Es wird an Veranstaltungen gespart: zuerst an der Venezianischen Messe. Foto: Werner Kuhnle

Der städtische Eigenbetrieb Tourismus und Events muss sparen, mit Auswirkungen für ganz Ludwigsburg. Zuerst verändert sich die Venezianische Messe, doch das wird wohl nicht reichen. Im schlimmsten Fall müssen Veranstaltungen ganz gestrichen werden.

Die Geschäftsführer der Tourismus & Events Ludwigsburg (Telb) haben in dieser Woche ihren Wirtschaftsplan vorgestellt. Wie die ganze Stadt Ludwigsburg muss auch der städtische Eigenbetrieb sparen und gleichzeitig mehr Geld reinholen. Das wird bereits im kommenden Jahr Auswirkungen auf die Venezianische Messe haben. Doch auch der Pferdemarkt, Weihnachtsmarkt und Veranstaltungen im Forum am Schlosspark, der Musikhalle und der MHP-Arena sind betroffen.

 

Die Herausforderungen der Tourismus & Events Ludwigsburg ist schnell erklärt: Obwohl die Einnahmen aus den Events im Fünfjahresvergleich leicht steigen, macht der Eigenbetrieb ein Minusgeschäft. Knackpunkt sind die steigenden Ausgaben für Personal und Energie. Erschwerend kommt hinzu, dass der städtische Zuschuss von acht Millionen Euro seit dem Jahr 2020 gleichgeblieben ist. Nun muss an verschiedenen Stellschrauben der Ausgaben und Einnahmen gedreht werden, um rentabler zu werden.

Erstes Opfer dieser Einsparüberlegungen ist die Venezianische Messe. Die findet in Ludwigsburg alle zwei Jahre statt und hat deutschlandweit Strahlkraft – kostet wegen der aufwendigen Technik aber viel Geld. Bis Januar wollen die Telb-Geschäftsführer ein neues, abgespecktes Konzept vorstellen. Der aktuelle Plan ist zwar an der Messe festzuhalten, sicher ist jedoch nichts. „Es kann auch sein, dass der Gemeinderat unser neues Konzept immer noch zu teuer findet“, sagt Kreh.

Rund um den Venezianischen Markt wird es 2024 also die auffälligsten Veränderungen geben, aber auch am Pferdemarkt wird laut Kreh ein kleiner fünfstelliger Betrag gespart. Den Weihnachtsmarkt versuche man derweil rentabler zu machen, indem man mehr gewinnbringende Gastrostände zugelassen hat.

Idee der Kongressstadt Ludwigsburg auf Eis gelegt

Neben diesen öffentlichen Veranstaltungen müssen auch die Telb-Häuser in Zukunft mehr Geld abwerfen. Schon 2022 wurden die Mieten für das Forum, die Musikhalle und die MHP-Arena erhöht. Mit Auswirkungen für die Bürger. Denn Mieter wie Musik-Bands, Künstler und die Riesen geben die höheren Mieten in Form von Ticket-Preissteigerungen an die Gäste weiter. Für 2024 haben die Telb-Geschäftsführer erst einmal keine weiteren Mieterhöhungen geplant – vor allem aus Sorge, die Künstler könnten sich abwenden und andere, günstigere Veranstaltungshallen buchen. Doch auch hier scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Schmerzhaft werden zudem zwei weitere Stellschrauben. Noch vor wenigen Monaten verkündeten Mario Kreh und Elmar Kunz, dass Ludwigsburg zur Kongressstadt werden soll. Diese Idee wurde jetzt aber auf Eis gelegt. Und das, obwohl das Kongressgeschäft eigentlich sehr rentabel ist. Die Branchentreffen sollten das Forum, Hotels und Restaurants unter der Woche füllen. „Aber wir haben aktuell einfach keine Kapazitäten, das voranzutreiben“, sagt Kreh. Zuletzt wird auch noch am Personal gespart. Ein aktiver Abbau ist nicht geplant, doch die ein oder andere Stelle wird nicht nachbesetzt.

Während des Gesprächs wird deutlich: Die Telb-Geschäftsführer verfallen nicht in Selbstmitleid und bleiben konstruktiv. Gleichzeitig machen sie kein Geheimnis daraus, dass sie in Zukunft gerne mehr Zuschüsse von der Stadt erhalten würden. Wenn nicht, wären die Stellschrauben passé, dann wird zur Axt gegriffen. „Dann müssen wir uns überlegen, auf welche Formate wir komplett verzichten“, sagt Kreh.

Der Eigenbetrieb in Zahlen

Geld
 Tourismus & Events Ludwigsburg (Telb) plant für 2024 mit 6,8 Millionen Euro Einnahmen aus dem laufenden Geschäft mit Vermietungen und Veranstaltungen. Hinzu kommt der städtische Zuschuss von 8 Millionen Euro. Insgesamt stehen also 14,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Schulden
 Der Eigenbetrieb der Stadt hat in den vergangenen Jahren immer wieder negative Ergebnisse erzielt. Für 2023 rechnet man mit einem Minus von rund 300 000 Euro, das Ziel für 2024 ist die schwarze Null. Der Schuldenstand würde sich dann auf rund 1,7 Millionen Euro belaufen. Damit steht der Eigenbetrieb laut den Telb-Geschäftsführern im Vergleich zu anderen Tourismusbehörden noch sehr gut da.