Monatelang schien sich auf der Baustelle an der Bleichstraße kaum etwas zu tun. Foto: Schnebeck

Die Zweifel an dem geplanten Einkaufszentrums gären schon lange. Nun haben der Oberbürgermeister und der Baubürgermeister Helmut Renftle die Investoren mit dem Vorschlag überrascht, ihnen das Baugelände und das Projekt abzukaufen.

Göppingen - War es vor Jahren eine gute Idee, den Plänen für ein Einkaufszentrum zwischen Bleich- und Mörikestraße zuzustimmen? Viele Stadträte, vor allem aus den Reihen der SPD und der Grünen, zweifeln schon lange daran. Zuletzt machte sich Stephan Horn (Grüne) bei den Haushaltsberatungen dafür stark, die Investoren davon zu überzeugen, auf einen Teil der Ladenflächen zu verzichten und stattdessen Wohnungen auf dem Areal zu bauen. Die Stadtverwaltung jedoch hat sich lange Zeit hinter Simon Schenavsky und seine Partner gestellt, zuletzt wies sie bei entsprechenden Vorstößen der Stadträte meist daraufhin, dass sie den Investoren nichts vorschreiben könne.

Till möchte mehr Wohnungen und weniger Geschäfte

Doch nun hat die Stadtspitze offenbar umgedacht. Der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till und der Baubürgermeister Helmut Renftle haben bei einem etwa zweistündigen Gespräch versucht, Schenavsky davon zu überzeugen, das Projekt samt Grundstück an die Stadt abzutreten. Aus seiner Sicht, so erklärt Till gegenüber unserer Zeitung, sei das mittlerweile mehr als zehn Jahre alte Projekt schlicht und einfach überholt. „Wir brauchen diese Flächen nicht für Handel, sondern für Wohnungen.“ Die Stadt möchte die Tiefgarage wie geplant bauen, im Erdgeschoss will sie an der Post- und der Bleichstraße zwar Geschäfte sehen, an der Mörike- und der Geislinger Straße hingegen Räume für Dienstleister, Praxen, Kanzleien und ähnliches schaffen. Die erste Etage soll Büros vorbehalten sein, vom zweiten Stockwerk an will Till ausschließlich Wohnungen bauen. Um diesen Plan zu verwirklichen, würde die Stadt aber solvente Partner brauchen. „Alleine könnten wir das nicht stemmen, aber ich kann mir vorstellen, dass wir da jemanden finden würden“, sagt Till.

Ob sich die Investoren darauf einlassen, ist fraglich. Schenavsky betont, der Informationsaustausch mit der Stadtspitze sei „vertrauensvoll und sachlich“ gewesen. Doch weiter geht er nicht auf den Vorschlag der Stadtverwaltung ein. Der Investor zeigt sich von seinem Projekt weiterhin überzeugt. Zumal man bereits auf die Veränderungen im Einkaufsverhalten der Bürger reagiert habe.

Stadt ist auf Einigung mit Investoren angewiesen

Natürlich habe es in den vergangenen Jahren im Einzelhandel vor allem durch den Onlinehandel große Veränderungen gegeben, sagt Schenavsky. Doch „dies haben wir vorausgesehen und im Laufe des Genehmigungsverfahrens ein ganzes Handels-Geschoss aus unseren Planungen gestrichen.“ Damit sei man der aktuellen Entwicklung zuvor gekommen, das Einkaufszentrum habe jetzt eine ideale Größe (Untergeschoss-Erdgeschoss-Obergeschoss), „die am Markt nachgefragt ist und bestehen wird“.

Er verstehe den Wunsch der Stadtverwaltung, „in zentraler Lage mehr Wohnraum zu schaffen“, fährt Schenavsky fort. Er habe deshalb angeboten, „im südlichen Bereich unseres Projektes an der Geislinger Straße 40 bis 60 neue Wohnungen zu bauen statt des bisher angedachten Hotels mit 80 bis 100 Zimmern“. Das würde allerdings erst den zweiten Bauabschnitt des Großprojekts betreffen. Im ersten Bauabschnitt, mit dem man demnächst beginnen wolle, seien Änderungen der Pläne nicht sinnvoll. Schließlich seien 70 Prozent der geplanten Fläche bereits vermietet.

Wie es nun mit dem Einkaufszentrum, das den Namen Agnes tragen soll, weitergeht, ist offen. Schenvavsky habe zugesagt, mit seinen Partnern über das Angebot der Stadt nachzudenken, berichtet Till. „Aber was daraus wird, ist offen. Außerdem haben sie alle Genehmigungen, die sie brauchen, um das Projekt wie geplant zu bauen.“

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