Ähnlich groß wie dieser Solarpark der EnBW in Ochsenberg soll auch die Anlage in Steinheim am Albuch werden. Foto: EnBW

Immer mehr Solaranlagen entstehen auf Flächen, wo zuvor Mais angebaut wurde oder sogar Wald stand. In Steinheim am Albuch haben jetzt die Bürger für den Bau des größten Solarparks in Baden-Württemberg auf 20 Hektar gestimmt.

Steinheim am Albuch - Im Vergleich zum benachbarten Ort wird der Solarpark riesig werden: Auf einer Fläche von 30 Fußballfeldern wird sich bald Solarpanel an Solarpanel drängen – Küpfendorf, ein Ortsteil von Steinheim am Albuch mit gerade 70 Einwohnern (Kreis Heidenheim), verschwindet dagegen fast auf der Landkarte. Aber 61 Prozent der Steinheimer haben nun in einem Bürgerentscheid für diesen größten Solarpark im Südwesten gestimmt.

 

Die Argumente waren ungefähr dieselben, die meist ausgetauscht werden, wenn ein Solarpark geplant ist. Die Bürgerinitiative Küpfendorf verwies auf das Ackerland, das verloren geht: 80 Tonnen Getreide könnten dort jährlich angebaut werden. Die Natur werde verschandelt. Und überhaupt gehörten Solaranlagen auf Dächer und nicht in die freie Landschaft. Der private Betreiber und auch der Nabu sind dagegen der Meinung, dass Solaranlagen auf Freiflächen unverzichtbar seien, um die Klimaziele zu erreichen. 3500 Haushalte könnten mit der Steinheimer Anlage (die Leistung liegt bei 15 Megawatt) mit Strom versorgt werden. Der Nabu-Vorsitzende Johannes Enssle schlägt vor, die Wiesen unter den Panels mit Schafen zu beweiden und etwa den Zaun so zu bauen, dass Hasen und Igel durchschlüpfen können. Das Gebiet sei dann ökologisch wertvoller als Äcker, die gespritzt und gedüngt würden.

Seit 2017 gab es drei Bürgerentscheide zu Solarparks

Tatsächlich sind Solarparks deutlich weniger konfliktträchtig als Windparks – seit 2017 gab es im Land drei Bürgerentscheide über Solar-, elf aber über Windkraftanlagen. Konfliktfrei ist die Solarenergie aber nicht. In zwei Gemeinden des Alb-Donau-Kreises, in Laichingen im November 2019 und in Rechtenstein im Juli 2019, sprach sich die Mehrheit gegen das Vorhaben aus. Der Schutz wertvoller landwirtschaftlicher Böden, so der Tenor, müsse Vorrang haben. Der Ton im Streit ist aber oft nicht sehr rau: Eine wissenschaftliche Begleitung des Steinheimer Bürgerentscheids durch die Universität Frankfurt hat ergeben, dass die Debatte von allen Seiten sachlich und respektvoll geführt worden sei. Allerdings waren auch nur wenige persönlich betroffen; die Anlage wird so abseits und so von Wald umzingelt gebaut, dass sie kaum jemand von seinem Haus aus sehen kann.

Insgesamt wächst die Zahl der Solaranlagen auf Freiflächen – 626 waren es Ende 2018 im Südwesten, davon entfallen aber auf nur 269 fast 98 Prozent der Leistung von 460 Megawatt. Der Schnitt liegt bei 1,7 Megawatt pro Anlage. Seit 2017 ermöglicht es die Landesregierung, dass solche Anlagen nicht nur entlang von Autobahnen oder auf Konversionsflächen zulässig sind, sondern auch in als „benachteiligt“ definierten Gebieten; dazu gehören drei Viertel des Landes.

Einen Boom habe das nicht gebracht, weil sich die Betreiber bei der Bundesnetzagentur um eine Förderung bewerben müssten, betont Ralf Heineken, der Sprecher des Umweltministeriums. Und von 2017 bis 2019 gab es lediglich 26 Zuschläge. Übrigens: 2016 lag der Anteil des Ertrags von Solaranlagen auf Freiflächen bei 7,5 Prozent; Fotovoltaikanlagen auf Dächern sind also noch immer die Quotenbringer.

EnBW plant riesigen Solarpark bei Langenenslingen

Ein großer Player in diesem Geschäft ist die EnBW. Sie betreibt 16 Solarparks im Südwesten, darunter den mit zehn Megawatt Leistung bisher zu den größten zählenden Park in Ochsenberg bei Königsbronn (einen Katzensprung von Steinheim entfernt). Für die 2014 eröffnete Anlage auf einem ehemaligen Militärgelände mussten zehn Hektar Wald gerodet werden; heute liegt die Anlage wie eine silbern glänzende Insel vollständig von Wald umschlossen. Sie versorgt rechnerisch ganz Königsbronn, das gut 7000 Einwohner zählt, mit Strom.

Lange könnte Steinheim übrigens den Nimbus als Gemeinde mit dem größten Solarpark im Südwesten nicht behalten. Denn die EnBW will bei Langenenslingen (Kreis Biberach) auf 80 Hektar einen Solarpark mit 70 Megawatt Leistung bauen. Auch dort gehen landwirtschaftliche Flächen verloren; das Projekt ist aber noch in einem frühen Stadium.

Und damit ist das Ende der Fahnenstange für die EnBW noch nicht erreicht. In Brandenburg errichtet der Konzern gerade den größten Solarpark bundesweit mit 187 Megawatt Leistung, übrigens ohne EEG-Förderung. 209 Hektar werden dort in Anspruch genommen. Zum Vergleich: das entspricht einem Prozent der Markungsfläche Stuttgarts. Die Anlage soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Etwa 70 Prozent ihrer Parks, erklärt die EnBW-Sprecherin Ramona Sallein, würden mit Schafen beweidet. Eine extensive Nutzung erfolge aber auf fast allen Flächen im Land, sagt der Ministeriumssprecher Heineken.

Das Land unterstützt diese Form der Energiegewinnung. Denn Windkraft und Fotovoltaik böten die größten Potenziale im Bereich der erneuerbaren Energien, so das Umweltministerium. Tatsächlich führt die Fotovoltaik im Land das Ranking an: Im Jahr 2018 hatte sie einen Anteil von 8,6 Prozent an der Stromproduktion im Land; die Biomasse lag bei 8,2, der Wind bei 4,2 Prozent. Unterm Strich haben die erneuerbaren Energien einen Anteil von 28 Prozent an der Stromerzeugung. Das Ziel der Regierung ist, dass bis 2050 rund 80 Prozent des Energiebedarfs, also inklusive Wärme und Kraftstoffe, aus erneuerbaren Quellen stammt.

Eine Pflicht für Fotovoltaikanlagen auf privaten Neubauten konnte die Regierung jüngst wegen des Widerstands der CDU nicht umsetzen. Vorgeschrieben sind Anlagen aber bald auf Gewerbegebäuden.