Solaranlagen verteilen sich höchst ungleich auf Stuttgarts Dächern. Foto: dpa/Oliver Berg

Immer mehr Solaranlagen werden auf Stuttgarts Dächern verbaut – aber nicht überall. Unser Ranking zeigt, welche Stadtbezirke die Nase vorne haben.

Die Energiewende kommt in den Stuttgarter Außenbezirken wesentlich besser voran als in der City. Die Anzahl der Dachsolaranlagen je Wohngebäude ist dort vier- bis sechsmal höher als im Talkessel. Das ergibt die Auswertung öffentlich verfügbarer Daten aus dem Marktstammdatenregister. Darin müssen sämtliche installierten oder in Betrieb genommenen Anlagen eingetragen werden.

 

Neben den vielfach großen und sehr großen Anlagen in den Gewerbegebieten tragen kleinere Anlagen mit einer Leistung von bis zu 20 Kilowattpeak (kWp) dazu bei, dass die Bewohner ihren Strombedarf zumindest teilweise selbst decken können. Außerdem gibt es sehr viele mögliche Flächen für solche Anlagen, insbesondere auf Haus- oder Garagendächern.

Wer im Solarranking vorne liegt

Diese Flächen werden bislang aber nur sehr begrenzt genutzt. Für unsere Auswertung haben wir ausschließlich Solaranlagen zwischen 1 und 20 kWp Bruttoleistung betrachtet, wie sie typischerweise auf kleineren Wohngebäuden zu finden sind. Balkonkraftwerke wurden ebenso ausgeschlossen wie Anlagen, die von der Stadt Stuttgart oder von Firmen betrieben werden – der Fokus liegt auf privaten Betreibern. Sie sollen vermehrt motiviert werden, Solarmodule aufs Dach zu bringen. Dabei sollen jetzt städtische Solarscouts helfen, die ihre Nachbarn bei der Installation einer Solaranlage unterstützen.

In Weilimdorf, Vaihingen oder Plieningen werden diese Solarscouts bereits mehr mit Photovoltaik bestückte Dächer vorfinden als die Kollegen in der Innenstadt. Während in den Außenbezirken rechnerisch bereits auf knapp jedem zehnten Wohngebäude eine Solaranlage zu finden ist, liegt der Anteil im Kessel unter zwei Prozent.

Rund 1400 kleinere Solaranlagen zwischen 1 und 20 kWp Bruttoleistung wurden 2023 in Stuttgart in Betrieb genommen; in allen Jahren davor bis einschließlich 2022 waren es zusammengenommen knapp 4000. Im Postleitzahlbereich 70173 (Stuttgart-Mitte) war davon nichts zu sehen; im Marktstammdatenregister findet sich zwischen Hauptbahnhof und Rotebühlplatz keine einzige 2023 neu in Betrieb genommene Anlage.

Tote Hose in Bad Cannstatt und West

Nun wohnt in dieser Gegend kaum jemand. Doch auch in Bad Cannstatt zwischen Neckarufer und Mercedes-Benz-Werk (Postleitzahl 70372) sowie in Stuttgart-West zwischen Feuersee, Schwab- und Seidenstraße (70176) kamen im vergangenen Jahr nur drei privat betriebene Anlagen neu dazu. Zum Vergleich: In Weilimdorf (70499) waren es 130. Rechnet man die 2023 dazugekommenen Anlagen relativ zur Anzahl der Wohngebäude, dann liegt Botnang im Stuttgart-Ranking vorne.

Warum bauen die einen Hausbesitzer Solaranlagen auf ihre Dächer und die anderen nicht? Im Einzelfall erklärt sich das Verhalten von Privatleuten nur ganz individuell – ob jemand eine Solaranlage installieren lässt oder nicht, kann viele Gründe haben. Am Solarstrompotenzial auf den Dächern in der City dürfte es allerdings kaum liegen, laut Landesanstalt für Umwelt ist es nicht wesentlich schlechter als in den Außenbezirken.

Mehrfamilienhäuser im Fokus

Strukturell anders ist dagegen der Gebäudebestand. Wo viele Mehrfamilienhäuser stehen, gibt es je Wohngebäude viel weniger der hier untersuchten kleineren Solaranlagen.

Postleitzahlbereiche, in denen mindestens jedes zweite Wohngebäude ein Mehrfamilienhaus ist, haben durchweg unterdurchschnittlich viele kleinere Solaranlagen. Die Analyse zeigt, dass hier besonderer Handlungsbedarf besteht – etwa in Form von Förderangeboten auch für Eigentümergemeinschaften. Das Solarpaket I soll hier Verbesserung bringen. Es gibt aber auch schon jetzt Lösungen, die sich lohnen können, wie etwa das Modell einer Tübinger Eigentümergemeinschaft zeigt.