Kurt Sartorius zeigt eine Konstruktion, mit der sich illegal Schnaps brennen ließe. Der Zoll prüft, dass das keiner macht. Foto: factum/Granville

Regelmäßig kommt der Zoll ins Schnapsmuseum und kontrolliert die Gerätschaften. Selbst gebrannt hat der Museumsleiter Kurt Sartorius allerdings noch keinen einzigen Schnaps in seinem Leben. Er trinkt ihn nur.

Bönnigheim - Das Schnapsmuseum des Vereins Historische Gesellschaft Bönnigheim zu finden, ist gar nicht so einfach. Versteckt liegt es zwischen kleinen Gässchen, der Weg dorthin ist mit holprigem Kopfstein gepflastert. Dann geht es um eine Ecke – und ein gewaltiges und uraltes Haus ist erreicht: Das 1296 erbaute „Steinhaus“, ein ehemaliges Wohngebäude der Stadtburg. Dort, hinter diesen altehrwürdigen Mauern, ist das einzige Schnapsmuseum des Landes untergebracht. Auf mehr als 600 Quadratmetern können die Besucher alles rund um das Thema Schnaps anschauen und lernen sowie nach Anmeldung eine Schnaps-Verkostung miterleben.

Das Museum ist landesweit das einzige seiner Art

Das Schnapsmuseum ist gewissermaßen das Baby des ehemaligen Lehrers Kurt Sartorius. Er war es, der sich im Jahr 1977 Gedanken machte, was mit einer alten Schnapsbrennerei aus dem Ort geschehen sollte. „Ich dachte mir, es wäre doch schade, wenn sie verschrottet wird. Lieber wollten wir sie in ein Heimatmuseum integrieren“, erzählt der 68-Jährige. Doch es sollte nicht einfach nur ein klassisches Museum werden, in dem die frühere Landwirtschaft oder der Weinbau beleuchtet werden. Also wurde es ein Schnapsmuseum, und so gründete sich am 30. September 1977 die Historische Gesellschaft Bönnigheim e.V., unter deren Dach das Museum nun betreut wird, und deren Leiter Kurt Sartorius ist.

Noch immer ist das Schnapsmuseum das einzige seiner Art in Baden-Württemberg. Einer der vier Museumsbereiche beschäftigt sich mit der Geschichte der Brenntechnik, in einem anderen sind Geheim- und Schwarzbrennanlagen ausgestellt. Im Keller werden humorvolle Verkostungen angeboten, während es seit Ende Mai dieses Jahres in einem neu gestalteten Bereich um die Geschichte der Hammer-Brennerei geht. Die älteste, ausgestellte Destillationsanlage stammt aus Österreich, während der älteste Alkoholdestillationsbeleg ,ein Rosenhut in Frauenform aus Konstanz, aus dem Jahr 1280 ist.

Die Geheimbrennereien sind besonders spannend

Mehr als 80 Brennereien vereint Sartorius in seiner Sammlung. Zum Teil sind es „offizielle“ Brennereien, die er von ehemaligen Betrieben bekommen hat.

Der andere Teil sind die sogenannten Geheimbrennereien; Apparaturen also, die sich die Schnapsliebhaber selbst aus diversen Teilen zurechtgebastelt haben, um damit illegal Hochprozentiges zu produzieren. „Für diese Geheimbrennereien interessieren sich die Besucher immer ganz besonders“, sagt Sartorius und lacht.

Es ist schon abenteuerlich, wie erfindungsreich manche waren und wohl noch immer sind: Eine alte Milchkanne musste ebenso herhalten wie ein ausgedienter Schnellkochtopf und eine Bierbüchse, auch aus einer alten Gurkendose mit der Aufschrift „Schwabenstolz“ wurde eine entsprechende „Maschine“ gebastelt. Der Zoll komme regelmäßig zu ihm und kontrolliere akribisch, ob die von ihm angebrachten Verplombungen auch alle noch an ihrem Platz seien und alles seine Richtigkeit habe, berichtet Sartorius.

Sonderausstellungen im Haus

Weil aber das Schnapsmuseum unter dem Dach der Historischen Gesellschaft Bönnigheimagiert, erweitert der Museumschef das Haus regelmäßig um ganz andere Themenbereiche abseits des Hochprozentigen.

So beschäftigt er sich etwa seit vielen Jahren mit den magischen Gebräuchen um Liebe und Geburt – und hier vor allem mit den Tontöpfen, in denen die Menschen früher die Nachgeburten ihrer Kinder im Keller ihrer Häuser vergruben. „Ich habe in einem Keller in Bönnigheim mehr als 50 solcher Töpfe gefunden“, berichtet Sartorius, der ehemalige Denkmalpfleger. Sie sind ein wichtiger Teil der Sonderausstellung des uralten Hauses – und wen es bei der Betrachtung einer mumifizierten Katze, die ebenfalls zu sehen ist, gruselt, kann sich im Keller ein Schlückchen gegen den Schreck genehmigen.

Mehr als 5000 Besucher kommen pro Jahr ins Schnapsmuseum und spülen dem Verein einen erklecklichen Betrag in die Kasse, den dieser sogleich reinvestiert. Mehr als 400 000 Euro haben die 250 Vereinsmitglieder seit seinem Bestehen hineingesteckt, und fragt man Kurt Sartorius nach Ideen für künftige Sonderausstellungen, fallen ihm gleich mehrere ein. Bis dahin betreut er die meisten der etwa 200 Veranstaltungen im Jahr.

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