Die jungen Männer haben im Chat angedroht, in einer Vaihinger Berufsschule Amok zu laufen.

Stuttgart - Weil sie über ein Internetportal einen Amoklauf an einem Berufsschulzentrum in Vaihingen angekündigt haben, sind am Dienstag zwei 19 und 20 Jahre alte Schüler in Untersuchungshaft gekommen. Den beiden nützte es wenig, dass sie das Ganze nur als Spaß ansahen und bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten waren.

In der Nacht zum Dienstag, gegen 0.30 Uhr, war im Facebook-Netzwerk Bedrohliches zu lesen: "Sooo ich lauf morgen amok in vaihingen ihr könnt mich aufhalten wenn ihr wollt." Ein 20-jähriger Deutscher aus Leinfelden-Echterdingen unterhielt sich im Chat-Bereich mit einem 19-jährigen Griechen aus Steinhaldenfeld darüber, gemeinsam in der Berufsschule um 9.30 Uhr loszuschlagen. Einer hatte das Computer-Kriegsspiel Medal of Honor "grad eben gezockt" und war in bester Stimmung.

Im Kreis der sogenannten Freunde blieb die Botschaft allerdings nicht unbemerkt - und so wurde noch in der Nacht die Polizei verständigt. Eine junge Frau erstattete Anzeige. Die Beamten suchten die Wohnungen der beiden frühmorgens gegen 4 Uhr auf - und fanden typische Beweismittel.

Berufsschüler landen hinter Gittern

In der Wohnung des 19-Jährigen in Steinhaldenfeld beschlagnahmte die Polizei nicht nur diverse Computer-Gewaltspiele, sogenannte Ego-Shooter - sondern auch eine Softairwaffe, einen Schreckschussrevolver und Munition. Beim 20-Jährigen wurde der PC beschlagnahmt. "Die Beweismittel müssen noch ausgewertet werden", sagt Polizeisprecher Jens Lauer.

Am Dienstagnachmittag wurden die beiden dem Haftrichter vorgeführt. Die Berufsschüler, die sich nur einen Spaß erlaubt haben wollen, landeten hinter Gittern. Ein richterlicher Warnschuss. Das Duo wird wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten angezeigt.

Noch immer gilt die Androhung eines Amoklaufs offenbar als Kavaliersdelikt. Das Landeskriminalamt hat in diesem Jahr bereits wieder 69 sogenannte Amoksachverhalte in Baden-Württemberg registriert. "Immerhin liegt die Zahl deutlich unter dem Wert von 2009, als Winnenden zahlreiche Trittbrettfahrer auf den Plan rief", sagt LKA-Sprecher Horst Haug. Im vergangenen Jahr gab es etwa 230 Fälle.

Der letzte Aufsehen erregende Fall spielte sich Ende September in Rechberghausen, Kreis Göppingen, ab. Ein Unbekannter sprach auf den Anrufbeantworter der Schurwaldschule, löste eine Evakuierung aus. Meist werden die Schüler ermittelt - und es bleibt nicht bei einer Strafanzeige. Ein 16-Jähriger, der im Juli in Ludwigsburg zwei Familien in der Nacht mit Amokdrohungen erschreckte, muss auch für 2000 Euro Einsatzkosten aufkommen.

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