Vor allem Schrott haben Philipp Freudigmann (links) und Reiner Bocka bei der Auktion auf ihrem Gabentisch. Foto: Nina Ayerle

Wer kennt das nicht: Die liebenswerte Tante hat eine Mütze gehäkelt, die Oma hässliche Socken unter den Christbaum gelegt. Was nicht gefällt, kann im Galao versteigert werden. Wer etwas kauft, unterstützt einen guten Zweck. Jetzt war es wieder soweit.

S-Süd - Der Preis für den „ganz heißen Scheiß“ unter den unzähligen Schrott-Gegenständen bei der X-Mas-Benefizversteigerung im Café Galao am vergangenen Freitag ging laut Versteigerer Philipp Freudigmann definitiv an das Schweizer Taschenmesser und den Muff. Der plüschige Handwärmer für die Dame und das multifunktionale Messer für die Hosentasche erzielten bei der lustigen Auktion den höchsten Preis. Für 20 Euro nahm ein junger Mann den Muff für seine Begleiterin mit nach Hause. Ganze 36 Euro steckte der Käufer des schweizer Taschenmessers in das Geldkörbchen, das an dem Abend im Galao die Runde machte.

Bei manchen Dingen wusste Philipp Freudigmann selbst gar nicht so genau, für was sie eigentlich gut sind. Doch gegen die Unwissenheit half die geballte Kompetenz des Publikums. „Was isch des?“, rief Freudigmann in das bis auf den letzten Platz besetzte Galao. Als der Gegenstand als elektrischer Gemüseschäler identifiziert war, setzte er gleich nach: „Sowas isch unverzichtbar in jedem Haushalt.“ Für fünf Euro bot er diesen „wahnsinnsgeilen Scheiß“ zur Versteigerung an.

Der Erlös geht an den Verein Helfende Hände

Zum dritten Mal veranstaltete Galao-Besitzer Reiner Bocka die Versteigerung von Weihnachtsgeschenken nach den Feiertagen. Den Erlös spendet er jedes Jahr an eine soziale Einrichtung in Heslach. „Rund 250 Euro haben wir in den vergangenen Jahren immer zusammen bekommen“, erzählt er. In diesem Jahr will er den Betrag an den Verein Helfende Hände spenden. Bei der Versteigerung geht es nämlich nicht nur darum, ungewollte Geschenke loszuwerden, sondern, worauf Bocka seine Gäste immer wieder hinweist, um eine soziale Sache. „Ihr dürft am Ende sogar alles mit nach Hause nehmen – wenn ihr nur genug Geld dafür da lasst“, sagte Bocka. Die Geschenke, die versteigert wurden, waren größtenteils von ihm und seinem Team, aber auch einige Gäste wollten das eine oder andere Stück loswerden.

Auf die Idee mit der Geschenke-Versteigerung nach Weihnachten hatte Philipp Freudigmann den Wirt Reiner Bocka gebracht. Freudigmann ist nämlich Stammgast. „Ich bin im Galao seit dem ersten Tag“, erzählt der 35-Jährige. Irgendwann habe er es langweilig gefunden, dass die Live-Veranstaltungen immer nur aus Konzerten bestanden haben. „Ich wollte mal etwas anderes“, sagte er. Kurz vor Weihnachten sei man dann zusammen gesessen und sei dann vom Schrott-Wichteln auf die Versteigerung von Schrott-Geschenken gekommen. „Es war eine Schnapsidee“, sagte Freudigmann und lacht.

Wer nichts kaufen will, sollte gut aufpassen

Schrott hatte er an diesem Abend genügend. Als Erfinder der Versteigerung fiel ihm die Ehre zu, dem Publikum die Gegenstände schmackhaft zu machen und einen möglichst hohen Preis zu erzielen. So ging die eine oder andere selbstgehäkelte Mütze oder eingekochte Marmelade sicherlich nur deshalb weg, weil Freudigmann nicht gerade eine zurückhaltende Haltung an den Tag legte. Wenn niemand bieten wollte, sprach er einfach einen Gast ganz rustikal-charmant direkt an: „Willsch du wieder mitbieten? Du kaufsch doch sonst au jeden Scheiß“, fragte er einen jungen Mann in der ersten Reihe in seinem breiten Schwäbisch. Und ehe er sich versah, war der Gast im Besitz des elektronischen Gemüseschneiders – einem anderen gehörte plötzlich ein Toilettenbezug mit Nikolausmotiv.

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