Der Skatepark an der Beethovenstraße in Botnang ist einer der beliebtesten Plätze in Stuttgart. Trotz anfänglicher Konflikte ist er für den Bezirk und die Nutzer eine Erfolgsgeschichte.
An einem sonnigen Montagabend ist im Skatepark an der Beethovenstraße viel los. Gut 20 Skaterinnen und Skater fahren im geordneten Chaos über den glatten Beton. In der hoch frequentierten Anlage rollen Menschen aus ganz Stuttgart, nicht nur aus Botnang. Nach der Schule kommt das jüngere Publikum, später am Tag die Feierabendskater, und am Wochenende sieht man viele Väter mit ihren Kindern üben. Seit zehn Jahren tut der Skatepark nun schon seinen Dienst.
„Der Park ist eine Erfolgsgeschichte. Er ist gut und integrativ“, sagt Rainer Czarnetzki. Der Botnanger steht seit 35 Jahren auf dem Brett. Seit der Corona-Pandemie sogar mit seinen zwei Söhnen. „Der Fußballverein war plötzlich zu und die Kinder brauchten etwas anderes“, sagt er. Czarnetzki ist zudem Ansprechpartner für die Beteiligten, von Bezirksamt über die Nutzer bis hin zur angrenzenden Tennisschule von Thilo Klein.
Zu Beginn gab es Konflikte mit der angrenzenden Tennisschule
Ursprünglich geplant war es, den Skatepark am Konradin-Kreuzer-Weg zu bauen. Einsprüche von Anliegern hatten ihn jedoch verhindert. Nachdem 2006 die städtische Fläche an der Beethovenstraße auf die Agenda kam, beschloss der Bezirksbeirat 2007 einstimmig den Bau der Anlage. Im Jahr darauf nahm sich der Jugendrat der Planung an. „Ich habe 2011 erfahren, dass ein Multifunktionssportfeld entstehen soll“, erinnert sich Rainer Czarnetzki. Gemeinsam mit einem befreundeten Skater wandte er sich an das Garten-, Friedhofs- und Forstamt:„Der beauftragte Landschaftsarchitekt band uns ein und war sehr dankbar für unseren Input.“
Ende April 2013 rückte der Bagger an und schon im Sommer wurde auf der Fläche geskatet. Die Lage schien perfekt. Auf der einen Seite Bäume, zur anderen ein großer Parkplatz. Anwohnende gibt es nicht und somit schien auch Lärm keine Gefahr zu werden. Doch es kam zu Konflikten mit der angrenzenden Tennisschule. Nachdem der Inhaber Thilo Klein dem Vorhaben anfangs zugetan war, wuchsen die Probleme. Denn 2015 kamen ein paar größere Rampen auf den Platz und mit ihnen auch mehr Publikum. „Es wurden einfach viel mehr Leute, auch von außerhalb Stuttgarts“, sagt Klein. Die ließen ihren Müll und andere Hinterlassenschaften zurück, auch, weil es keine Toiletten gab.
Infrastruktur muss sich verbessern, um Probleme zu beheben
Als er Farbschmierereien rund um seine Halle und Löcher im Zaun vorfand, wurde es ihm dann doch zu bunt. Am Ende baute man einen ordentlichen Zaun um den Skatepark und sorgte so für eine bessere räumliche Trennung zur Tennisschule.
„Ich stehe der Sache immer noch skeptisch gegenüber, aber wir haben uns damit arrangiert. Ich freue mich über Kinder und Erwachsene, die zum Skaten herkommen, weniger über Jugendliche, die nur zum Feiern da sind“, sagt Klein. Damit die Tenniskundschaft alles geordnet vorfinde, sammle sein Platzwart Leergut und Müll auf.
Auf dem Platz veränderten sich über die Jahre nicht nur die Hindernisse. In diesem Sommer hat eine Initiative der Mobilen Jugendarbeit West mit dem Leiter des Jugendtreffs Botnang, Alberto Company, einen Bauwagen samt Wasserspender und mobilen Toiletten aufstellen lassen.
Haus der Jugend und Skatepark fehlen noch
Laut der Botnanger Bezirksvorsteherin Mina Smakaj ist der Park ein Leuchtturm im Bezirk, auch im Hinblick, wie Gelder des Bezirksbudgets sinnvoll eingesetzt würden. „Er wird sehr gut angenommen und wenn erst einmal das geplante Haus der Jugend auf der Parkplatzfläche steht, dann gibt es auch einen Ort mit Toiletten und Wasser“, betont sie. Bis es soweit ist, könnten laut Smakaj die zwei mobilen Toiletten dauerhaft am Skatepark verbleiben: „Die Möglichkeit lassen wir derzeit prüfen.“ Und noch etwas wird neu. „Auf dem Parkplatz soll ein temporärer Dirt-Track für Mountainbiker entstehen. Das haben sich junge Leute schon länger gewünscht“, sagt sie. Die Bahn sei allerdings noch in der Planungsphase, einen Einweihungstermin gäbe es noch nicht.
Rainer Czarnetzki und andere Nutzer hoffen zuallererst auf einen festen Trinkbrunnen. Dafür setzt sich auch Mina Smakaj ein. „Hier ist die Schwierigkeit, dass Trinkbrunnen vom Tiefbauamt aufgestellt werden, der Platz jedoch in die Zuständigkeit des Garten-, Friedhofs- und Forstamts fällt“, erklärt sie. Doch es gibt Hoffnung. Nach jüngsten Gesprächen mit Thilo Klein teilt Smakaj mit: „Ich habe den Arbeitsauftrag erhalten, einen Kostenvoranschlag einzufordern. Herr Klein könnte sich vorstellen, dass wir eine Leitung von seinem Gebäude bis in die Anlage legen und die Skater dann dort Wasser entnehmen können.“