Strom aus der Steckdose des Eigenheims – das ist eher etwas für einkommensstarke Menschen. Foto: imago images/Martin Bäuml

Das KfW-Förderangebot für Eigenheimbesitzer mit Elektroauto und Photovoltaikanlage ist nach nicht einmal 24 Stunden ausgeschöpft. Die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert moniert diverse Schwachstellen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) warnt am Mittwoch auf ihrer Internetseite: „Bitte keine Anträge mehr stellen – die Fördermittel sind ausgeschöpft“. Der Run auf das neue Programm für das Laden von Elektroautos mit Solarstrom hat die staatliche Förderbank technisch und finanziell überfordert – nachdem das Kundenportal schon bald nach der Freischaltung am Dienstag unter dem Andrang zwischenzeitlich kollabiert war, mussten Interessenten tags drauf auf 2024 vertröstet werden.

 

Rund 33 000 Anträge wurden bewilligt, dann war der für dieses Jahr vom Verkehrsministerium mit 300 Millionen Euro gefüllte Topf geleert. Sofern alle Fördervoraussetzungen erfüllt seien und die Zusage gegeben worden sei, „ist Ihr Zuschuss für Sie reserviert“, so die KfW. Weitere 200 Millionen Euro soll es im neuen Jahr geben. Darüber werde dann im Newsletter informiert.

Gesamtzuschuss von bis zu 10 200 Euro

Die Förderung ist gedacht für den Kauf von Ladestation, Photovoltaikanlage und Solarstromspeicher – aber nur im Paket. Nutznießer sind Eigentümer selbst genutzter Wohngebäude, die ein Elektroauto besitzen oder eines bestellt haben. Bis zu 10 200 Euro beträgt der Zuschuss – was je nach Anlage und Installationskosten einer Förderung von bis zu 40 Prozent entspricht. Im Detail gibt es für die Ladestation 600 Euro pauschal und 1200 Euro bei bidirektionaler Ladefähigkeit, sodass das E-Auto überschüssigen Strom bei Bedarf abgeben und das Stromnetz entlasten kann. Ferner gibt es für die PV-Anlage 600 Euro pro Kilowatt-Peak Spitzenleistung (maximal 6000 Euro) und für den Stromspeicher 600 Euro pro Kilowattstunden nutzbarer Speicherkapazität (maximal 3000 Euro).

Dass das Budget im Nu verbraucht war, löst deutliche Kritik aus. „Das Programm ist völlig unterdimensioniert“, sagte Claudia Kemfert, führende Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), unserer Zeitung. Von 500 Millionen Euro könnten maximal 50 000 Haushalte profitieren, vielleicht sogar weniger. „Der Andrang ist groß, es gibt Mitnahmeeffekte von Haushalten, die es gar nicht brauchen.“

„Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Grundsätzlich gehe der „PV-Prosumer-Ansatz“, bei dem Verbraucher mit einer PV-Anlage zu Stromproduzenten werden, in die richtige Richtung. Aber erstens sei es sozial ungerecht, wenn es nur auf Wohlhabende zielt, die ein selbst genutztes Eigenheim hätten, sich ein neues E-Auto sowie eine PV mit Heimspeicher leisten könnten. Zweitens sei es „ein Tropfen auf dem heißen Stein, da von 500 Millionen Euro lediglich ein sehr geringer Anteil – maximal 2,5 Prozent – der Haushalte profitieren könne. Dass das Budget nach einem Tag ausgeschöpft sei, bestätige dies. Drittens, so Kemfert, „entspricht es zu wenig der Energie-Systemdienlichkeit: Es kann zu Fehlanreizen führen, dass zu kleine PV-Anlagen installiert werden und das E-Auto-Laden nicht zur Netzentlastung führt“.

Ineffiziente Netzauslastung vermeiden

Dies, rät die DIW-Wissenschaftlerin, sollte stärker berücksichtigt werden. Demnach sollen nicht nur kleine Solaranlagen genutzt werden dürfen und das Programm auf mehr Wohnungen erweitert werden. Vor allem die Vorgabe, dass nur selbst erzeugter Strom genutzt und gespeichert werden soll, sei der falsche Weg. „Im Winter gibt es oftmals nicht so viel Strom aus der eigenen PV-Anlage wie im Sommer, da ist es sinnvoll, dass Strom aus dem Netz genutzt werden darf.“ Dies führe dann auch zu effizienter Netzentlastung.