Simon Jochemczyk aus Sindelfingen beglückt Brasilianer mit deutscher Currywurst – die Soße macht Jochemczyk nach einem alten Hausrezept. Foto: Tobias Käufer

Wurst, Bier und Schweinshaxe: Simon Jochem­czyk lebt in der brasilianischen Metropole und bringt Einheimischen mit einem Cateringservice deutsches Essen näher.

Rio de Janeiro - Ein Leben zwischen Samba und Schweinshaxe: Für Simon Jochem­czyk ist ein kleiner Lebenstraum in Erfüllung gegangen. „Ich bin vor knapp drei Jahren erstmals nach Rio de Janeiro gekommen. Die Stadt hat mich sofort gepackt und nicht mehr losgelassen“, sagt der Sindelfinger. „Natürlich gibt es in dieser Stadt auch sehr hässliche Seiten, aber die positiven ­Erlebnisse überwiegen.“

Der 36-Jährige lebt mit seiner brasilianischen Frau Nina Lempek, die lange Jahre selbst im Schwäbischen und in Berlin zu Hause war und deshalb perfekt Deutsch spricht, in Rios hippem Stadtviertel Santa Teresa. Künstler, Journalisten und Touristen bevölkern jenen Teil der Olympiastadt, der wegen seiner historischen Bausubstanz einen besonderen Charme versprüht.

Jochemczyk fühlt sich in Rio de Janeiro zu Hause

Werbeagenturen und Unternehmen der Kreativbranchen zieht es inzwischen an diesen Ort. Vor einigen Jahren noch war das Quartier wegen seiner Kriminalität verschrien. Inzwischen hat sich die Situation allerdings im Vergleich zu den Vorjahren beruhigt, wenngleich im Zuge der schweren innenpolitischen Krise nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen im vergangenen Sommer auch in Santa Teresa die Kriminalitätsrate wieder anstieg und sogar Straßenschilder vor Überfällen warnen.

Jochemczyk fühlt sich jedoch in Santa Teresa wie zu Hause: „Es ist ein Viertel voller Lebensfreude, aber auch mit direktem Zugang zur Natur. Wenn du schlechte Laune hast, schaust du dich einmal um und alles ist wieder gut.“ Eine historische Straßenbahn, aber auch hippe Clubs und eine kreative Musikszene sorgen in diesem Quartier für gute Laune.

Schweinshaxe am Zuckerhut

Jochemczyk betreibt einen Catering-Service, bietet aber auch eigene Spezialitäten an. „Weil wir aus Deutschland kommen, werden wir natürlich immer wieder für deutsche Spezialitäten gebucht. Bei den Olympischen Spielen waren es zum Beispiel Schweinshaxen in einem Biergarten.“ Currywurst und Schweinshaxe sind aber nicht die einzigen Dienstleistungen. Private Feste und auch Firmenveranstaltungen werden beliefert und organisiert. Und ein Teil der Kundschaft kommt natürlich auch aus der deutschen Gemeinde in Rio de Janeiro. Inzwischen ist aber der Anteil der brasilianischen Abnehmer gestiegen.

Bei aller Lebensfreude und Sonnenschein: Auch in Rio de Janeiro ist es für einen Neuankömmling nicht immer leicht. „Natürlich haben wir auch Lehrgeld zahlen müssen. Mal sind Rechnungen nicht beglichen worden, mal wurden Absprachen nicht eingehalten“, sagt Jochemczyk. Und dann kämpfen Unternehmensgründer häufig mit der brasilianischen Bürokratie. Im Großen und Ganzen aber habe sich der Sprung nach Brasilien gelohnt, sagt Jochemczyk: „Wir genießen das Leben hier.“ Und es gibt offenbar Bedarf an deutschen Spezialitäten. Deswegen überlegt der Schwabe, in Rio einen eigenen Biergarten zu eröffnen. Wichtig ist dabei die richtige Location. „Wir suchen gezielt und wollen nichts überstürzen“, sagt Jochemczyk. Wenn alles gut läuft, soll der deutsche Biergarten noch dieses Jahr seine Tore öffnen.

Besonders beliebt: Die Currywurst

Besonders beliebt sind bei den Brasilianern die deutschen Currywürste. Zubereitet werden sie nach einem Rezept, das der Koch nicht verraten will. „Die Soße ist das Geheimnis“, sagt er. Bei Stadtfesten nicht nur in Santa Teresa bietet das deutsch-brasilianische Paar die Leckereien an. „Gekauft werden sie natürlich von deutschen Touristen, aber eben auch von Brasilianern, die schon einmal in Berlin oder Deutschland waren und deshalb mit der Currywurst vertraut sind.“

Trotz der Krise, die das Land heimsucht, ist Jochemczyk zuversichtlich: „Rio de Janeiro ist und bleibt ein attraktiver Standort und eine der interessantesten Städte der Welt.“ Seine Heimat vergessen hat er jedoch keinesfalls: „Am meisten vermisse ich meine Freunde und einen richtigen Zwiebelrostbraten, den ich mal nicht selber ­machen muss.“

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