Carmen Geiss posiert im kolumbianischen Bogotá mit einem Bettler und postete das Bild auf Facebook. Foto: Facebook

Ein Bild mit einem Bettler aus Bogotá wurde der TV-Familie Geiss zum Verhängnis. Nach einem Shitstorm im Internet beendete Sonnenklar-TV die Zusammenarbeit.

Bogota - Zugegeben, die Bilder sind grenzwertig, die Carmen Geiss bei Facebook gepostet hat. Sich in einem kolumbianischen Armenviertel in Cartagena mit einem offenbar berauschten Bettler in Lumpen auf einem Selfie zu präsentieren, ist nicht jedermanns Sache. Prompt begann auf die 50 Jahre alte Millionärs-Gattin in den sozialen Netzwerken ein sogenannter Shitstorm einzuprasseln.

Die Folgen kommen die TV-Familie Geiss nun teuer zu stehen. Der Münchener Reiseshoppingsender Sonnenklar-TV verkündete am Mittwoch, die Zusammenarbeit mit den Geissens beenden zu wollen. In einer Pressemitteilung heißt es: „In diesem Zusammenhang werden sofort alle TV-Spots vom Sender genommen, alle geplanten Auftritte der Promi-Millionäre zum 15-Jahr- Senderjubiläum abgesagt und die Nominierung für den Tourismus- und Medienpreis Goldene Sonne zurückgezogen.“ Grund seien „unüberbrückbare Differenzen, hervorgerufen durch Posts in sozialen Medien“.

 

Liebe Facebook Freunde, Zurück in der Zivilisation und mit vollem Internetzugang habe ich gemerkt, was für ein...

Posted by Carmen Geiss on Mittwoch, 20. Januar 2016

Sogar eine Art Entschädigungszahlung forderte Sonnenklar-TV, um einen Beitrag zur Wiedergutmachung an Kolumbien zu leisten: „Wir haben Familie Geiss seit den Vorfällen mehrfach schriftlich gebeten, ihr verheerendes Verhalten zu korrigieren“, sagte Sonnenklar-TV-Geschäftsführer Andreas Lambeck: „Wir haben sogar vorgeschlagen, gemeinsam für soziale Zwecke in Kolumbien zu spenden.“ Diesen Vorschlag habe die Familie „rundum abgelehnt“. Die Geissens sollten also Abbitte leisten. Als ob eine Zahlung von 10 000 Euro etwas an den Verhältnissen vor Ort ändern würde.

Tourismus-Experte plädiert für Besuche in Slums

Tourismus-Experte Rafael Castillo arbeitet seit Jahren in der Küstendiözese Cartagena. Der katholische Priester war jüngst vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat nach Deutschland eingeladen worden, um aus seiner Sicht über die Tourismus-Entwicklung in Cartagena zu berichten. Und was Castillo zu berichten hat, dürfte die Tourismus-Manager von Sonnenklar-TV und auch so manchen Kritiker der Familie Geiss überraschen.

Denn „Padre Rafael“ spricht sich genau für solche Besuche aus. „Ich will, dass die Reichen nicht nur in der historischen Altstadt und in den teuren Hotels bleiben“, sagte er einer Zeitung in Cartagena und fordert: „Sie sollen nicht nur ins Hardrock-Café oder in den Havanna Club gehen.“ Die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten dürften keine Angst voreinander haben, sie müssten miteinander ins Gespräch kommen. Ob das nun in so extremer visueller Form wie bei den Geissens geschehen muss, bleibt dahingestellt.

Doch auch für Tourismus-Anbieter wie Sonnenklar-TV, die gerne All-inclusive-Reisen verkaufen, bei denen die Touristen keinerlei Kontakt zu den Einheimischen und der Realität des Landes aufnehmen, hat Castillo eine klare Botschaft: „Humaner Tourismus ist, wenn er so konzipiert ist, dass er sich nicht nur auf die Altstadt und die Küstenstraße konzentriert, sondern auch die Dörfer und die Armenviertel einbezieht.“

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