Schau genau: gehbehinderte Menschen müssen die mittlere Zufahrt wählen. So ist es auf dem weißen Schild aufgemalt. Für ortsunkundige Autofahrer ist die Orientierung am SI-Centrum aber ohnehin schon oft schwierig, so dass dieser Hinweis manchmal untergeht. Foto: A. Kratz

Ein gehbehinderter Mann sucht in der Tiefgarage des SI-Centrums den Aufzug und findet keinen.

Möhringen - Rolf Hartmann hat getestet, ob das SI-Centrum barrierefrei ist – allerdings nicht freiwillig. An einem Sommerabend war er mit seinen Vereinsfreunden im Biergarten an der Plieninger Straße verabredet. Hartmann ist schlecht zu Fuß. Er fuhr mit dem Auto und stellte seinen Wagen im Parkhaus P2 ab, genauer gesagt im dritten Untergeschoss der Tiefgarage. Er packte seinen Rollator aus und suchte den Aufzug. Doch: „Fehlanzeige, denn ich fand keinen“, sagt Hartmann. Er habe ein paar Leute gefragt, aber niemand habe Bescheid gewusst.

Also blieb dem Rentner nichts anderes übrig, als die Treppe zu nehmen. „Mit Mühe und Not bin ich nach oben gekommen. Den Rollator habe ich geschleppt“, sagt Hartmann. Auch beim Rückweg blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen. „Ich fand auch nirgends einen Hinweis auf einen Aufzug zur Garage“, ergänzt Hartmann.

Das konnte er auch nicht, denn es gibt im Parkhaus P2 keinen Fahrstuhl. Barrierefrei sei es dennoch, sagt Simone Männl. Sie leitet in dem Veranstaltungszentrum den Bereich Marketing und Kommunikation und erklärt: „Das SI-Centrum ist auf der Seite des Palladium Theaters barrierefrei über die oberste Parkebene des P2 erreichbar. Auf dieser Ebene gibt es auch genügend Behindertenparkplätze.“

Die goldene Mitte

Doch wie kommt man auf die oberste Parkebene der Tiefgarage? Das ist die Krux an der Sache. Denn die Autofahrer müssen bei der Einfahrt zur Tiefgarage die richtige wählen. Drei sind es an der Zahl, wer die mittlere wählt, kommt auf die oberste Parkebene. „Dies ist an drei Stellen bereits an der Einfahrt gekennzeichnet und auch baurechtlich so genehmigt“, sagt Männl.

Das obere Parkdeck ist auf der gleichen Ebene wie das untere Stockwerk des SI-Centrums. Man muss also keine Stufen mehr überwinden. Und auf Knopfdruck öffnen die Türen sogar automatisch. Im Gebäude selbst gibt es einen Fahrstuhl. Dieser ist sogar ein richtiges Schmuckstück. Als Nostalgieaufzug sei er ein Bestandteil der Architektur, schreibt Männl und ergänzt: Das gesamte SI-Centrum sei barrierefrei. Es gebe Behindertentoiletten und ausreichend breite Gänge. Der Verband der Rollstuhlfahrer habe das SI-Centrum in der Vergangenheit getestet. Dennoch sei für die Parkhäuser ein neues Beschilderungssystem geplant, „bei dem solche Aspekte zusätzlich berücksichtigt werden“, schreibt Männl.

Das bestätigt auch Sebastian Merkle. Er ist der Pressesprecher des Parkhausbetreibers Apcoa und schreibt: „Als Parkhausbetreiber ist es grundsätzlich unser Anspruch, allen unseren Kunden ein Parkerlebnis zu bieten, das für sie so angenehm und einfach wie möglich ist. Das gilt selbstverständlich auch für Menschen mit Bewegungseinschränkungen.“ Dieses Angebot bestehe selbstverständlich auch im SI-Centrum. Künftig solle die Orientierung für die Autofahrer „noch einfacher“ werden. Darum erarbeite Apcoa momentan ein neues Beschilderungskonzept. „Dieses wird insbesondere auch die Bedürfnisse von Menschen mit Bewegungseinschränkungen berücksichtigen und die Wegeführung zum P2 verbessern“, sagt der Pressesprecher.

Auch neue Kassenautomaten sind vorgesehen

Konkret sei ein „komplett neues Beschilderungskonzept samt Bodenmarkierungen“ geplant. „In diesem Zuge werden auch die Zufahrten neu beschildert und großflächig auf die Parkplätze für Menschen mit Bewegungseinschränkungen hingewiesen“, schreibt Merkle und ergänzt: „Zudem werden wir eine neue Generation von Kassenautomaten aufstellen, bei denen jeweils eines von mehreren Geräten auf einem niedrigen Sockel stehen und über ein geneigtes Display verfügen wird, um Rollstuhlfahrern den Zahlvorgang zu erleichtern.

Ein „Parkerlebnis“ war es für Rolf Hartmann auch, allerdings kein angenehmes. Ihm sei jedenfalls nicht klar gewesen, dass er als gehbehinderter Mensch mit Rollator eine bestimmte Einfahrt hätte wählen müssen. Geärgert hat er sich aber nicht nur über das Parkhaus, sondern auch über die Toiletten. Denn beim Biergarten gebe es kein WC. „Wenn man auf die Toilette muss, ist dies für eine gehbehinderte Person eine Wanderung, denn man muss in den Theatervorraum gehen“, sagt Hartmann.

Männl bestätigt das. Der Außenbereich des Biergartens sei baurechtlich dem Biergarten im SI-Centrum zugeordnet. „Insofern steht beiden auch nur eine zentrale WC-Anlage zur Verfügung“, schreibt die Marketingchefin. Die Toilette befinde sich in dem Gebäude. Das sei von Beginn an so genehmigt gewesen. Für Rolf Hartmann ist das dennoch ein Ding der Unmöglichkeit. „Dazu muss ich sagen, dass bei jedem Heckenbeerlesfest eine Toilette für Männlein und Weiblein vorhanden sein muss.“

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