Die Helfer des DRK sind den ganzen Tag gefordert. Foto:  

Mit einem Großaufgebot von Feuerwehr, DRK, Polizei, Bauhof und Verwaltung wird in Plüderhausen ein flächendeckender Stromausfall simuliert. So lief der Einsatz ab.

Die Schmerzensschreie klingen echt, und das Aufgebot an Feuerwehr, Rot-Kreuz-Helfern und Ordnungshütern an der Bahnhofstraße ist real. Doch es ist eine choreografierte Inszenierung, für die es noch ein wenig Fantasie braucht. Der Zug, der wegen eines großen Blackouts im gesamten Remstal auf den Gleisen stehen geblieben ist, ist in Wirklichkeit ein Bus. Und statt 250 eingeschlossenen Zugreisenden, wie es die Krisen-Regie vorschreibt, sitzen etwa 20 schauspielerisch begabte Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen der Hohbergschule in Plüderhausen samt der Konrektorin Heike Kotz im Transportmittel. So steht es am Samstag im Drehbuch der groß angelegten Katastrophenschutzübung in der Remstalgemeinde. Teilnehmende sind die ganze Blaulicht-Familie: Feuerwehr, Rot-Kreuz, Polizei sowie Bauhof und Verwaltung.

 

Krisenstab tagt im Rathaus

Die meisten Bürgerinnen und Bürger von Plüderhausen bekommen nichts vom Geschehen mit. Während sie am Samstag ihren gewohnten Tätigkeiten wie Einkaufen und Kehrwoche nachgehen, tagt der eiligst einberufene Krisenstab im Rathaus. In der ebenfalls ad hoc anberaumten Pressekonferenz unterrichtet Benjamin Treiber, der Bürgermeister von Plüderhausen, mit ernster Miene die anwesende Journaille. Die Feuerwehr sei mit 70 Mann seit dem Stromausfall im Dauereinsatz, Menschenleben seien aber nicht in Gefahr. „Die Lage ist unter Kontrolle“, sagt der Schultes und bittet, die Botschaft an die Bevölkerung weiter zu transportieren, dass Ruhe bewahrt und Wasser gespart werden soll. Derweil werde im Rathaus der Einsatzplan für einen Blackout, der gemeinsam mit vielen anderen für unterschiedliche Szenarien in einer Kiste im Rathauskeller gelagert wurde, „Punkt für Punkt abgearbeitet“.

Seit dem Samstagmorgen, so schreibt es das Drehbuch der Katastrophenschutzübung vor, herrscht in Plüderhausen wie im gesamten Remstal der Ausnahmezustand. Als Erstes, erzählt Thomas M. Ulmer, der Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Plüderhausen, seien zwei Menschen in einer Firma im Aufzug steckengeblieben, der wegen des Stromausfalls weder hoch noch runter fuhr. Diese Notlage habe die Wehr mit wenigen Handgriffen beseitigen können, erklärt der Einsatzleiter.

Doch an diesem Tag reiht sich ein Unglück ans nächste, und das größte davon ist der stromlose Zug-Bus. Es dauert, bis die Eingeschlossenen befreit sind. Nicht alle können selbstständig laufen, müssen gestützt oder sogar getragen werden. Während die neun Sanitäter die zum Teil kollabierten Zuginsassen versorgen, herrscht auch auf dem Bauhof schon Alarmzustand. In Plüderhausens Teilort Walkersbach ist die Trinkwasserversorgung zusammengebrochen.

An den Tankstellen herrscht Ebbe

Schnellstens müssen sogenannte IBC-Container mit Frischwasser in den rund zwölf Kilometer entfernten Ort gebracht werden. Doch an den Tankstellen herrscht Ebbe. Ohne Strom kann kein Benzin in die Zapfsäulen gepumpt werden. Also wird die Not-Tankstelle auf dem Bauhof angezapft, die fast 1000 Liter fasst. Die Lastwagen mit den vier großen Tanks, mit je 1000 Liter Wasser, das aus einer der gemeindeeigenen Quellen stammt, starten in Richtung Walkersbach. „Die Tanks werden am Bürgerhaus abgeladen“, sagt Fabian Clauß, der stellvertretende Bauhofleiter. „Dort kann sich die Bevölkerung Trinkwasser holen.“ Und als sei das nicht genug, wird ein Brand in einem Haus in der Adelberger-Straße gemeldet.

Auch die Einsatzkräfte werden versorgt. Dank eines Notstromaggregates im Keller des Feuerwehrgerätehauses, gibt es sogar eine warme Mahlzeit: Linsen mit Spätzle. „Wir warten den Generator regelmäßig, und einmal im Monat läuft er eine Stunde im Probebetrieb“, sagt Marc Angelmahr, Plüderhausens Feuerwehrkommandant. Auch das Kochen ist Teil der Katastrophenschutzübung. Schließlich müssen die Retter bei Kräften bleiben. Und nicht jeder hat Lust auf den Milchreis, der bisher als Notvorrat gelagert war. „Mir hat er geschmeckt“, sagt Marc Angelmahr, „wenn es wirklich ernst wird, sind wir froh, wenn wir Milchreis haben.“

Die Manöverkritik fällt positiv aus

Die Übung läuft rund – in allen Belangen. Jede Aufgabe wird bewältigt. Als ein Englisch sprechender Mann in der Einsatzleitzentrale der Feuerwehr anruft, ist schnell jemand gefunden, der dieser Sprache mächtig ist, erzählt Thomas M. Ulmer stolz. Entsprechend positiv fällt die Manöverkritik nach der Groß-Simulation aus. Auch vonseiten der Polizei gibt es viel Lob. „Ich finde es herausragend, dass Plüderhausen eine solche Katastrophenschutzübung macht“, sagt Polizeioberrat Stephan Schlotz. Vorbildlich engagiert sei die Kommune, so der Schorndorfer Revierleiter. „Und ein erfahrener Polizeibeamter hat einmal gesagt: Schweiß in der Friedenszeit, erspart Blut in der Krise.“

Ganz so martialisch formuliert es Benjamin Treiber nicht. Aber auch für ihn sind die Übungszwecke zur Zufriedenheit erfüllt. Die Kommunikation zwischen Blaulicht-Familie und Behörde hat reibungslos funktioniert.