Mit Trainer Rüdiger Rehm kehrt Foto: Baumann

Fußball-Drittligist Sonnenhof Großaspach will sich hinter dem VfB Stuttgart und 1899 Hoffenheim positionieren.

Grossaspach - Es ist das Spitzenspiel der dritten Liga – zumindest, wenn man nur die vergangenen fünf Spieltage zum Maßstab nimmt. Die SG Sonnenhof Großaspach und Holstein Kiel sind vor dem Duell am Samstag (14 Uhr, Mechatronik Arena, Großaspach) die Mannschaften der Stunde. Kiel musste in den letzten 21 Spielen nur eine Niederlage hinnehmen; die SG ist seit fünf Spielen ohne Niederlage und auf dem besten Wege, den Klassenverbleib zu schaffen.

Dabei hatten viele den Dorfverein schon abgeschrieben. Die Mannschaft agierte nach einem guten Start in die Saison kopf- und mutlos, eine Niederlage reihte sich an die andere. Trainer Rüdiger Rehm, der parallel zur Arbeit mit der Mannschaft seinen Fußballlehrerschein an der Sporthochschule in Köln baute, schienen die Ideen auszugehen. Der Verein stellte ihn frei, Uwe Rapolder übernahm für einige Monate. Wieder gelang ein guter Start mit drei Siegen. „Wir dachten alle, es wäre schon geschafft“, sagt Rehm rückblickend. Er selbst pendelte zwischen der Sporthochschule, dem Trainingsplatz des VfB Stuttgart, bei dem er hospitierte, und dem Stadion im Fautenhau, wo er jedes Spiel „seiner“ Mannschaft verfolgte. „Das war schon eine spezielle Situation. Man ist ja noch sehr nah dran, fiebert mit, kann aber doch nichts tun. Eine schwierige Konstellation“, so Rehm. Doch auch Rapolder verließ das Glück, wieder ging Spiel um Spiel verloren. Nach zwei 1:4-Klatschen trat Rapolder zurück.

„Der Impuls ging von ihm aus. Das kam für uns überraschend. Wir gingen fest davon aus, dass er bis Saisonende bleiben würde“, sagt Rehm, der gegenüber Rapolder dennoch „große Dankbarkeit empfindet“. Plötzlich stand wieder Rehm an der Linie, der in der Zwischenzeit seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. Der Erfolg kam zurück. Seine Mannschaft ist seitdem ungeschlagen und hat sich ein Polster von vier Punkten auf den ersten Abstiegsplatz erarbeitet.

Zweites Standbein für die Talente

Parallel dazu arbeitet man im Hintergrund fleißig an der Zukunft. Der Club will sich noch stärker als Ausbildungsverein positionieren und setzt dabei auf sein „Duales System“. Was dahinter steckt, erklärt Sportchef Ioannis Koukoutrigas: „Wir wollen unseren Talenten nicht nur sportlich etwas bieten, sondern ihnen auch die Chance geben, ein zweites Standbein aufzubauen“. Die Akteure bekommen bei Unternehmen aus dem Sponsorenpool der SG die Möglichkeit, einen Beruf auszuüben. So ist Julian Leist halbtags bei der Garmo AG in Stuttgart als Kaufmann aktiv, Tobias Rühle geht bei einem Maschinenbauer in die Lehre.

Auch im Jugendbereich geht man künftig andere Wege. Der Verein wird seine U23 abmelden. „Die heutige Spielergeneration ist mit 18, 19 Jahren schon so weit, dass wir sie entweder direkt in die erste Mannschaft nehmen können oder ihnen bei anderen Vereinen die Chance geben, zu reifen“, erklärt Koukoutrigas. Mit dem FC Viktoria Backnang hat man schon ein Farmteam gefunden. „Wir wollen nach dem VfB Stuttgart und Hoffenheim die Nummer drei im Ausbildungsbereich in der Region werden“, lautet die klare Zielvorgabe von Koukoutrigas. Die dazugehörige Infrastruktur ist in Arbeit, bis zum Sommer wird eine überdachte Soccerhalle entstehen, ein weiterer Kunstrasenplatz soll ebenfalls kommen.

Doch um wirklich eine gewisse Strahlkraft auf die Talente aus der Region auszuüben, muss man ihnen die Perspektive dritte Liga bieten können. Ein Sieg gegen die Störche aus Kiel wäre eine gute Basis für die verbleibenden Spiele im Kampf gegen den Abstieg. Der Endspurt auf dem Weg zur Nummer drei – er beginnt am heutigen Samstag.

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