Trotz der Pandemie ist die Spendenbereitschaft der Deutschen ungebrochen. Doch kommt das Geld auch wirklich dort an, wo man helfen möchte? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Stuttgart - Nach wie vor sind die Deutschen sehr spendabel – und in Corona-Zeiten sogar noch mehr: Laut dem Statistikportal für Markt- und Konsumdaten Statista hat sich die Spendenbereitschaft 2020 gegenüber dem Vorjahr sogar noch leicht erhöht. Für Kinder in Not, Katastrophenhilfe, Tier-, Umwelt- und Naturschutz wird einer Umfrage im Auftrag von „Finanztest“ zufolge am meisten gespendet. Wir beantworten Fragen rund ums Spenden.
Spenden Männer und Frauen gleich?
Nein. Wie die Umfrage von „Finanztest“ zeigt, nennen 38 Prozent der Frauen eine Spende für den Tierschutz am wichtigsten – etwa um Massentierhaltung abzuschaffen oder Tierheime zu unterstützen. Bei den Männern sind es nur 21 Prozent. Mit insgesamt 29,4 Prozent liegt dieses Spendenziel damit aber an erster Stelle. Spenden für Kinder in Not sind wiederum beiden Geschlechtern etwa gleich wichtig – und liegen mit 28 Prozent an zweiter Stelle. Nach der Gesundheit auf Platz drei mit 19,4 Prozent folgt auf Platz vier die Not- und Katastrophenhilfe mit 17,7 Prozent. Diese ist übrigens laut Umfrage den Männern mit 20,6 Prozent deutlich wichtiger als den Frauen mit 14,7 Prozent.
Woran erkenne ich eine seriöse Spendenorganisation?
Die Prüfer haben in „Finanztest“ eine Checkliste erstellt, wie sich gute Spendenorganisationen erkennen lassen. Am besten ist es, man kennt eine Hilfsorganisation bereits und vertraut ihr. Dazu können auch kleinere Vereine oder wohltätige Organisationen in der näheren Umgebung gehören. Ansonsten ist ein Blick ins Internet wichtig: „Seriös arbeitende Organisationen stellen alle wichtigen Informationen auf ihre Website“, berichten die Finanztester. Dort sollte der aktuelle Jahresbericht veröffentlicht sein. Außerdem sollten dort die Einnahmen und Ausgaben für die Projekte genannt werden und die Kosten für Verwaltung und Werbung getrennt ausgewiesen sein. Auch auf positive Siegel und Zertifikate sollte man achten. Die größte Aussagekraft hat dabei das DZI-Siegel.
Was hat es mit dem DZI-Siegel auf sich?
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) prüft Organisationen im Hinblick auf ihre Seriosität im Umgang mit Spenden. Seit 1992 vergibt sie das DZI-Spendensiegel. Das kostet allerdings Geld – was nicht alle Organisationen aufbringen wollen. Somit können Organisationen auch ohne DZI-Siegel gute Arbeit leisten – „in gewissem Maße“, wie das DZI einschränkt. Rund 30 Prozent der Organisationen, die erstmals einen Antrag auf Erteilung eines Siegels stellen, scheitern an den hohen Ansprüchen. Es wird beispielsweise darauf geachtet, wie viel Geld eine Organisation für Verwaltung und Werbung ausgibt. Bis zu 30 Prozent der Spendengelder hält das DZI gerade noch für vertretbar, im Durchschnitt würden die geprüften Organisationen jedoch nur zwölf Prozent dafür ausgeben. Wer das Siegel dauerhaft tragen möchte, muss sich jedes Jahr aufs Neue überprüfen lassen.
Wem kann man bedenkenlos spenden?
An etablierte Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder das SOS-Kinderdorf kann man bedenkenlos spenden. Sie gehören zu den etwa 230 Organisationen, die das DZI-Spendensiegel tragen (www.dzi.de). Bei diesen kann man sicher sein, dass das gespendete Geld auch für den Zweck eingesetzt wird, den man als Spender ausgewählt hat.
Sollte man zweckgebunden spenden?
Davon rät „Finanztest“ ab: „Binden Sie Ihre Spende nicht an ein konkretes Projekt. Dann kann überschüssiges Geld auch für ähnliche Hilfsprojekte der Organisation eingesetzt werden.“ Bei Naturkatastrophen ist die Spendenbereitschaft manchmal höher als tatsächlich für die konkrete Hilfe benötigt. Spendet man nicht zweckgebunden, kann die Organisation überschüssige Gelder für andere Hilfsprojekte verwenden.
Kann man die Spende von der Steuer absetzen?
Ja, bei Spenden bis zu 200 Euro genügt ein einfacher Buchungsnachweis. Bei größeren Spenden sollte man sich von der Organisation eine Spendenquittung ausstellen lassen. Spenden können als Sonderausgaben abgesetzt werden – in der Höhe von bis zu 20 Prozent der eigenen Jahreseinkünfte. Wie viel man von der Steuer absetzen kann, hängt also vom jeweiligen Einkommen ab.
Sollte ich Spendengelder verteilen?
Bei Spenden bis zu 150 Euro sei es sinnvoller, nur an eine Organisation zu spenden, raten die Finanztester. Dadurch minimiere sich der Verwaltungsaufwand und das Geld komme zu einem größeren Teil dort an, wo es gebraucht wird.
An wen sollte man besser nicht spenden?
„Finanztest“ nennt eine ganze Reihe von Negativbeispielen. Dazu gehört unter anderem das Kinderkrebswerk für Deutschland e. V. in Detmold. Es hat bisher keine Nachweise geliefert, dass Spendengelder auch tatsächlich für krebskranke Kinder verwendet würden. Dem Verein wurde daher bereits im Jahr 2014 von der rheinland-pfälzischen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) untersagt, in ihrem Bundesland Spendensammlungen durchzuführen. In Rheinland-Pfalz wird die Einhaltung des Sammlungsgesetzes sehr genau überwacht.