In neuer Rolle unterwegs: Skisprung-Olympiasiegerin Carina Vogt Foto: imago//Matic Klansek

Carina Vogt, die erste Goldmedaillengewinnerin in ihrer Sportart, kehrt an die Schanze zurück: Bei den Jugend-Winterspielen in Südkorea gehört sie zu den Ex-Stars, die ihre Erfahrungen weitergeben. Zu erzählen hat sie viel.

Vorbilder können wichtig sein, erst recht im Sport. Sie inspirieren und motivieren, geben Kraft und Orientierungshilfe. Und sie leben Werte vor. Wie Carina Vogt.

 

Die ehemalige Skispringerin verbringt die nächste Zeit in Südkorea bei den Olympischen Jugend-Winterspielen – als Vorbild zum Anfassen. „Ich empfinde diese Rolle als große Ehre“, sagt sie, „ich kann junge Athletinnen und Athleten begeistern, meine Erfahrung weitergeben. Es gibt nichts Schöneres.“ Und keine Zweifel daran, dass Carina Vogt für diese Aufgabe bestens geeignet ist. Denn sie hat viel zu erzählen.

Ihre olympische Geschichte klingt wie ein Märchen. Ohne Sieg im Weltcup war sie 2014 als 22-Jährige zu den Winterspielen nach Sotschi gereist – um in Russland zur Überfliegerin zu werden. Dort feierten die Skispringerinnen ihre Premiere beim Ringe-Spektakel, Vogt wurde die erste Olympiasiegerin ihrer Sportart. Doch sie kennt auch die andere Seite der Medaille.

Erstmals außerhalb von Europa

Vier Jahre später flog die Athletin vom SC Degenfeld als Favoritin zu den Winterspielen nach Pyoengchang, die Doppelweltmeisterin von 2015 und 2017 (Einzel und Mixed) fühlte sich in der Form ihres Lebens. Und erlebte einen Wettkampf zum Vergessen. Bei eisigen Temperaturen musste Vogt eine gefühlte Ewigkeit auf ihre Sprünge warten, die dann doch stark vom Wind beeinflusst waren. Am Ende reichte es nur zu Rang fünf. „Es ist“, sagt sie im Rückblick, „nicht der glücklichste Tag in meinem Leben als Sportlerin gewesen.“ Und dennoch freut sie sich enorm darauf, nun nach Südkorea zurückzukehren.

Die vierten Olympischen Jugend-Winterspiele finden – nach Innsbruck (2012), Lillehammer (2016) und Lausanne (2020) – erstmals außerhalb von Europa statt, in der südkoreanischen Provinz Gangwon. Genutzt werden die Wettkampfstätten der „großen“ Spiele von 2018. Darunter ist die Schanzenanlage, auf der seither kein wichtiges Springen mehr stattgefunden hat. Carina Vogt ist sehr gespannt darauf, wie dort alles ablaufen wird. Sie will bei jedem Training und allen Entscheidungen vor Ort sein, hofft auf möglichst viele Kontakte zu den jungen Athletinnen und Athleten. Und darauf, auch selbst etwas mitnehmen zu können.

Carina Vogt hofft auf neue Erfahrungen

Vogt gehört zu der Wintersport-Generation, der immer vorgeschwärmt wurde, wie sehr die Spiele 1994 in Lillehammer dem olympischen Ideal entsprochen haben. Und dass es so ein Flair, so eine Stimmung, so ein Wettkampfkonzept nie wieder geben werde. Die eigenen Erfahrungen passen zu dieser Prophezeiung. Dem Milliarden-Event von Sotschi fehlte die Atmosphäre, auch das Ambiente im Eisschrank Pyoengchang war oft unterkühlt. Und die politisch umstrittenen Corona-Spiele in Peking fanden komplett ohne ausländische Fans statt. „Bisher gingen das Olympia-Feeling und der Trubel einer solchen Großveranstaltung ein bisschen an mir vorbei, auch weil wir Skispringerinnen weder in Sotschi noch in Pyoengchang im olympischen Dorf gewohnt haben“, sagt Carina Vogt, „vielleicht gibt es ja jetzt die Möglichkeit, ein paar schöne Erfahrungen zu machen – beim Sport, aber auch, was das Gemeinschaftsgefühl in einem Team angeht.“

Insgesamt 27 Athletenvorbilder werden in Gangwon sein, darunter sind vier olympische Medaillengewinner aus Deutschland: Kombinierer Eric Frenzel (3 x Gold/2 x Silber/2 x Bronze), Biathletin Vanessa Hinz (1 x Bronze), Rodler Sascha Benecken (1 x Silber/1 x Bronze) und Carina Vogt (1 x Gold), dazu kommt Snowboarder Konstantin Schad. Sie alle begleiten die Talente, die zwischen 15 und 18 Jahre alt sind, auf ihrem sportlichen Weg, aber auch beim Kultur- und Bildungsprogramm, das stets wichtiger Bestandteil Olympischer Jugendspiele ist. „Ich bin sehr gespannt, was auf uns zukommt und was wir für Möglichkeiten haben werden“, sagt Carina Vogt, die 2012 bei den ersten Jugendspielen zu alt war, um an ihnen teilnehmen zu können, „ich werde, so oft es geht, auf die jungen Athleten und Athletinnen zugehen, um mich mit ihnen auszutauschen und meine Erfahrung weiterzugeben.“

Carina Vogt steht zu ihrer Meinung

Zugleich sieht Carina Vogt die Rückkehr an die Schanze als gute Gelegenheit, ihrem Sport wieder etwas näherzukommen. Seit ihrem verletzungsbedingten Rücktritt im Frühjahr 2022 ist sie – abgesehen vom einen oder anderen Auftritt als TV-Expertin – komplett raus aus der Szene. Einerseits war das so gewollt, denn Vogt, die mit ihrem Freund im Oberbayerischen lebt und bei der Polizei ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirtin absolviert, sehnte sich nach einem ganz normalen Leben außerhalb des Sports. Mittlerweile könnte sie sich aber auch wieder vorstellen, ihr Wissen einzubringen. Und ihre Meinung natürlich auch – etwa zur Entwicklung des Frauen-Skispringens. „Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie langsam es vorangeht“, sagt sie, „aber dass es zum Beispiel immer noch keine Vierschanzentournee für Frauen gibt, ist nur traurig.“

Vielleicht redet Carina Vogt in Südkorea ja auch darüber mit den Talenten: dass es wichtig ist, Haltung zu zeigen. Eine günstigere Gelegenheit wird es nicht mehr geben.

Olympische Spiele für den Nachwuchs

Spiele
Die vierten Winter Youth Olympic Games (YOG) finden vom 19. Januar bis zum 1. Februar in der im Nordosten von Südkorea gelegenen Provinz Gangwon statt. 1900 Athletinnen und Athleten aus 81 Nationen kämpfen in 81 Wettbewerben um Medaillen. Zum Team Deutschland gehören 90 Sportler im Alter zwischen 15 und 18 Jahren.

Teilnehmer
Aus Baden-Württemberg sind insgesamt elf Talente dabei.Biathlon: Jana Duffner (SC Schönwald), Hanna Beck (DAV Ulm), Lukas Tannheimer (DAV Ulm), Finn Zurnieden (SV Kirchzarten).Eishockey: Sarah Bouceka (Stuttgarter EC), Madalena Seidel (SC Bietigheim).Ski alpin: Leo Scherer (Skiteam Freiburg).Skilanglauf: Jakob Moch (WSV Isny).Snowboard: Anne Hedrich (SC Altglashütten), Kenta Kirchwehm (SC Altglashütten), Felix Schwenkel (SC Hülben).

Siegertypen
Es gibt drei Deutsche, die olympisches Doppelgold holten – erst bei den Jugendlichen, dann bei den Erwachsenen: Skispringer Andreas Wellinger (2012 und 2014/2018), Langläuferin Victoria Carl (2012 und 2022) sowie Bobfahrerin Laura Nolte (2016 und 2022). Weltklasse-Athletinnen wurden auch die Youth-Olympic-Siegerinnen Katharina Althaus (Skispringen), Franziska Preuß (Biathlon) und Jacqueline Lölling (Skeleton).