Shirin David bietet ihren 10.000 Fans beim Tourauftakt in der Schleyerhalle ein perfekt durchchoreografiertes Konzert. Am Abend gibt es einen ganz persönlichen Moment.
Der Abend beginnt reduziert. Shirin David schwebt von der Decke auf die abgedunkelte Bühne. Sie sitzt im glitzernden Outfit auf einer Schaukel und wird ab der ersten gerappten Zeile von den gut 10.000 Fans in der Schleyerhalle euphorisch bejubelt: „Feminin as fuck, meine nicht Alice Schwarzer“. Shirin David beginnt den Abend mit dem ersten Song „Babsi Bars“ ihres aktuellen Albums „Bitches brauchen Rap“.
Die Hamburgerin ist mit Youtube bekannt geworden und mindestens ebenso erfolgreich seit sie als Rapperin mit „Gib ihm“ auf Platz eins der deutschen Charts gelandet ist. Das dazugehörige Musikvideo wurde millionenfach gestreamt. Ist sie aufgrund ihres Aussehens in der Öffentlichkeit Kritik ausgesetzt, – mit ihren Schönheits-Ops geht sie offen um – setzt sie mit ihrem 2021 erschienenen zweiten Album feministische Statements.
Die erste Tour führt durch große Hallen
So besteht auch das Publikum fast ausschließlich aus Frauen oder jungen Mädchen, die in Begleitung der Mütter angereist sind. „Bist du das Plus eins?“ fragt sie einen Mann in den vorderen Reihen. Es folgt das Lied „Lächel doch mal“, in dem Shirin David die Rollen verdreht und Männer im Text zu Objekten degradiert. „Du bist ein schönes Accessoire / Schau nicht böse, lach doch ma’“ – ihr Statement gegen Frauenfeindlichkeit und sexuelle Belästigung.
Bis auf einen Auftritt mit Rapper Haftbefehl, stand Shirin David bisher nie mit ihrer Musik auf einer Bühne. Ihre erste Tour führt sie gleich durch die großen Hallen, das Konzert in der Stuttgarter Schleyerhalle ist der Auftakt.
Bietigheimer Rapper Shindy ist zu Gast
David wird von Tänzerinnen begleitet, während das Bühnenbild hauptsächlich von einer großen Leinwand im Hintergrund dominiert wird. Es gibt Outfitwechsel, Tänzerinnen und wechselnde Musikerinnen, die Gitarre, Harfe oder Klavier spielen. Dass die Musikerin mit klassischer Musik sozialisiert, und schon als Kind in Gesang und Tanz ausgebildet wurde, macht sich vor allem in den ruhigen Momenten bemerkbar. Das Lied „Fliegst du mit“, in dem es um ihren mehr abwesenden als präsenten Vater geht, wird begleitet von Bildern aus der Kindheit. Der persönlichste Moment des Abends.
Der einzige Mann, der an diesem Abend mit David die Bühne teilt ist der Bietigheimer Rapper Shindy. Gemeinsam performen sie Shindys „Affalterbach“ und Davids „NDAs“.
Bei der Zugabe holt sie die junge Rapperin Josi auf die Bühne, die den Abend schon eröffnet hat. Die Frankfurterin ist die erste Künstlerin auf Davids eigenem Musiklabel Juicy Money Records.
Shirin David liefert einen perfekt durchchoreografierten Abend und wird von ihrem Publikum gefeiert, das so laut und textsicher mitrappt, dass fast die Beats im Saal übertönt werden. „Ich bin sprachlos“, sagt Shirin David am Ende.