Sicherheit in Stuttgart Die Stadt rüstet sich gegen Anschläge

Von Christine Bilger 

Wo jetzt noch provisorische Sperren stehen, sollen verbreiterte Gehwege mit großen Baumtrögen darauf den Verkehr ausbremsen – und so Anschläge mit Fahrzeugen verhindern. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Wo jetzt noch provisorische Sperren stehen, sollen verbreiterte Gehwege mit großen Baumtrögen darauf den Verkehr ausbremsen – und so Anschläge mit Fahrzeugen verhindern. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Rund 1,5 Millionen Euro hat die Landeshauptstadt Stuttgart für Schutzvorrichtungen vorgesehen. Diese sollen rund um zentrale Veranstaltungsorte in der City errichtet werden.

Stuttgart - Überdimensionale Pflanztröge, verschwenkte Fahrspuren und feste sowie versenkbare Poller: Diese Einrichtungen werden das Stadtbild in den kommenden Jahren verändern. Stuttgart zieht damit die Konsequenzen aus den Terroranschlägen von Nizza und Berlin, wo die Täter mit Fahrzeugen in Gruppen rasten. Vor allem Flächen, auf denen oft gefeiert wird, sollen geschützt werden.

Schon das kommende Wochenende hat es in sich: Fischmarkt, Marienplatzfest, Bohnenviertelfest, Festival der Kulturen, die Jazz Open auf dem Schlossplatz sowie die Toten Hosen auf dem Wasen und Helene Fischer im Stadion: Tausende von Gästen hoffen auf ein fröhliches Festwochenende in Stuttgart. Um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, gehören Durchfahrtssperren wie an der Bolzstraße zu festen Bestandteilen des Sicherheitskonzepts. Zudem ist die Polizei mit verstärktem Personal rund um die Veranstaltungsorte im Einsatz.

Poller am Schlossplatz, Zick-Zack-Kurs in der Bolzstraße

Doch damit nicht genug: Die Stadt wird das Thema Terrorabwehr nun dauerhaft mit einem ersten Paket lösen, das voraussichtlich 1,5 Millionen Euro kosten wird: Zentrale Plätze in der Stadt sollen mit Sperren und durch umgestaltete Straßenverläufe gegen Anschläge mit Fahr­zeugen geschützt werden. Im ersten Schritt werden die Veranstaltungsorte in der Innenstadt abgesichert: Der Schlossplatz, der Marktplatz und der Schillerplatz sollen mit Durchfahrtsperren und Fahrbahnveränderungen abgeriegelt werden. „Natürlich müssen die Rettungsgassen immer noch möglich sein“, sagt Herrmann Karpf, Referent des Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer, auf Anfrage unserer Zeitung. Deswegen hat die Stadt auf ein System gesetzt, das die Zufahrtswege freihält, wenn Hilfe gebraucht wird.

An der Bolzstraße und an der Stauffenbergstraße, wo seit gut eineinhalb Jahren regelmäßig Betonteile, sogenannte Leitwände, zur Absperrung stehen, soll die Fahrbahn große Fahrzeuge zu einem Zickzackkurs zwingen. Geplant sind sogenannte Gehwegnasen, also Verbreiterungen, die in die Fahrbahn hineinragen; es entsteht eine Slalomstrecke, die man nur langsam befahren kann. Damit man über die Ausbuchtungen nicht fahren kann, werden Pflanztröge mit Bäumen darauf aufgestellt. Poller sind an mehreren Stellen geplant: Am Rand des Schlossplatzes, auf der Seite der Bolzstraße, wird die Königstraße damit versehen. An den Seiten werden es feste Poller sein, in der Mitte versenkbare. Versenkbar werden auch die Poller auf Höhe der Stiftstraße sein, die quer über die Königstraße geplant sind. Im Zuge der Marktplatzsanierung sollen auch Poller in der Marktstraße kommen.

2019 sollen die ersten Poller stehen

Das Tiefbauamt arbeitet an der Vorbereitung. „Wir müssen klären, was alles im Untergrund liegt“, sagt Jürgen Mutz, Leiter der zuständigen Bauabteilung. Denn ein fester Poller brauche, um eine entsprechende Abwehrwirkung zu haben, ein etwa ein Meter tiefes Fundament. Das Fundament für einen versenkbaren Pfosten müsse etwa doppelt so tief sein. „Da müssen wir vorher wissen, welche Leitungen und Schächte im Untergrund verlaufen“, erläutert Mutz. Im Herbst bekomme der Gemeinderat eine entsprechende Vorlage, dann könne man die Sicherheitseinrichtungen ausschreiben. Der Zeitplan sieht vor, dass im kommenden Sommer der Schutz steht. Einen ersten Eindruck könne man schon früher bekommen: Vier Poller seien bereits bestellt. „Sie werden am Martin-Schrenk-Weg fest installiert“, sagt Mutz. Dieser führt hinterm Stadion zur Haltestelle Neckarpark.

Nicht nur auf städtischem Grund tut sich etwas, auch der Landtag bekommt einen Schutz. Zur Konrad-Adenauer-Straße hin wird die Natursteinmauer, die auf der Seite zur Oper bereits besteht, verlängert. Die Mauer soll etwa kniehoch werden und verhindern, „dass Fahrzeuge unberechtigt in die unmittelbare Nähe des Hauses des Landtags oder des Bürger- und Medienzentrums als Veranstaltungsort gelangen können“, teilte ein Sprecher des Finanzministeriums mit. Die Gestaltung sei auf den Schlossgarten abgestimmt – auch tausche man sich in dieser Hinsicht mit den Fachleuten im Rathaus aus. Das liegt den Lokalpolitikern auch am Herzen: „Ich hoffe sehr, dass die Gestaltung stimmig wird“, sagt zum ­Beispiel Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) mit Blick auf die geplanten Sicherheitsvorkehrungen.

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