Dies ist das Rathaus von Györ, Amtssitz des Bürgermeisters. Foto: Stadt Sindelfingen

In der ungarischen Partnerstadt muss bald ein Nachfolger gewählt werden. Gerlinde Wicke-Naber mit dpa

Sindelfingen/Györ - Zsolt Borkai, der Bürgermeister von Györ, der ungarischen Partnerstadt von Sindelfingen, ist zurückgetreten. Dies meldet die Nachrichtenagentur dpa. Der Grund: Der Stadtchef ist in einen Sex- und Korruptionsskandal verwickelt. Mitte Oktober war er deshalb bereits aus der rechtskonservativen Partei Fidesz ausgetreten und hatte sein Amt als unabhängiger Bürgermeister weitergeführt. Kurz zuvor war er trotz des Skandals wiedergewählt worden.

Wenig Tage vor der Kommunalwahl waren Video-Clips von einer Sex-Orgie auf einer Luxusjacht aufgetaucht. Auf ihnen ist Borkai beim Geschlechtsverkehr vermutlich mit einer Prostituierten zu sehen. Zudem wirft ihm eine anonymer Blogger schwere Korruption vor, allerdings ohne Belege dafür zu liefern.

Am kommenden Freitag, nach der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats, will Borkai, so vermeldet es die dpa, sein Amt niederlegen. Dies habe er am Mittwoch in einem offenen Brief mitgeteilt. Borkai war seit 2006 Bürgermeister der der ungarischen Stadt.

Wohl nur selten in Sindelfingen gewesen

„Ich ziehe die Konsequenzen und nehme die Verantwortung auf mich“, schrieb er in dem Dokument, das die lokale Webseite „gyorplusz.hu“ veröffentlichte. Er wolle nicht, dass „die Geschehnisse um mich und meine Person“ die weitere Entwicklung von Györ behindern. Die westungarische Stadt ist ein wichtiger Standort des deutschen Automobilherstellers Audi. Obwohl die Stadt Sindelfingen die Bürgermeister ihrer Partnerstädte regelmäßig zum Internationalen Straßenfest und anderen offiziellen Anlässen einlädt, ist Borkai offenbar nur selten in Sindelfingen gewesen.

Und wenn, muss das lange Zeit zurückliegen. „Ich kenne ihn nicht“, sagte Brigitte Stegmaier, die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Ispas auf unsere Anfrage. „Er hat sich immer durch andere vertreten lassen.“ Auch bei den kommunalpolitischen Gesprächen, bei denen sich die Sindelfinger Bürgermeister und Stadträte mit Kollegen aus den sieben europäischen Partnerstädten zu aktuellen Themen austauschen, ist Zolt Borkai offenbar nie dabei gewesen. Nach dem Rücktritt des Bürgermeisters muss laut der Nachrichtenagentur dpa innerhalb von 120 Tagen eine Neuwahl stattfinden, damit ein Nachfolger bestimmt werden kann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: