Vordergründig geht es nur um die Aufstellung einer Skulptur im Esslinger Stadtteil Zell. Doch was als Streit über den Standort begann, offenbart mittlerweile Risse zwischen Bürgerschaft und Esslinger Rathaus. Jetzt schlägt ein offener Brief Wellen.
Der Ochse Peter sucht ein Zuhause – und er wird wohl noch eine Weile weitersuchen müssen. Denn in der schier unendlichen Geschichte um die Aufstellung einer tierischen Skulptur auf dem Backhausplatz in Esslingen-Zell wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Stadt hat Bedenken gegen die Platzierung der Statue angemeldet und damit den Bürgerausschuss vergrätzt: „Auf dieser Basis können wir mit der Verwaltung nicht mehr zusammenarbeiten“, heißt es in einem offenen Brief des Gremiums an den Oberbürgermeister Matthias Klopfer sowie an den Baubürgermeister Hans-Georg Sigel.
Die Künstlergruppe Haklebunt aus Köngen hatte die lebensgroße Statue geschaffen und würde die Skulptur nach Angaben von Tobias Hardt vom Bürgerausschuss Zell als kostenfreie Dauerleihgabe für eine Aufstellung auf dem Backhausplatz zur Verfügung stellen. Die Esslinger Stadtverwaltung hatte in einem Schreiben vom Dezember des vergangenen Jahres jedoch Sicherheits- und Gestaltungsbedenken geäußert.
Nach zahlreichen Gesprächen habe zwar zunächst eine bezahlbare Lösung für die Aufstellung der Statue gefunden werden können, so Tobias Hardt. Doch nun habe sich die Stadtverwaltung in einem Schreiben erneut gegen die Aufstellung ausgesprochen. Man solle sich einen anderen Platz für den Ochsen Peter suchen.
Bürgerausschuss fühlt sich „verjagt“
Daraufhin schrieb der Bürgerausschuss einen offenen Brief an die Spitze der Stadtverwaltung: „Herr Klopfer und Herr Sigel, Sie haben unser Anliegen nicht verstanden“, heißt es darin. Es gehe nicht in erster Linie um den Aufstellungsort für eine Skulptur, sondern um einen Aufenthaltsort für Menschen. Zell fehle ein Platz zum Treffen und Verweilen – und der Backhausplatz im Zentrum, abseits der belebten Hauptstraße gelegen, könne zu einem solchen Ort werden. Der steinerne Ochse mit seinem freundlichen Gesichtsausdruck hätte den Platz nach Vorstellung des Gremiums schmücken sollen: „Der Bürgerausschuss hat sich für dieses Ziel eingesetzt und wird nun von Oberbürgermeister Klopfer und Baubürgermeister Sigel verjagt.“
Aus ihrer Enttäuschung machen die Ehrenamtlichen kein Hehl. Drei Jahre sei der Bürgerausschuss bei diesem Projekt von der Stadtverwaltung genarrt worden, und es seien die Interessen aller Zellerinnen und Zeller verkannt worden. Der Rathauschef habe die Arbeit der Bürgerausschüsse nach seinem Amtsantritt neu beleben wollen, Treffen hätten stattgefunden, um die Kooperation zwischen dem Gremium und der Stadtverwaltung zu verbessern, heißt es in dem offenen Brief. Leider sehe die Praxis jedoch anders aus. Geredet werde mit dem Gremium nur, wenn Zustimmung zu erwarten sei: „Mit solch einem Desinteresse an unserer Arbeit stellen Sie die Existenz der Bürgerausschüsse infrage. Warum sollen wir uns für den Stadtteil engagieren, wenn Sie genau dieses Engagement ins Leere laufen lassen?“
Stadt weist Vorwürfe zurück
Derlei Vorwürfe weist der Baubürgermeister Hans-Georg Sigel zurück. Die Stadtverwaltung werde sich einer vom ganzen Stadtteil getragenen Lösung für die Aufstellung des Ochsen nicht verschließen. Bereits im April habe ein Vor-Ort-Termin stattgefunden, mit dem Ziel, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Um Sicherheits- und Gestaltungsbedenken vonseiten der Stadt zu zerstreuen, sei damals eine Aufstellung der Statue zwischen dem Brunnen und dem Baum ins Auge gefasst worden. Der Brunnen hätte, so Sigel, zu diesem Zweck um 90 Grad gedreht werden müssen. Zudem wäre seinen Angaben zufolge ein Fallschutz um die Statue erforderlich gewesen, um Verletzungsgefahren auszuschließen. Die Verwaltung habe Mitte Mai einen Kostenvoranschlag an den Bürgerausschuss geschickt, in dem die Kosten für die Aufstellung der Skulptur mit etwa 12 000 Euro beziffert worden seien. Darauf sei keine Reaktion mehr vonseiten des Ausschusses gekommen.
Sigel verweist zudem auf den Obst- und Gartenbauverein Zell (OGV), der bei der Neu- und Umgestaltung im Jahr 2009 und der Pflege des Backhausplatzes großes Engagement gezeigt habe und zeige. Der OGV gewährleistet laut einer Vereinbarung die Verkehrssicherheit. Bauliche Veränderungen des Platzes könnten daher nur mit seiner Zustimmung erfolgen. Diese sei aber nicht erteilt worden, so Sigel.
Zu hinterfragen sei auch, ob der Ochse Peter unbedingt auf dem Backhausplatz aufgestellt werden müsse, findet Sigel. Die Skulptur könnte seiner Meinung nach etwa auch auf dem Pausenhof der neuen Schule eine Heimat finden. Schließlich handele es sich beim Backhausplatz um einen „funktionierenden Platz“, der für Veranstaltungen bespielt und etwa durch die Vermietung des Backhäuschens auch genutzt werde.
Der Ochse Peter wird wohl noch länger nach einem neuen Stall suchen müssen.
Wirbel um den Ochsen Peter in Esslingen-Zell
Geschichte
Laut der Geschichtswerkstatt Zell soll ein Ochse namens Peter in früheren Zeiten schwer beladene Karren die Bachstraße hoch und durch den Stadtteil gezogen haben. Mit der Skulptur gleichen Namens soll an die historischen Wurzeln und die landwirtschaftliche Vergangenheit Zells erinnert werden.
Kritik
In einem Schreiben vom Dezember letzten Jahres hatte Baubürgermeister Hans-Georg Sigel Bedenken gegen die Aufstellung geäußert. Er verwies auf Sicherheitsaspekte, ein Gefährdungspotenzial beim Besteigen der Skulptur durch Kinder sowie den Schutz des Backhauses als Kulturdenkmal.
Die Skulptur
Die Skulptur des Ochsen Peter stellt einen liegenden Ochsen mit einer Höhe von etwa 80 Zentimetern dar. Die Statue wurde von der Köngener Künstlergruppe Haklebunt erstellt und würde nach Angaben von Tobias Hardt vom Bürgerausschuss Zell als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.