Schwerarbeit für die Traktoren, ein Heidenspaß für die Zuschauer: der Trecker-Treck Foto: Eppler/Archiv

Hauptsache draußen: Beim Trecker-Treck in Waiblingen-Bittenfeld zeigen Traktorfahrer, was sie und ihre Maschinen können. Ein Volksfest für Besucher aus dem Großraum Stuttgart.

Waiblingen - Mit einem Güllefass hat alles angefangen. Das Behältnis haben der Waiblinger Landwirt Martin Müller und einige seiner Bekannten eines Tages Ende der 1980er Jahre an ihre ­Traktoren gehängt, einen Berg hinaufgeschleppt und die dafür benötigte Zeit gestoppt. „Jeder hatte einen Traktor, und jeder hat behauptet, dass seiner besser zieht“, erinnert sich Martin Müller daran, wie der Wettbewerb auf seinem Hof in Waib­lingen-Bittenfeld (Rems-Murr-Kreis) einst zustande kam.

Denn was als einmaliger Testlauf in fröhlicher Runde hätte enden können, hat im Lauf der Jahre dank Mundpropaganda immer größere Kreise gezogen und sich zu einem regelrechten Volksfest entwickelt. Das steigt immer an einem Wochenende in der zweiten Augusthälfte – also dann, wenn die Ernte weitgehend eingebracht ist und Bauern und Fahrer von landwirtschaftlichen Lohnunternehmen wieder ein bisschen mehr Zeit haben.

Traktoren ziehen Betonplatten

In diesem Jahr findet der als „Trecker-Treck Bittenfeld“ bekannte Geschicklichkeitswettbewerb mit unterschiedlichen Gewichtsklassen am 20. August statt, zum bereits 27. Mal. Die Aufgabe der teilnehmenden Traktorfahrer ist es alle Jahre wieder, einen mit Betonplatten oder Eisenteilen schwer beladenen Bremswagen mittels eines Traktors möglichst weit über eine Ackerfläche zu schleppen.

Insgesamt 75 Meter lang ist die dafür vorgesehene Strecke, auf der bis vor Kurzem noch Gerste reifte. „Der Bremswagen hat statt einer Vorderachse eine Kufe, die über den Boden rutscht“, erklärt Martin Müller. Die angeschraubte Blechtafel schiebt eine immer größere Ladung Erdreich vor sich her, was den Bremseffekt verstärkt. Hinzu kommt, dass das auf dem Schleppwagen liegende Gewicht sich mit jeder Drehung der Hinterräder weiter nach vorne bewegt und immer mehr auf die Bremskufe drückt, die sich ständig tiefer ins Erdreich gräbt. Ganz schön tückisch.

Einige tausend Zuschauer kommen auf den Hof

Das Spektakel zieht Jahr für Jahr 4000 bis 5000 Schaulustige aus der gesamten Region Stuttgart auf den idyllisch im Grünen gelegenen Böllenbodenhof, den Martin Müllers Familie in vierter Generation bewirtschaftet. Auch die Traktorfahrer kommen aus allen Himmelsrichtungen angetuckert – aus dem Heilbronner und Stuttgarter Raum, aus dem Landkreis Ludwigsburg und von den Fildern herunter. Manche treffen schon am Samstagabend ein und schlagen ihr Nachtlager auf dem Anhänger auf, den sie am nächsten Tag als Zuschauertribüne nutzen.

„Wir wissen nie, wie viele Fahrer kommen, es gibt keine Anmeldung“, sagt Martin Müller. Eines aber ist sicher: Statt der anfangs rund 50 Teilnehmer am Wettbewerb gehen mittlerweile je nach Wetterlage bis zu 150 an den Start. „Deshalb haben wir inzwischen zwei Bahnen und zwei Bremswagen“, erzählt Martin Müllers Bruder Andreas, der sich am kommenden Sonntag zum bereits zwölften Mal hinter das Steuer seines Traktors klemmt und mitfährt.

Martin Müller hat seine Fahrerkarriere inzwischen beendet, statt seiner geht der 18-jährige Junior Manuel ins Rennen. Auf ein Training vorab verzichtet er, weiß aber, worauf es ankommt: „Wenn der Fahrer, der vorher auf der Strecke war, ein Loch gebuddelt hat, muss man sauber ausweichen, aber nicht zu spitz, sonst verkantet sich der Bremswagen.“ Eine Portion Glück brauche man, sagt sein Vater, die Gewichtsverteilung und der Reifendruck müssten stimmen, und die Bodenbeschaffenheit spiele eine Rolle. Die PS-Zahl sei hingegen auch wegen der Aufteilung in unterschiedliche Gewichtsklassen gar nicht so ausschlaggebend. Am Sonntag gehen Zugfahrzeuge mit bescheidenen 25 PS ebenso an den Start wie Modelle mit 400 PS. Auch da habe sich viel geändert, sagt Martin Müller: „In den Anfangszeiten war einer mit einem 150-PS-Traktor der Star, aber die Zeiten sind vorbei.“

Das „Fleischbrot“ lockt manche mehr als die PS

Weil der Trecker-Treck ein Ereignis für die ganze Familie sein soll, verlangt der veranstaltende Verein Trecker Team Bittenfeld keinen Eintritt. Seine Mitglieder schmeißen den Festbetrieb ehrenamtlich, hinzu kommen viele freiwillige Helfer, die mitschaffen – und zwar ohne Bezahlung. Trotzdem gebe es jedes Jahr Neueinsteiger, erzählt Martin Müller. Finanziert wird das Fest über die Einnahmen, die der Verkauf von Getränken und Speisen bringt. Eine besondere Spezialität ist das „Fleischbrot“, ein gepökelter Schweinebauch, der auf dem Grill zubereitet und mit Zwiebeln, Peperoni und Brot serviert wird. „Es gibt Leute, die kommen nur deswegen“, sagt Müller.

Ist das Spektakel vorbei, rückt ein Bagger an, der den planierten Boden der Piste auflockert. Dann wächst bald wieder Getreide, als wäre nichts gewesen – bis zum nächsten Jahr und dem 28. Trecker-Treck.

Schwergewichte am Start

Freiluftfest
Der 27. Trecker-Treck steigt am Sonntag, 20. August, auf dem Böllenbodenhof, Böllenbodenhof 2, bei Waiblingen-Bittenfeld. Die Anfahrtsroute ist ab der Ortsmitte von ­Bittenfeld ausgeschildert. Der Eintritt ist frei. Es gibt eine Bewirtung im Zelt, mit deren ­Einnahmen der Verein Trecker-Team Bittenfeld die Kosten für das Großereignis finanziert.

Programm
Am Sonntag legen die Traktoren um 10 Uhr mit dem Wettbewerb los. Für Kinder gibt es einen Kinder-Trecker-Treck mit Tretschleppern. Am Samstag wird vorgefeiert: Von 18 Uhr an gibt es Bewirtung, ab 19 Uhr ein Tauziehen, bei dem Teams von bis zu 15 Personen testen können, wie weit sie den Bremswagen mit eigener Muskelkraft befördern können.

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