Mit Humor und Lachen an die Schulen: Ines Rosner als Bubu und Andrea Geser-Novotny Foto: factum/

Ein Start-up mit einer in Deutschland noch einzigartigen Idee: Zwei Schulsozialarbeiterinnen wollen Clowns in den Unterricht, auf den Pausenhof und ins Lehrerzimmer schicken, um die Stimmung zu heben und Probleme zu lösen.

Weil im Schönbuch - Ihren Schlüsselmoment als Clown an einer Schule hatte Ines Rosner mit einem Flüchtlingsmädchen. „Mir als Sozialarbeiterin hätte sie sich nicht so geöffnet“, sagt die 39-Jährige. Aber sie war in ihrer Rolle als Bubu an der Schule: In diese Figur verwandelt sie sich, wenn sie die rote Nase aufsetzt. Das Mädchen saß heulend vor der Tür des Klassenzimmers und wollte mit niemandem reden – bis Bubu sich neben sie setzte. „Mach die Schule zu einem glücklichen Ort“, lautet das Motto von Ines Rosner und Andrea Geser-Novotny. Die Schulsozialarbeiterinnen haben eine in Deutschland noch einzigartige Geschäftsidee: Sie wollen Clowns an die Schulen bringen, um „mit Humor und Lachen eine positive Lernatmosphäre zu schaffen“.

„True Moments“ heißt ihr neu gegründetes Start-up aus Weil im Schönbuch. Bei einem Wettbewerb des Landeswirtschaftsministeriums stellten Ines Rosner und Andrea Geser-Novotny ihr Unternehmen schon vor. Zwar war die Begeisterung für das Projekt groß, aber das Urteil zumindest für den Pitch ernüchternd: „Ihr seid kein Business“, erklärte die Jury. Damit kommen die Schulsozialarbeiterinnen gut zurecht, denn ihre Firma ist auf Gemeinnützigkeit ausgelegt – aber kein Ehrenamt. Und ihr Ziel ist durchaus ehrgeizig: „Wir wollen in ein paar Jahren an allen Schulen sein“, sagt Andrea Geser-Novotny.

Eigens eine Ausbildung für die Clown-Figur

Als Theaterpädagogin ist Ines Rosner auf den Clown gekommen, sie absolvierte eigens eine Ausbildung für diese Rolle. Als Bubu war sie bislang vor allem in Kliniken im Einsatz. Aber Lachen und Humor wirken natürlich auch an der Schule. In Israel ist nach Medical Clowning, wie der Fachausdruck dafür lautet, nun das Educational Clowning aufgekommen. Seit dem vergangenen Jahr sind dort Clowns an High-schools im Einsatz, Ines Rosner hat es sich an Ort und Stelle angesehen und ein Praktikum gemacht. Aus ihrer Erfahrung als Schulsozialarbeiterinnen sind die Unternehmensgründerinnen davon überzeugt, dass dieses niederschwellige Angebot an den Schulen gebraucht wird.

„Kein System kann Mobbing besser hervorrufen als Schule“, nennt Ines Rosner als ein Beispiel. In der Rolle als tollpatschiger Bubu wirkt sie durch ihr Spiel auf die Kinder und Jugendlichen ein, sie greift Gefühle auf und spiegelt sie. „Der Clown führt keine Show vor“, erklärt die Theaterpädagogin, „er muss die Atmosphäre spüren und darauf mit offenem Herzen eingehen.“ Das weinende Flüchtlingsmädchen erklärte ihr beispielsweise nach einer Weile, dass es von seiner Lehrerin ungerecht behandelt worden sei. Daraufhin schimpfte Bubu herzhaft über die Ungerechtigkeit in der ganzen Welt und brachte es wieder zum Lachen. „Lass uns ins Klassenzimmer zurückgehen“, sagte das Mädchen schließlich. Es sei so fröhlich und offen wie noch nie gewesen, berichtete die Lehrerin hinterher.

Große Ziele für die Zukunft

Die Aufgaben bei True Moments sind klar geteilt: Andrea Geser-Novotny konzentriert sich auf die Geschäftsführung. Erste Gespräche mit Schulen sind bereits gelaufen, und ein Engagement steht in Aussicht. Lehrerworkshops sind geplant, um das Konzept vorzustellen. Ein Modell könnte sein, dass der Clown einmal pro Woche in die Schule kommt, der Einsatz findet nach Absprache mit den Lehrern statt, etwa auf dem Pausenhof oder in einer Klasse. Die Schulen würden 30 Prozent der Kosten tragen. Geser-Novotny hat Anträge bei Stiftungen gestellt, um die Finanzierungslücke zu schließen.

Weil es ein Pilotprojekt ist, sind die personellen Möglichkeiten momentan noch begrenzt: Drei Clowns hat True Moments zu bieten. Deshalb wollen die Unternehmensgründerinnen eine Ausbildung dafür etablieren. Im Internet haben sie außerdem eine Spendenaktion gestartet, um für einen Auftritt bei der Stuttgarter Bildungsmesse Didacta zu sammeln. „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir die Bewegung der Klinik-Clowns an die Schulen bringen können“, sagt Andrea Geser-Novotny. Die 37-Jährige hat sogar ihren Job gekündigt, um sich auf das Start-up zu konzentrieren.

Lachen ist gesund

Idee:
Die Idee, Clowns zu Therapiezwecken einzusetzen, stammt aus den USA: Michael Christensen, der seit 1986 Klinikclowns in Kinderkrankenhäuser bringt, gilt als Begründer der weltweiten Bewegung. In Deutschland gibt es seit mehr als 20 Jahren Vereine, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Arbeit professioneller Clowns in Medizin und Pflege zu fördern, der bekannteste Verein sind die Klinik-Clowns. Mittlerweile hat sich ihr Einsatzgebiet im Gesundheitswesen auch auf Erwachsene und alle Arten von Kliniken sowie Seniorenheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder Hospize erweitert.

Wirkung:
Eine Studie der Uniklinik Greifswald und der Humboldt-Universität Berlin hat gezeigt: Bei Kindern, die vor Operationen mit dem Clown lachen konnten, stieg der Spiegel des Hormons Oxytocin um 30 Prozent. Es erhöht das Vertrauen zu Mitmenschen und kann Stress abbauen.

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