Angela Merkel ist Jahrgang 1954. Als vor dreißig Jahren die Mauer fiel, war sie 35 Jahre alt. Foto: AFP/Michael Kappeler

Dass Angela Merkel am Abend des Mauerfalls in der Sauna saß, wissen viele. Doch wie hat die Kanzlerin die Wochen danach erlebt?

Stuttgart - In einem Youtube-Video der CDU/CSU-Bundestagsfraktion spricht Angela Merkel mit dem Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus über ihre Erinnerungen an den Herbst 1989. Lehren aus dieser Zeit seien auch heute, 30 Jahre später, noch hilfreich für die Zukunft – nämlich das Wissen, „dass man Undenkbares verändern kann“, sagte Merkel.

Für die Bundeskanzlerin begann die Entwicklung mit der Kommunalwahl in der DDR im Mai 1989. Viele Menschen, so Merkel, waren mutig und sind in die Wahlkabine gegangen und hätten auch geschaut, wie das Ergebnis ausgezählt wurde. „Das Ergebnis war immer noch sensationell für heute Verhältnisse, aber es war deutlich doch schon angeknackster“, sagte Merkel. Imme mehr Bürgerbewegungen bildeten sich, Menschen sind über Ungarn und die Tschechoslowakei ausgereist. Es begann, eine Atmosphäre zu herrschen, in der man einen Wandel für möglich hielt, erinnert sich die Bundeskanzlerin. In den 40 Jahren, in denen die DDR bestand, „haben Menschen immer von der Freiheit geträumt“, sagte Merkel, aber zuvor habe es nie die Konstellation gegeben, dass das dann „mit Mut, mit viel Mut, aber auch gelingen konnte“.

„Mischung aus Mut und Angst“

Merkel erinnerte auch an den 9. Oktober in Leipzig. Die große Montagsdemonstration an diesem Tag gilt als Durchbruch der friedlichen Revolution in der DDR. Merkel spricht von einer „Mischung aus Mut und Angst“ in diesen Tagen. Sie erinnert sich, dass sie zu dieser Zeit an einem Tag aus der Uckermark zurück nach Berlin gekommen ist, wo sie damals als Wissenschaftlerin arbeitete. „Da stand die ganze Schönhauser Allee voller Panzerwagen mit so Schiebeschildern. Da war ganz klar: Es war überhaupt nicht entschieden, ob Gewalt angewendet wird oder nicht. Das war einerseits Angst und andererseits ganz viele Leute, die bereit waren, etwas zu tun, was sie noch nie getan hatten.“ Am Ende, sagt Merkel, „haben die vielen, vielen Menschen den Staatsapparat einfach zum Erliegen gebracht“.

Am Abend des 9. Novembers dann schließlich saß Merkel in der Sauna – „wie ich oft schon gesagt habe“, sagt sie in dem Video. In der Nacht aber ist die Kanzlerin noch über die Bornholmer Straße nach Westberlin gegangen. „Das ist natürlich ein Gefühl, das einem heute fast noch immer Tränen in die Augen treibt.“

„Welche Partei käme für mich in Frage?“

Merkel berichtet in dem Video auch, wie sie nach dem Mauerfall das Gefühl hatte, sich politisch engagieren zu müssen. Für sie sei klar gewesen, dass man diejenigen, die bisher Politik gemacht hatten, nicht mehr in der Verantwortung lassen könne. „Ich bin dann gucken gegangen: Welche Partei käme für mich in Frage?“ In eine Partei, die es während der DDR schon gab, wollte sie nicht. So landete die heutige Bundeskanzlerin beim neu gegründeten Demokratischen Aufbruch, der später mit der CDU fusionierte.

Nachdem die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 vollzogen war, erinnert sich Merkel, wie die Polizisten der ehemaligen DDR auf einmal die Uniform ihrer Kollegen aus dem Westen trugen. „Da ist mir klar geworden: Du kannst ja deine Biografie nicht an der Garderobe abgeben“, sagt Merkel in dem Video.

Nach der Wiedervereinigung erinnert sich Merkel an harte Auseinandersetzungen, an die Arbeitslosigkeit, die umstrittene Arbeit der Treuhand. „So hat man sich so langsam in das gesamtdeutsche Leben hineingelebt, aber es war zum Teil sehr hart.“ Für sie persönlich war es eine Zeit, in der sie schnell habe lernen müssen.

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