Das ins Auge gefasste Gebiet am Ortsrand von Waiblingen-Neustadt ist rund 4,5 Hektar groß. Es grenzt an ein Naherholungsgebiet mit Streuobstwiesen. Foto: Google Earth/GeoBasis-DE/BKG 2009

Eine Mehrheit des Waiblinger Gemeinderats stimmt dafür, dass die Verwaltung Ideen für das umstrittene Baugebiet Söhrenbergweg entwickelt. Manche Lokalpolitiker haben dabei sehr konkrete Vorstellungen, was dort nicht gebaut werden soll.

Einen Schritt weiter geht es nun in Waiblingen mit dem umstrittenen Baugebiet Söhrenbergweg. Eine Mehrheit des Gemeinderats stimmte am Donnerstagabend dafür, dass die Verwaltung erste Vorschläge erarbeiten soll, wie eine Bebauung des rund 4,5 Hektar großen Gebiets am Ortsrand von Waiblingen-Neustadt aussehen könnte. Wie bei den meisten Vorhaben solcher Art stoßen die Pläne für eine Bebauung nicht nur auf Gegenliebe. Mehrere Eigentümer haben in den vergangenen Monaten bereits angekündigt, dass sie ihre Grundstücke nicht verkaufen wollen.

 

Erstmals nannte der Oberbürgermeister Sebastian Wolf nun öffentlich Zahlen dazu, wie hoch der Anteil der derzeit verfügbaren Flächen ist. Laut Wolf liegt dieser bei 75 Prozent, dazu gehörten sowohl Grundstücke, die bereits im städtischen Besitz sind, als auch Flächen, deren Besitzer Verkaufsbereitschaft signalisiert haben. Bei den restlichen rund 25 Prozent sind die Eigentümer nicht bereit, ihre Flächen zu verkaufen. Nahezu alle der nicht zum Verkauf stehenden Bereiche gehören laut Wolf einem Eigentümer. Es handelt sich um einen Gärtnereibetrieb am Rande des Gebiets. Lediglich zwei Prozent Fläche teilen sich auf weitere Besitzer auf, deren Grundstücke zwar eher klein sind, aber teils mitten im potenziellen Gebiet liegen.

Rund 25 Prozent der benötigten Fläche gelten als unverkäuflich

Weil rund 25 Prozent der Fläche nicht zur Verfügung stehen, das Gebiet aber nach dem Waiblinger Baulandmodell entwickelt werden soll – dieses setzt voraus, dass die Stadt im Besitz aller Grundstücke ist – plädierte Alfonso Fazio von der Fraktion Alternative Liste (Ali) für einen Stopp des Verfahrens. Seine Fraktion hatte beantragt, dass das Vorhaben nicht weiter verfolgt wird, sollten nicht alle Grundstücksbesitzer verkaufsbereit sein. Im Zweifelsfall, so Fazio, müsse die Stadt ein neues Verfahren anstoßen.

Iris Förster (Grünt) kritisierte die von der Stadt vorgeschlagene abschnittsweise Erschließung des Gebiets. „Wir gehen immer einen Schritt weiter, ohne dass wir den Rückzug offen lassen. Der Preis ist der Ausverkauf der Grünflächen und des Naherholungsgebiets, und der Preis ist uns zu hoch.“ Auch ihre Fraktionskollegin Julia Papadopoulos sagte: „Wir brauchen dort kein Baugebiet. Wir sehen zwar das Bedürfnis nach Wohnraum, sehen die Lösung aber in der Nachverdichtung.“

Goll: Ein Verfahrensstopp wäre geradezu fahrlässig

Dass sich auf diese Weise die Wohnungsnot lindern lasse, sei eine Illusion, meinte hingegen Julia Goll (FDP). Der Flächensuchlauf habe eben dieses Gebiet zutage gebracht. „Das Waiblinger Baulandmodell war nie dafür gedacht, dass man mit ein, zwei Grundstücken ein großes Baugebiet verhindern kann.“ Das Verfahren zum jetzigen Zeitpunkt zu stoppen, ohne zu prüfen, wie das Gebiet entwickelt werden könnte, sei ihrer Ansicht nach „geradezu fahrlässig“.

Ähnlich argumentierte Peter Abele von der CDU-Fraktion. Das Projekt in dieser Phase einzustampfen halte er für verantwortungslos. „Es geht jetzt nur darum, dass wir weiter diskutieren können, was auf dem Gebiet möglich ist und wie das Neubaugebiet einmal aussehen könnte.“ Keines der bisher eingeholten Gutachten widerspreche einer Bebauung, und selbst bei einer kompletten Nutzung aller Flächen hätten Experten keine Probleme hinsichtlich des Verkehrs prognostiziert, wie sie von Anwohnern befürchtet werden. „Wir vergeben uns nichts, wenn wir von der Verwaltung modifizierte Planungen erarbeiten lassen“, argumentierte Siegfried Bubeck (FW/DFB).

„Wenn schon, dann vor allem Geschosswohnungsbau“

Wenn schon Freiflächen angegriffen und Naturräume geopfert würden, müsse das Ergebnis auch stimmen, forderte Roland Wied für die SPD-Fraktion. „Bauplätze für Bungalows kann im vorderen Remstal kein Ziel mehr sein.“ Gegen „eine gesunde Mischung“ sei nichts einzuwenden, in erster Linie brauche es aber Geschosswohnungsbau. Auch die SPD pocht auf eine Entwicklung nach dem Waiblinger Baulandmodell, beim Kauf durch die Stadt dürften aber „keine exorbitanten Preise“ bezahlt und Wiesen oder Ackergrundstücke quasi vergoldet werden.

Rückkaufwünsche von Eigentümern sieht die Fraktion ebenfalls kritisch. Sie will Bauplätze im Zweifel nur als Erbbaurechte ausgeben und plädiert dafür, dass jene Grundstücke, auf denen Geschosswohnungsbau realisiert wird, im Eigentum der Stadt bleiben oder für Baugemeinschaften oder genossenschaftliche Modelle verwendet werden.