Timo (links) und Jan Reyser sind vollends überzeugt von ihren Schuhen aus veganem Leder. Foto: Gottfried Stoppel

Das Vater-und-Sohn-Gespann Jan und Timo Reyser aus Remshalden hat die Produktion ihrer Paul-Eys-Schuhe auf eine vegane Lederalternative umgestellt. Auch ihren bekannten VfB-Sneaker soll es künftig aus Weinleder geben. Wir haben uns die Sneaker angesehen.

Die glatte, aber strukturierte Oberfläche, der leichte Glanz, die Flexibilität – jeder, der einen der Sneaker von Paul Eys in die Hand nimmt, dürfte vermuten, der Schuh sei aus Leder. So war es auch zunächst, als Timo und Jan Reyser, ein Vater-Sohn-Gespannt aus Remshalden, im Jahr 2020 ihre erste Schuhkollektion auf den Markt gebracht hatten. Doch jetzt gibt es von den beiden Sneakerbegeisterten eine fundamentale Neuerung: Sie haben ihr gesamtes Sortiment auf Weinleder umgestellt.

 

Alles begann, als Vater und Sohn, beide begeisterte Sneakerfans, sich nach einem Schuh umsahen, der ihrem Geschmack, aber auch ihren Vorstellungen von verantwortungsvoller Produktion entsprach. Sie fanden keinen – und hatten die Idee, selbst einen Sneaker zu entwerfen und fertigen zu lassen. „Ich wollte auch schon immer einen Schuh, den nicht jeder hat“, sagt Jan Reyser. Die Idee verselbstständigte sich dann ein wenig, jüngst kam die neueste Lieferung der nunmehr vierten Kollektion der beiden von der Fertigung in Portugal an.

Die Reysers sind nicht nur Schuh-Puristen, sondern auch Idealisten. „Nachhaltigkeit haben wir von Anfang an großgeschrieben“, sagt Timo Reyser. So bestehe die Polsterung ihrer Schuhe aus recyceltem Polyester, auch die Schnürsenkel würden aus recyceltem Material gefertigt. Die Sohlen stammen aus CO2-neutraler Produktion. „Trotzdem war das Tierwohl wegen des Leders natürlich ein Thema“, sagt Reyser senior. Das Argument von Lederfans, dass Leder gewissermaßen ein Abfallprodukt der Fleischindustrie sei, treffe nicht wirklich zu: „Das Leder bestimmt schließlich den Preis eines Tieres zu bis zu 15 Prozent mit.“

Mit dem VfB-Sneaker wurde Paul Eys bekannt

Deshalb machten sich die beiden auf die Suche nach einer veganen Alternative. „Wir hatten mehrere Muster kommen lassen – beispielsweise Leder aus Ananas, Pilzen, Kaktus oder Äpfeln“, erzählt der 19-jährige Jan Reyser. Und eben ein Muster aus Weinleder. Dabei handelt es sich um ein Material, das aus dem Trester hergestellt wird, also den festen Bestandteilen, die beim Keltern von Wein anfallen. Je nach Größe kann bei einem Weingut jährlich tonnenweise Trester anfallen. Er wird teilweise für die Herstellung von Tresterbränden wie Grappa, Raki oder Tsipouro genutzt, viele Winzer verwenden den Trester auch als Dünger in den Weinbergen. Ebenso als Viehfutter lässt sich Trester verwerten – und eben als Lederersatz. Das hat nicht nur den Vorteil, dass kein Tier dafür sterben muss, sondern auch auf schädliche Chemikalien, wie sie teilweise noch bei der Produktion von Leder eingesetzt werden, kann verzichtet werden.

Paul Eys, die Firma der Reysers, hatte schon im Oktober 2021 Aufmerksamkeit erregt, als sie einen offiziellen VfB-Sneaker vorstellte. Die Schuhe sind weiß, mit angedeutetem rotem Brustring auf dem Fußrücken. Timo Reyser ist schon seit vielen Jahren begeisterter VfB-Fan. Dieser Schuh ist nach wie vor für 129 Euro auf der Webseite erhältlich – allerdings noch in klassischem, nicht-veganen Leder. „Wir werden aber auch dieses Modell noch auf Weinleder umstellen, sobald die Restbestände verkauft sind.“

Die Macher sind überzeugt:

Auch der Autohersteller Tesla hat vor einiger Zeit den Trend zu tierfreundlichen Materialien erkannt und ab dem Modell 3 veganes Kunstleder für die Innenausstattung seiner Fahrzeuge verwendet. Allerdings hatten diverse Autobesitzer Probleme mit den Sitzbezügen: Im Netz tauchten immer wieder Fotos von Beulen und Blasen auf, Tesla weigerte sich, diese Schäden als Garantiefall anzuerkennen. Timo und Jan Reyser sind von ihrem Material jedoch überzeugt.

Nicht zuletzt, weil sie ihre Schuhe persönlich einem Langlebigkeitstest unterziehen. „Ich trage diese Schuhe nun seit Februar jeden Tag, sie haben kaum Gehfalten“, schwärmt Reyser senior. Die Weinleder-Schuhe seien sogar langlebiger als Schuhe aus herkömmlichem Leder und besonders pflegeleicht, was sich besonders bei den weißen Modellen bemerkbar mache. Die Nachteile des Materials seien lediglich der etwas höhere Preis – und, dass zur Bindung des Tresters ein gewisser Anteil Polyurethan beigemischt werden müsse. „Wir verwenden allerdings kein PU auf fossiler Basis, sondern auf Wasserbasis“, betont Timo Reyser.

Fest steht für die beiden: Die Geschichte der Paul-Eys-Sneaker soll weitergehen – für beide allerdings neben Studium beziehungsweise Beruf. Die zwei planen schon für die Kollektion für das Jahr 2024. Sie wird ebenfalls aus Weinleder bestehen.