Mit Songs von U2 endet die Open-Air-Veranstaltung „Sindelfingen rockt“. An fünf Abenden sorgten Tribute-Bands für gute Unterhaltung auf dem Marktplatz. Eigentlich war alles, wie es sein sollte – bis auf das Wetter. Der Veranstalter zieht ganz eigene Konsequenzen.
Der Abend beginnt mit Donald Trump. Der ehemalige US-Präsident steht vor der amerikanischen Flagge an einem Rednerpult und gibt in zusammengeschnittenen Sound-Fetzen den ersten Song zum besten: „For love of money, money, money, money, money, ...“, dann „Desiiiiire“. Wie die Original-Band spielt auch TribU2 am Mittwochabend auf einer Leinwand immer wieder Videos ein. Mehrfach zeigen sie politisch umstrittene Persönlichkeiten wie Trump, Putin oder Erdogan, die im Chor mitsingen, im Takt mit den Köpfen nicken und die Augenbrauen hochziehen. Aber auch von von Landschaften und Songtexten – oder von Bono, dem Sänger der Original-Formation U2, und seiner Band.
Fast wie alte Bekannte
So bekommt das Publikum auch beim letzten Konzert der Open-Air-Reihe „Sindelfingen rockt“ sowohl die Songs als auch die Show der Band geboten, der Tribut gezollt wird. An diesem Abend könnte man fast denken, da stehe tatsächlich Bono mit seiner beinahe schon ikonischen Sonnenbrille und unverwechselbaren Lederjacke auf der Bühne. Zumindest optisch. Mit Songs wie „The Sweetest Thing“ oder „One“ spielen TribU2 bereits kurz nach dem Beginn des Konzerts Klassiker, die dem Publikum ganz offensichtlich zusagen. Einige Zuschauer kennen die Tribute-Band auch schon, sie war bereits zweimal bei „Sindelfingen rockt“ am Start –zum letzten Mal übrigens genau sechs Jahre zuvor, wie Veranstalter Uwe Hanselmann erzählt: am 30. August 2017
Die U2-Songs leben von der Gitarre
Günther aus Sindelfingen ist voll dabei. „Mich als echten U2-Fan hat es jetzt schon mitgerissen“, sagt er nach den ersten Songs. Er findet, die Stücke leben von der Gitarre, und das sei gut gelungen. Seine Begleiterin Astrid ist noch nicht so begeistert. „Aber das ist auch nicht ganz meine Musik.“ Sie sieht aber Potenzial, dass die Band im zweiten oder dritten Set noch anzieht. „Nicht jeder mag alles“, sagt Günther. Wichtig sei aber, dass die Leute kommen.
Denn die Open-Air-Veranstaltung an sich findet Günther „geil“. Fünf Konzerte hat es in diesem Sommer wieder gegeben. Sie ließen Robbie Williams, Iron Maiden, Tina Turner, Bob Marley und U2 hochleben und haben immer wieder viele Menschen auf den Sindelfinger Marktplatz gezogen – trotz teilweise heftigen Regens.
Auch Astrid war jede Woche da. Günther hat bei „Tina – die Show“ ausgesetzt. „Da hat es so geregnet, dass es mich nicht mehr rausgezogen hat“, sagt er. Astrid haben der Reggae-Abend mit Marley’s Ghost und der Hardrock-Auftritt von Iron Maidnem am besten gefallen. „Marley’s Ghost waren von Anfang bis Ende gut“, sagt Günther. Iron Maidnem sei quasi wie das Original gewesen. Das haben auch Astrid sämtliche Freunde bestätigt, die große Fans von Iron Maiden sind. „Es kommen schon immer hochkarätige Coverbands, die können was“, findet Günther.
Sascha, Sven und Nico aus Maichingen sind auch Fans der Veranstaltung – mehr als von U2. „Ich bin heute eher wegen des Bierchens da“, sagt Sven. Aber das sei auch nicht schlimm, denn es gehe um die Veranstaltung. Manchmal werde Musik geboten, die einem liege, manchmal eher nicht. Auch ihm und seinen Kumpels hat Iron Maidnem am besten gefallen. Je nachdem: „Mal steht man weiter vorne, mal weiter hinten“, schließt er. Heute stehen sie eben weiter hinten. Das Wichtigere ist für ihn: „Hier trifft sich ganz Sindelfingen.“
Worst-Case-Szenario zu hundert Prozent eingetreten
An diesem Mittwoch ist das Wetter gnädig. Doch das war es nicht immer – der Veranstalter Johannes Leichtle weiß ein Lied davon zu singen. „Wir haben noch nie so viel Wasser und Nässe gehabt wie dieses Jahr“, sagt er. Vor den Events male er sich immer ein Worst-Case-Szenario aus. „Dieses Jahr ist es zu hundert Prozent eingetreten.“ Letztes Jahr hatten die Veranstalter verkündet, bei „Sindelfingen rockt“ habe es noch nie geregnet. Das werde er auch weiterhin sagen. „Denn bei Robbie Williams und Tina Turner hat es nicht geregnet, sondern geschüttet.“ Er wolle nicht jammern, immerhin sei das einfach das unternehmerische Risiko. Aber die letzten drei Jahre seien in der Veranstaltungsbranche hart gewesen: Erst Corona, dann der Ukrainekrieg mit den Teuerungsraten – und jetzt so ein Sommer. „Da habe ich mich schon zwischendurch gefragt: Was mache ich hier eigentlich?“
Dennoch: So ein Jahr gebe auch immer Motivation, weiterzumachen. „Nächstes Jahr will ich’s wissen!“, sagt er. Immerhin trage die für die Besucher kostenlose Veranstaltung wesentlich zum kulturellen Leben in der Stadt Sindelfingen bei. Das habe er auch am Durchhaltevermögen des Publikums gesehen. „Bei Tina Turner hat es so geschüttet, dass ich gedacht habe: Es ist vorbei“, erzählt er. Er habe sich in sein Produktionsbüro gesetzt und auf einen leeren Platz vor der Bühne geschaut. „Aber als es aufgehört hat, sind die Menschen sofort wiedergekommen“, sagt er. 1500 Zuschauer haben mit Regenschirmen weitergefeiert. „Das hat mich berührt, dass das Konzept auch bei so einem Wetter funktioniert“, sagt Leichtle.
Gänsehautstimmung zum Schluss
Auch am Mittwochabend funktioniert es. Je später und dunkler es wird, desto voller scheint der Marktplatz zu werden, desto besser wird die Stimmung. Plastikbälle tanzen über die Köpfe des Publikums hinweg, die Meute klatscht und singt lauthals mit. Bei „Still Haven’t Found What I’m Looking for“ kommt gar Gänsehautstimmung auf. Da freut sich der ein oder andere bestimmt schon auf nächstes Jahr – und noch mehr auf das zehnjährige Jubiläum von „Sindelfingen rockt“ im Jahr darauf.