro sind auf dem Spendenkonto zusammengekommen. „Aber wir wollen nicht mit Bambus und Stecken bauen, sondern mit Beton. Die Gebäude sollen auch nach meiner Zeit noch stehen“, betont Rohde, die das Projekt ihr Lebenswerk nennt. Seit ihrem jüngsten Afrikabesuch im vergangenen September kann sie einen Fortschritt vermelden: Der Staat hat eine asphaltierte Straße gebaut, die von der Dorfstraße zu dem Grundstück, auf dem das Zentrum entstehen soll, und einmal rundherum führt. „Es ermöglicht, dass Baufahrzeuge anfahren können. Sie würden sonst im Sandboden versinken.“

Im Frühjahr rücken die Bagger an

Auch wenn noch viel Geld für den Bau fehlt – die Kosten liegen bei etwa einer Million Euro – steht der Spatenstich kurz bevor. „Wir fangen definitiv im Frühjahr an zu bauen, egal was kommt“, sagt Rohde. Zunächst einmal soll der Aushub des 12 000 Quadratmeter großen Grundstücks gemacht und das Fundament gelegt werden. Danach geht es in Etappen weiter: „Sobald mehr Geld da ist, wird weitergebaut.“ Die 69-Jährige hofft, einen Großsponsor zu finden, um dem Ausbildungszentrum in großen Schritten näher zu kommen.

Mehr über den Verein Amanaogu

Ein Schwerpunkt des Vereins Amanaogu ist das Vermitteln von Patenschaften. Wer 50 Euro im Jahr bezahlt, ermöglicht einem Kind die Schulausbildung. Das Geld wird für die Schulgebühr und Lehrmaterial verwendet. Derzeit hat Rohde für 320 Kinder Paten gefunden.

Wer den Verein unterstützen möchte, wendet sich per E-Mail an helfen@amanaogu-ev.de an Gudrun Rohde. Spenden können an folgendes BW-Bank-Konto überwiesen werden: IBAN DE94 6005 0101 0008 6184 63, BIC SOLADEST600.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: