Wenige Tage vor dem Treffen des US-Präsidenten Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un gab es einen myteriösen Überfall auf die nordkoreanische Botschaft in Madrid. Foto: AP

Bewaffnete Männer sind in die Botschaft Nordkoreas in Madrid eingedrungen. War es die CIA?

madrid - Es klingt wie das Drehbuch eines Agententhrillers: Eine Frau läuft am Nachmittag des 22. Februar schreiend durch Aravaca, einen etwas vornehmeren nordwestlichen Vorort des spanischen Hauptstadt Madrid. Ein Streifenwagen nimmt die entsetzte Frau auf, die kein Spanisch spricht. Es dauert eine Weile, bis ihre Nationalität geklärt und ein passender Dolmetscher zur Stelle ist. Dann erzählt sie: Sie arbeite in der nordkoreanischen Botschaft, die gerade überfallen worden sei, von vielleicht zehn bewaffneten Männern. Sie selbst habe sich durch einen Sprung aus dem Fenster im zweiten Stock retten können, berichtet die den Polizisten.

Zwei Beamte machen sich auf den Weg zur Botschaft und klingeln an der Pforte. Dort öffnet ihnen ein asiatisch aussehender Mann und versichert, dass alles in Ordnung sei. Während sich die Polizisten noch fragen, was zu tun sei, sehen sie, wie zwei voll besetzte Luxuslimousinen davonbrausen. Sieben oder acht Botschaftsangehörige bleiben zurück, mit Kapuzen über den Köpfen und Gesichtern und gefesselten Händen. Sie seien von den Angreifern geschlagen und verhört worden, berichten sie. Die Männer hätten Dokumente, Rechner und Mobiltelefone mitgenommen.

Gab es einen Zusammenhang zwischen Überfall und Gipfel?

Es dauert ein paar Tage, bis die Netzzeitung „El Confidencial“ als Erste über den Überfall berichtet. Außen- und Innenministerium schweigen, also recherchieren mehrere spanische Medien bei Polizei und Geheimdienst. Am Mittwoch meldet die große, gewöhnlich zuverlässige Tageszeitung „El País“, dass hinter dem Überfall der US-Geheimdienst CIA stecke.

Wenn die Nachricht stimmt, wäre das eine Sensation – und eine diplomatische Katastrophe. Fünf Tage nach dem Überfall trafen sich in Hanoi US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un. Sie brachen ihre Gespräche ergebnislos ab. „El Confidencial“ spekuliert, ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen gibt. Einer der Verhandlungsführer Kims bei den Kontakten mit den USA ist sein früherer Botschafter in Madrid, Kim Hyok-chol. Der Botschafter war im September 2017 von der spanischen Regierung zur unerwünschten Person erklärt worden und musste das Land verlassen. Seitdem stieg er offenbar in den inneren Machtzirkel um Kim Jong-un auf.

Der Außenminister schweigt

Möglicherweise sollte das Überfallkommando in Madrid zurückgelassene Dokumente Kim Hyok-chols aufspüren. Die Quellen bei Polizei und Geheimdienst von „El País“ sagen jedenfalls, dass sie zwei Beteiligte an dem Überfall identifiziert hätten, die sie der CIA zurechnen. Spuren in den zurückgelassenen Fluchtwagen und die Aufnahmen von Sicherheitskameras hätten zu diesen Männern geführt. Der US-amerikanische Geheimdienst habe seine Beteiligung an dem Überfall bestritten, das Dementi sei für die Ermittler allerdings „wenig überzeugend“ gewesen. Die anderen Mitglieder des Überfallkommandos sollen Südkoreaner gewesen seien. Der spanische Außenminister Josep Borrell will zu all dem nichts sagen.

Geht die CIA so amateurhaft vor, dass sie eine Frau aus der Botschaft entkommen lässt und nicht verhindert, dass Sicherheitskameras die am Überfall Beteiligten filmen? Wenn sich alle betroffenen Regierungen weiter in Schweigen hüllen, wird die Wahrheit nicht so schnell ans Licht kommen.

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