Kleiningersheim denkt über einen Verkauf des Alten Rathauses nach. Foto: Werner Kuhnle

Einige Städte und Gemeinden im Kreis Ludwigsburg prüfen momentan Verkäufe von Liegenschaften. Ludwigsburg geht einen anderen Weg.

Tafelsilber verscherbeln? Das war eigentlich immer tabu für Kommunen, doch in Zeiten knapper Kassen werden Sanierungen alter Gebäude oft zu teuer. Städte und Gemeinden denken daher vermehrt darüber nach, ihre Liegenschaften zu veräußern. Die Gemeinde Ingersheim beispielsweise möchte das geschichtsträchtige Alte Rathaus in Kleiningersheim verkaufen. Der Gemeinderat hat am 20. Februar den Haushaltsplan für das Jahr 2024 eingebracht. Darin enthalten sind unter anderem Einnahmen für die Veräußerung von gemeindeeigenen Gebäuden.

 

In den letzten Jahren zu wenig investiert

Darunter eben durch den Verkauf des Kleiningersheimer Backsteinbaus. „Wir gehen diesen Schritt, weil das Gebäude stark sanierungsbedürftig ist. Es wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig investiert“, sagt Bürgermeisterin Simone Lehnert. Der Haushaltsplanansatz liegt für den Verkauf bei 85 000 Euro. Ein Schnäppchen, könnte man meinen. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich: Das Gebäude hat ein marodes Dach. Auch Wasser soll ins Erdgeschoss dringen.

Ein potenzieller Käufer müsste bei einer Kernsanierung des denkmalgeschützten Hauses mit mehreren 100 000 Euro rechnen. Wer kauft ein so sanierungsbedürftiges Gebäude? „Wir gehen davon aus, dass wenn ein Liebhaber das Gebäude kauft, es auch einer geeigneten Nutzung zugeführt werden kann“, sagt Lehnert. Wie genau das aussehen könnte, muss der Gemeinderat entscheiden. Ein Abriss des denkmalgeschützten Rathausen durch einen potenziellen Käufer sei keinesfalls denkbar und wäre nicht im Sinne der Gemeinde. Darüber hinaus wäre ein solcher Schritt nicht sinnvoll, da die Grundfläche sehr gering ist.

Im Gegenzug zum Verkauf möchte die Gemeinde das Gebäude Hessigheimer Straße 2 in Kleiningersheim erwerben. Ein ehemaliges Schulgebäude, das bis Ende 2021 als Gebäude der VR-Bank genutzt wurde. „Hier möchten wir dem Ort wieder mehr Leben einhauchen mit einer Kinderbücherei und einem schönen Treffpunkt“, so Lehnert. Das sei im alten Rathaus unmöglich geworden, da es schlecht zu heizen und die technische Infrastruktur für eine moderne Nutzung nicht vorhanden sei.

Denkmalgeschützte Gebäude mit Leben füllen

Auch die Stadt Steinheim an der Murr prüft gegenwärtig den Zustand ihrer Liegenschaften. „Wir schauen aktuell, wie wir die zahlreichen denkmalgeschützten Gebäude mit Leben füllen können“, sagt Bürgermeister Thomas Winterhalter. Dafür seien auch Sanierungsarbeiten nötig. Grundsätzlich denke Steinheim auch über einen Verkauf einzelner Immobilien nach. „Ob das dann wirklich verkauft oder über das Erbbaurecht gelöst wird, ist noch offen.“ Die Stadt sei aktuell noch im Planungsprozess und lasse sich im Gemeinderat von verschiedenen Fachleuten beraten.

Weniger mieten statt verkaufen

„Bei uns spielt das Thema Verkäufe leider keine große Rolle“, sagt Matthias Knecht, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg. Es befinden sich 420 Gebäude im Eigentum der Stadt. Diese zu sanieren, renovieren, kurz: in Schuss zu halten, koste viel Geld. Deshalb gebe es immer wieder Impulse, auch von Knecht selbst, Immobilien zu verkaufen und so die Kosten zu senken. „Die meisten Häuser sind allerdings in öffentlicher Nutzung und können damit nicht so einfach verkauft werden.“ Im Zusammenhang mit dem Sparprojekt WIN-LB (Wirtschaftlich, Innovativ, Neu denken, Ludwigsburg) werde die Stadt schauen, ob es das ein oder andere Gebäude gibt, das veräußert werden kann.

„Was wir jedoch aktiv betreiben, ist die Entmietung von angemieteten Gebäuden“, erklärt Knecht. Die Sanierungsarbeiten im Rathaus in der Wilhelmstraße 1-5 werden im Sommer abgeschlossen sein. In diese Räumlichkeiten sollen dann Mitarbeiter der Fachbereiche Revision, IT und Digitales sowie Tourismus und Events untergebracht werden. Diese Fachbereiche sind aktuell in der Uhlandstraße, etwa acht Gehminuten vom Rathaus entfernt, ausgelagert.

Zurzeit hat die Stadtverwaltung 185 Objekte angemietet. Acht davon für Büros für städtische Mitarbeiter. Dafür fallen rund 1,6 Millionen Euro Mietkosten pro Jahr an. Die restlichen angemieteten 177 Objekte werden unter anderem für Flüchtlingsunterbringung, Kindertageseinrichtungen, Schulnutzungen, VHS sowie Stadtteil- oder Jugendtreffs genutzt.

Durch Homeoffice werden weniger Räume benötigt

Oberbürgermeister Knecht sieht diese Projekte auch in Zusammenhang mit einer „Arbeitswelt 2.0“. Er wolle unter anderem mit mobilem Arbeiten Raumkapazitäten und somit Geld sparen. Corona sei ein Treiber für die Digitalisierung und Umgestaltung der Arbeitswelt gewesen. Auch in der Stadtverwaltung setzte man auf ein 40/60 Konzept für Homeoffice. 40 Prozent können Arbeitnehmer von Zuhause aus arbeiten, den Rest der Zeit sind sie vor Ort. „Wir gehen davon aus, dass ein Mitarbeiter etwa ein Siebtel einer Woche im Büro arbeitet“, so Knecht. Deshalb sei das Ziel, eine Desksharingquote von 70 Prozent zu erreichen. „So müssen wir nur noch 70 Prozent der Arbeitsplätze bereitstellen.“

Wann macht ein Verkauf Sinn?

Denkmäler
Häufig sind es die denkmalgeschützten Gebäude, die Kommunen schwer halten können. Die hohen Sanierungskosten lassen sich nur schwer stemmen. So auch beim Alten Rathaus in Kleiningersheim. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1878. Dringend nötige Sanierungsarbeiten wie eine Dachsanierung konnte sich die Stadt nicht leisten. Nun soll es veräußert werden.

Sparplan Ludwigsburg
Die Stadt Ludwigsburg setzt im Rahmen des Projekts WIN-LB weniger auf Verkäufe ihrer Liegenschaften. Vielmehr geht es darum, mit einer modernen Stadtverwaltung Geld zu sparen und gezielt in Sanierungsarbeiten zu investieren. Ziel des Projekts ist es demnach nicht nur den Haushalt nachhaltig zu stabilisieren, sondern ebenso die Verwaltung zukunftsfähig zu modernisieren.